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Der liebe Gott als Trauzeuge

Von Helene Arnet. Aktualisiert am 23.05.2011 2 Kommentare

Was Paare, die sich in Zürich kirchlich trauen lassen, dazu bewogen hat, ihren Bund fürs Leben vor Gott und der Welt zu schliessen.

Frisch vermählt in Regensberg: Stefanie und Thomas aus Kloten.

Frisch vermählt in Regensberg: Stefanie und Thomas aus Kloten.
Bild: Doris Fanconi

Heiraten in der Kirche

Fürbitte oder Sakrament

Nach reformiertem Verständnis ist die kirchliche Trauung ein Segnungs- und Fürbitte-Gottesdienst ohne rechtliche Bedeutung. Bei den Katholiken ist die Ehe ein Sakrament, welches die Ehepartner sich spenden. Deshalb gilt ihnen die Ehe als unauflösbar. Wer einmal katholisch geheiratet hat, kann sich nach einer Scheidung kein weiteres Mal in der Kirche nach katholischem Ritus trauen lassen – ausser jemand ist verwitwet oder die Ehe wäre annulliert worden. Wurde die Ehe nur standesamtlich geschlossen, steht einer späteren kirchlichen Heirat in der katholischen Kirche nichts im Wege, ausser der katholische Ehepartner hat seine Ehe in der katholischen Kirche «registrieren» lassen. Gemischt konfessionelle Ehen sind heute sehr häufig und mit wenig zusätzlichem Aufwand verbunden. Die Trauung kann mit einem reformierten Pfarrer oder einem katholischen Priester bzw. Diakon oder im Beisein beider Amtsträger durchgeführt werden. Auch gemischt religiöse Ehen können in reformierten oder katholischen Kirchen ohne Papierkrieg geschlossen werden. Sie sind aber nicht sehr häufig: Von den 926 Trauungen, die letztes Jahr nach reformiertem Ritus gefeiert wurden, waren 432 gemischt-konfessionell und 37 gemischt-religiös. Dabei stehen Ehen zwischen Muslimen und Christen im Vordergrund. Moslems kennen keinen eigentlichen Trauritus. (net)

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Um 14.10 Uhr gaben sich Stefanie Philipona und Thomas Vogelsanger aus Kloten das Jawort. Und als die beiden am Samstag in die helle Sonne vor die Kirche in Regensberg traten, läuteten die Glocken, die Hochzeitsgäste standen Spalier, und weisse Tauben flogen in den Himmel. «Für uns war immer klar, dass wir kirchlich heiraten werden», sagt die Braut. Die Kapelle im historischen Städtchen Regensberg ist eine beliebte Hochzeitskirche.

Die Zahl der Paare, die sich in der Kirche trauen lassen, nimmt tendenziell wieder zu, allerdings proportional weniger stark als die Gesamtzahl der Hochzeiten. Der Regensberger Pfarrer Martin Schärer hat vor noch nicht allzu langer Zeit jährlich dreissig Traugottesdienste gehalten. «Dieses Jahr sind es aber weniger.» Er stelle zuweilen auch fest, dass Paare, welche sich in der Kirche trauen lassen wollen, sich vor dem Kollegenkreis rechtfertigen müssen. In der für Hochzeiten ebenfalls beliebten Lazariterkirche Gfenn bei Dübendorf fanden vor rund zwanzig Jahren noch jährlich vierzig Hochzeiten statt, heute sind es 25 bis 30. Und der Sigrist der hübschen Kirche in Sitzberg im Tösstal erinnert sich an Samstage, an denen vier Hochzeiten nacheinander stattfanden. Da kam es schon einmal zu Konfusionen unter den Hochzeitsgesellschaften, sodass ein Gast am Schluss im falschen Car sass.

Die Frauen wollen in die Kirche

Alfred Böni ist Pfarrer an der St.-Gallus-Kirche in Schwamendingen. Keine schmucke Hochzeitskirche, 60er-Jahr-Bau. Bei ihm heiratet, wer eine enge Beziehung zur Pfarrei und zum Glauben hat. Bringen telegene Prinzenhochzeiten wieder mehr Leute vor den Traualtar? «Kulissenhochzeiten sind eher die Ausnahme», ist Böni überzeugt. Für die meisten, die sich entscheiden, in der Kirche zu heiraten, stehe das Bedürfnis im Vordergrund, eine «Verbindlichkeit vor dem Herrgott» auszudrücken und um seinen Segen zu bitten. Im Traugespräch zeige sich, dass die Initiative, in der Kirche zu heiraten, meist von der Frau ausgehe. «Von den Männern sei dann zuweilen zu hören: Es reicht doch, wenn wir uns lieben.»

Mischehen ohne Papierkrieg

Gut die Hälfte der kirchlichen Trauungen sind «Mischehen»: Gemischt konfessionelle oder gemischt religiöse. Entgegen der verbreiteten Meinung ist das kaum mehr mit einem Papierkrieg verbunden. In der reformierten Kirche wird dieses Thema in der Regel nur gerade im Ehegespräch angesprochen, die katholische Kirche ist formeller: Dort muss das bischöfliche Generalvikariat seine Zustimmung für eine Vermählung zwischen Katholiken und Angehörigen anderer Religionen erteilen. «Das ist aber reine Formsache», betont Böni. Vorbei sind auch die Zeiten, in denen der katholische Partner unterschreiben musste, dass er die künftigen Kinder zwingend katholisch erziehen werde.

Auch der Ehevorbereitungskurs ist nicht mehr streng obligatorisch. Alfred Böni sagt: «Wir raten aber stark dazu, zumal dort auch gesellschaftliche und juristische Themen angesprochen werden.» Maria Rohweder ist seit 1998 Präsidentin des Vereins Katholisches Eheseminar Zürich, welches konfessionell offene Ehevorbereitungskurse anbietet. Ein Thema, welches dabei oft zur Sprache komme, seien die Mischehen. Aber auch das Trauversprechen, welches im «bis dass der Tod euch scheidet», endet, gebe oft Anlass zu Diskussionen.Zur «Lebenslänglichkeit» erklärt Alfred Böni: «Heute heisst es im Trauakt nicht mehr: ‹versprecht ihr›, sondern ‹habt ihr den festen Willen› als Ausdruck des persönlich-verbindlichen Jawortes.» Ein juristisches Versprechen könne die Kirche ohnehin nicht einfordern. «Uns geht es darum, dass die Eheleute willens sind, ihren Partner voll und ganz so anzunehmen, wie er ist.»Sein Amtskollege Martin Schärer sprach in seinem Traugottesdienst in Regensberg dieselbe Grundhaltung an, indem er sich mit dem zweiten Gebot auseinandersetzte: Du sollst dir kein Bild machen. Man solle den Partner so nehmen, wie er ist – und wie er sein werde. «Die Ehe soll befreiend wirken, nicht einengend», sagen beide Pfarrer.

Sex muss sein

Im Ehedokument, welches der katholische Priester mit den künftigen Eheleuten ausfüllt, stehen etliche kuriose Dinge: «Sind Sie sich bewusst, dass auch zur christlichen Ehe die Fähigkeit zur geschlechtlichen Vereinigung gehört?», wird gefragt. Die Frage rufe gelegentlich einen perplexen Gesichtsausdruck hervor, so Alfred Böni. Auch steht dort, dass man grundsätzlich bereit sein müsse, Kindern das Leben zu schenken, wenn man kirchlich heiraten wolle. «Das hört sich vielleicht altertümlich an, doch steht dahinter die Vorstellung, dass eine Ehe der Grundstein für eine Familie legen soll.» Natürlich werde deswegen einem älteren Paar nicht die Zustimmung zur kirchlichen Heirat verwehrt.

Hat er in seiner 38-jährigen Zeit als Priester schon einmal eine Ehe nicht gestiftet? «Zweimal. Weil ich feststellte, dass die beiden nicht aus freiem Willen heiraten wollten.» Auch diese Bedingung ist eine «Klausel» im Ehevertrag. Im einen Fall war die Braut schwanger und die Eltern drängten zur Ehe. Und hat er schon mal eine Ehe nachträglich für ungültig erklären lassen? «Dreimal. Zweimal davon, weil die Frauen – meist von ihrer streng katholischen Erziehung her – psychisch nicht imstande waren, mit ihrem Mann zu schlafen.»

Ewige Liebe?

«Nothing’s Gonna Change My Love for You», singt George Benson ab CD-Player in der Kirche Regensberg. Stefanie Philipona und Thomas Vogelsanger haben sich ewige Liebe versprochen, gegenseitig die Ringe übergestreift und sich unter dem Applaus der Hochzeitsgesellschaft geküsst. Weshalb das ganze Brimborium? Reichte das Standesamt nicht? Die Braut sagt: «Es gibt unserem Bund mehr Gewicht, wenn er vor den ganzen Familien, vor unseren Freunden und auch vor Gott geschlossen wurde.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.05.2011, 22:30 Uhr

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2 Kommentare

Marco Henzer

23.05.2011, 14:23 Uhr
Melden 3 Empfehlung

Als Atheist bleibt mir da nur zu sagen: "Um Gottes Willen!!!" Antworten


Alfred Schuster

23.05.2011, 15:01 Uhr
Melden 3 Empfehlung

Es geht selten um den Segen von Gott, sondern meistens um die gute Kulisse (oder sind die Kirchen sonntagmorgens etwa wieder voll?). Aber das geht in Ordnung, da kirchliche Hochzeiten Win-win-Situationen für beide Parteien sind. Die Pfarrer können vor vollen Rängen predigen und die Ehefrauen stehen mit ihrem schönen weissen Kleid im Mittelpunkt. Antworten



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