Zürich
Der linke Mörgeli
Interview: Simon Eppenberger. Aktualisiert am 27.04.2011 33 Kommentare
Im Vorstand der Juso Stadt Zürich: Rafael Mörgeli. (Bild: zvg)
Durch Maturaarbeit politisiert
Rafael Mörgeli (18) ist im Vorstand der Juso Stadt Zürich. Der Neffe von SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli (50) ist in Stäfa aufgewachsen und durch seine Maturaarbeit zur Politik gekommen. Als er sich für die Arbeit mit der SP und SVP auseinandersetzte, merkte er, dass die Junge SP seine Ansichten vertritt. Seit Oktober engagiert er sich in der Partei. Als Vorstandsmitglied ist er für die Neuen Medien zuständig.(ep)
Für die SVP im Nationalrat: Christoph Mörgeli, Onkel von Rafael Mörgeli. (Bild: Keystone )
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Herr Mörgeli, Ihr Onkel Christoph ist ein prominenter Politiker. Was ist das für ein Gefühl?
Darauf werde ich viel angesprochen, mich stört es nicht. Ein Gefühl ist damit nicht verbunden, es ist einfach so.
Nützt oder schadet Ihnen die Bekanntheit des Onkels?
Klar werde ich dadurch auch prominenter, aber ich bezweifle, dass es mich politisch weiterbringt. Ich habe damit gerechnet, aber darauf gefreut habe ich mich nicht. Es wäre wohl auch ein Thema gewesen, wenn ich einer anderen Partei oder gar der Jungen SVP beigetreten wäre. Juso-intern ist es sicher kein Bonus.
Wie haben die Jungsozialisten reagiert, als ein Mörgeli der Partei beigetreten ist?
Das war lustig, als ich mich vorgestellt habe. Zuerst blickten sich die Jusos etwas ungläubig an, einige konnten es nicht recht glauben, dass ich mit Christoph Mörgeli verwandt bin. Doch bei der Juso spielt es keine Rolle, woher man kommt. Und jeder merkt schnell, dass ich politisch nicht so denke wie mein Onkel. Ich muss mir jedenfalls nicht ständig blöde Sprüche anhören. Für meinen Onkel schäme ich mich ja auch nicht.
Im «SonntagsBlick» sagte Christoph Mörgeli, Sozialismus sei für 18-Jährige sehr verführerisch, später setze dann die Vernunft ein. Was sagen Sie dazu?
Es stellt sich immer die Frage, was Vernunft ist und wer vernünftig ist. Die Juso-Argumente überzeugen mich und sind für mich total vernünftig. Das kann für andere anders sein. Ich finde aber nicht, dass ich deswegen unvernünftig bin. Dass mein Beitritt zur Juso ein Jugendfehler ist, wie Kommentarschreiber finden, glaube ich nicht. Die persönlich richtige Seite ist immer Ansichtssache.
Ist Ihre Familie sonst politisch aktiv?
Nein. Sie gehen wählen, sind aber in keiner Partei.
Haben Sie ein Vorbild?
Keines, das politisch eine Rolle spielt.
Was wollen Sie mit der Juso erreichen?
Vor allem die einseitige Vermögensverteilung werde ich bekämpfen. Die Vermögensschere in der Schweiz ist zwar nicht so gross wie im Ausland, aber trotzdem sehr ungerecht. Auch erneuerbare Energien sind ein wichtiges Thema. Generell setze ich mich dafür ein, dass die Schweiz einen Schritt vorwärts und nicht rückwärts macht.
Soll die Schweiz in die EU?
Diese Frage ist derzeit gelaufen. Sie jetzt zu stellen, ist zu spät. Wir sind auf dem bilateralen Weg, und das ist so weit okay. Nur einen Schritt zurück sollten wir nicht machen.
Am 1. Mai engagieren Sie sich am Juso-Stand. Werden Sie auch demonstrieren?
Am offiziellen Umzug laufe ich mit. Steine werfen werde ich sicher nicht. Die zunehmende Gewalt in der Politik lehne ich ab. Ob die Attacke auf Hans Fehr oder Krawalle am 1. Mai, solche Vorfälle sind total daneben.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 26.04.2011, 13:14 Uhr
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