Der grünliberale Etikettenschwindel
Von Stefan Häne. Aktualisiert am 10.03.2010 48 Kommentare
Stefan Häne, Redaktor «Tages-Anzeiger».
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Die Grünliberalen reiten auf einer Erfolgswelle, neu auch in der Stadt Zürich, wo sie am Wochenende fast 10 Prozent der Stimmen ergattert haben. Sie wollene jene Kraft sein, welche die Wirtschaft und die Umwelt miteinander aussöhnen kann. Der grünliberale Mensch trinkt Rotwein aus Chile – biologischen. Er fährt Auto – mit Hybridantrieb. Er reist nach New York – mit Klimaticket. Beispielhaft zeigt sich dieser Neo-Hedonismus bei GLP-Mitbegründer Martin Bäumle. Der Nationalrat fährt in der Freizeit Motorrad, verbraucht aber «maximal» 200 Liter Benzin pro Jahr, wie er auf seiner Homepage schreibt.
Widerspruch: Grün und liberal
Ökologische Gewissensbisse kennt der grünliberale Mensch nicht. Verbote sind ihm nicht geheuer. Sein Glaube an den technischen Fortschritt ist felsenfest. Er setzt auf Anreize, die jeden Menschen quasi automatisch zum umweltbewussten Individuum reifen lassen. Doch just hier krankt das Konstrukt. Grün und liberal – das geht nicht zusammen, wenn Realität werden soll, was die Grünliberalen an vorderster Front propagieren: die 2000-Watt-Gesellschaft.
Die Herausforderungen sind gewaltig. Ein Beispiel: Wer in Bern wohnt und mit dem Zug nach Zürich zur Arbeit fährt, sprengt den Rahmen bereits. Denn allein die Pendlerei frisst 1500 Watt seines Energiebudgets. Eine Gesellschaft, die pro Kopf dreimal weniger Energie verbrauchen soll als heute, wird folglich nicht darum herumkommen, sich einzuschränken und zu verzichten. Das ist keine erquickliche Aussicht für den Liberalen, der seinen Lebensentwurf frei gestalten will. Verzicht geschieht in der Regel nämlich nicht freiwillig: Es wird Verbote und Eingriffe in unser Leben brauchen, um das ehrgeizige Ziel der 2000-Watt-Gesellschaft zu erreichen. Spätestens wenn sich diese Erkenntnis in der Gesellschaft und Politik durchsetzt, werden die inneren Widersprüche der Grünliberalen zutage treten und die Partei vor eine Zerreissprobe stellen.
Anderer Name, weniger attraktiv
Vorerst aber hat die GLP damit zu kämpfen, ihre Wähler bei der Stange zu halten. Im Kanton Zürich wollte sie vor einem Jahr im Verbund mit den Bürgerlichen die Steuerprivilegien ausländischer Millionäre retten. Auf Bundesebene wollte sie letzten Sonntag den Umwandlungssatz in der beruflichen Vorsorge senken. In beiden Fällen hat die GLP die Abstimmung verloren. Auf Wähler, die sich enttäuscht von der SP und den Grünen abgewendet haben, wirkt die Partei gleichwohl attraktiv. Ihre Anziehungskraft verdankt sie massgeblich ihrem Namen – zweifelsohne eine Meisterleistung des Politmarketings. Weniger Zugkraft hätte die Partei, wenn sie sich als das betitelte, was sie im Kern ist: rechts-grün. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 10.03.2010, 04:00 Uhr
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48 Kommentare
Die Grünliberalen erscheinen mir ehrlicher als die Rotgrünen, von denen viele ihre Ideologie nicht leben. Mir begegnete ein Grüner, der sich über Mc Donald`ereiferte und dabei ein Steak ass, ebenso eine Velopolitikerin, die ihren Offroader auf den Radstreifen parkierte. Die Grünliberalen stehen immerhin zu ihren "Sünden". Sind "bürgerliche" Politiker, die gegen KKW hetzen, besser? Antworten
Ich kenne da einen "Dunkelgrünen". Der stört sich an den Strassen und Autobahnen. Als er wieder mal so lamentierte sagte ich zu ihm. Sie haben doch ein Ferienhaus im Tessin und fahren fast jedes Wochenende ins Tessin mit dem Auto. Da meinte er...ja schon...aber da die Strassen schon gebaut sind muss man sie auch benützen. Bei so einer Argumentation war ich sprachlos. Antworten


































