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Der Verwalter

Von Liliane Minor. Aktualisiert am 21.03.2011 3 Kommentare

Kampf um den Regierungsrat: Ernst Stocker (SVP) gilt als zugänglich und offen, als einer, mit dem man im Hintergrund Allianzen schmieden kann.

Der Bauernschlaue, der nicht gerne streitet: Ernst Stocker.

Der Bauernschlaue, der nicht gerne streitet: Ernst Stocker.
Bild: Dominique Meienberg

Neun private Fragen

Ernst Stocker

Was ist Ihr Lieblingszitat?
«Die Politik bedeutet starkes, langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmass zugleich» von Max Weber.

Welche Motorfahrzeuge stehen in Ihrer Garage?
Ein uralter Toyota Camry und meine Honda Silver Wing (ein Motorrad).

Welches ist Ihre liebste TV-Unterhaltungssendung?
«Tatort».

Ihre letzte Feriendestination?
Die Costa dei Fiori in Italien. Ich gehe gerne ans Wasser in den Ferien.

Was kochen Sie, wenn Sie selber am Herd stehen?
Ich muss nie kochen, das machen meine Frau und meine Tochter. Aber ich könnte mich notfalls schon durchbringen.

Wie viel Geld haben Sieim Portemonnaie?
200 Franken.

Ihr politisches Vorbild?
(zögert lange) . . . schwierig . . . (überlegt, spielt mit dem Kugelschreiber) . . . ich habe keines.

Ihr letztes Geschenk an Ihre Ehefrau?
Ein Pyjama zu Weihnachten.

Ihr schlimmster politischer Fettnapf?
Die Umzonungen in Wädenswil: Da glaubten meine Berufskollegen, das würde ihre Existenz infrage stellen. Offenbar hatte ich die Situation damals falsch eingeschätzt.

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Bodenständigkeit und Bauernschläue: Das wolle er in den Regierungsrat einbringen, sagte Ernst Stocker, kurz bevor er sein Amt als Regierungsrat antrat. Bodenständig ist er in der Tat geblieben. Seinen Bauernhof hat er zwar an den Sohn abgegeben. Aber noch immer hat er eine Kurzhaar-Frisur und Hände, die zupacken können. Und noch immer steht er einmal pro Woche im Stall – auf Wunsch seiner Frau, wie er sagt: damit er nicht abhebe «z’Züri une». Vor allem aber ist Stocker ein Mann der einfachen, träfen Sprache geblieben.

Sticht aus dem Gremium hervor

Zwar will Stocker selbst keinen Unterschied zwischen sich und seinen Amtskollegen sehen. Tatsache aber ist, dass er angenehm aus dem Gremium hervorsticht, weil er es versteht, auch komplizierte Sachverhalte verständlich zu schildern. Das Beamtendeutsch seiner Verwaltung hat er ebenso wenig verinnerlicht wie die Akademikersprache seiner Regierungskollegen. Das macht ihn beliebt. Aber nicht nur das. Stocker ist ein Bilderbucheinstieg in sein neues Amt gelungen. Dabei profitierte er in den vergangenen zehn Monaten vor allem von Projekten, die lange vor seinem Amtsantritt aufgegleist wurden: Er durfte die neue Linie der Glattalbahn eröffnen, war am Tunneldurchstich unter dem Hauptbahnhof dabei und pflanzte in Zürich-West zusammen mit der grünen Stadträtin Ruth Genner werbewirksam das erste Ahornbäumchen einer zukünftigen Allee. Das habe ihm sicher einiges an Wählergunst eingebracht, sagt er: «Ich hatte gutes Wetter und konnte‹Heu inetue›.»

Die Wirtschaft kommt zuerst

Jetzt gelte es für Stocker – um bei seiner Wortwahl zu blieben – selbst neues Gras zu säen. Ob ihm dies in den nächsten vier Jahren gelingt, ist eine andere Frage. Der 55-jährige Meisterlandwirt aus Wädenswil gilt nicht als sonderlich innovativ. Er sei ein Verwalter, kein Reisser, sagen ehemalige Kantonsratskollegen. In seinen 23 Amtsjahren im Parlament reichte er im Schnitt alle zwei Jahre einen Vorstoss ein; zu Geschäften sprach er selten.

Als Stadtpräsident von Wädenswil hat er hingegen einiges vorzuweisen – aber nicht nur Erfolge wie die Kulturhalle oder den Ausbau der Hochschule, sondern auch Fehlschläge wie das spektakuläre Bahnhofdach, das sich als nicht realisierbar erwies, oder das sang- und klanglos versenkte Hochhauskonzept. Fragt man Stocker nach seinen Visionen für den Kanton Zürich, nennt er die Limmattalbahn, den Gubrist-Ausbau, die Oberlandautobahn. Er spricht von der Lebensqualität, die es zu erhalten gelte, von der Infrastruktur, die man pflegen und – wo nötig – ausbauen müsse. Dazu gehöre auch der Flughafen, der unbedingt ein Hub bleiben müsse. Neue Ideen, wie der Lärmstreit gelöst werden könnte, hat er nicht – das, sagt er, müssten Bern und Berlin entscheiden.

Klar ist für ihn eines: Die Wirtschaft kommt zuerst. Er ist zutiefst überzeugt, dass es den Menschen gut geht, wenn die Wirtschaft brummt. Sorgen macht ihm, dass das nicht alle so sehen: «Wenn wir den Menschen nicht das Gefühl geben können, dass alle vom Wachstum profitieren, dann entscheiden sie sich in Abstimmungen für Lösungen, die unsere Standort-qualität gefährden.»

Mag langweilige Wahlkämpfe

Schwer einzuschätzen ist, wie Stocker reagiert, wenn es politisch hart auf hart geht. Wenn er stürmischen Gegenwind zu spüren bekommt und zum Feindbild jener wird, die sich von ihm nicht vertreten fühlen. Oder wenn er direkt angegriffen wird. In solchen Situationen hat der ruhige, behäbige Mann auch schon die Kontrolle verloren, statt mit Bauernschläue die Wogen zu glätten. Unvergessen ist, wie Stocker im Regierungsrats-Wahlkampf aus einer Diskussionsrunde mit seinem Kontrahenten Daniel Jositsch (SP) wutentbrannt davonlief. Er streite nicht gerne, sagt Stocker von sich selbst, und gibt unumwunden zu, dass ihm der bisher langweilige Wahlkampf 2011 besser behage.

Anderseits hat es Stocker als Regierungsrat erstaunlich rasch geschafft, die umstrittene Wirtschaftsförderungs-Organisation Greater Zurich Area zu stabilisieren und aufgerissene Gräben zuzuschütten. Das passt zu ihm: Als Kantonsratspräsident machte er sich ebenso wie als Stadtpräsident in Wädenswil einen Namen als integrativer, zugänglicher, offener Politiker, mit dem man gut Allianzen schmieden kann. Vor allem in den Flughafen-gemeinden setzt man grosse Hoffnungen in den Volkswirtschaftsdirektor. Er sei viel zugänglicher und habe mehr Verständnis für die Anliegen der Gemeinden als Rita Fuhrer, sagt etwa der Rümlanger Gemeindepräsident Thomas Hardegger (SP).

Manchmal irritierend ehrlich

Wahrscheinlich erhoffen sich die lärmgeplagten Gemeinden da ein bisschen zu viel. Aber das ist nicht Stockers Fehler. Er hat nie unrealistische Lösungen versprochen. Ein Blender ist er nicht.

Manchmal hat seine Ehrlichkeit sogar etwas Irritierendes. Das zeigt sich zum Beispiel im direkten Gespräch mit Ernst Stocker. Fühlt er sich wohl, gibt er Auskunft, gerät manchmal geradezu ins Plaudern, witzelt und zeigt einen spröden Charme. Dann breitet sich auf seinem Gesicht ein Lachen aus, das er unverändert aus seiner Kindheit übernommen haben muss. Nimmt das Gespräch aber eine Wendung, die ihm nicht passt, oder glaubt er, nichts zu sagen zu haben, macht sein Gesicht ebenso schnell zu. Dann wird Stocker einsilbig, fast mürrisch. Leere locker zu überspielen, liegt ihm nicht.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.03.2011, 18:59 Uhr

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3 Kommentare

Thomas Müller

07.03.2011, 09:46 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Diese Partii will uns wieder Leute unterjubeln (Kägi, Stocker), denen jegliche Erfahrung in der Privatwirtschaft abgeht. Beamte, Subventionskassierer. Antworten


Pierre Rappazzo

07.03.2011, 08:54 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Und er hat am Freitag zugesagt, dass er sich dafür einsetzt, dass die Axpo im Bezirk Horgen Starkstrom in die Erde verlegt. Antworten



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