«Deutsche per Verfassung in die Spitzenpositionen bringen»
Von Christoph Landolt. Aktualisiert am 26.02.2010 17 Kommentare
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Die Gründung einer Partei ist normalerweise eine ernste Angelegenheit. Lockerer geht es zu und her, wenn die deutsche Partei mit dem sinnigen Namen «Die Partei» einen neuen Landesverband oder – wie für gestern Donnerstag Abend angekündigt – eine Ausland-Sektion aus der Taufe heben will.
Obschon sich die «Partei»-Spitze mit nüchterner Mimik und grauen Einheitsanzügen (49.- Euro, C&A) um Seriosität bemüht, will partout kein Gründerfieber aufkommen – die schätzungsweise hundert Besucher der Veranstaltung amüsieren sich, wenn der Dokumentarfilm über den unaufhaltsamen Aufstieg der «Partei» gezeigt wird und Mitglied Nr. 000'001, der grosse Parteivorsitzende Martin Sonneborn, seine Worte an die versammelte Menge richtet.
Nicht finster genug
Selbst wenn Sonneborn, hauptberuflich Redakteur des Satire-Magazins Titanic, totalitäre Töne anschlägt («Links und rechts von der Partei darf es nichts geben») und der verkommenen Schweiz unverhohlen droht («Sonst müssen die Schweizer Gebühren für ARD und ZDF für die letzten fünfzig Jahre nachzahlen»), auf dass sich diese wieder in die Reihe der «anständigen Nationen» einreihe, kommt aus den Reihen des Publikums kein Protest. Dafür sind Sonneborn und seine Parteisoldaten viel zu wenig ideologische Finsterlinge.
Denn eine Ideologie braucht eine «Partei» nicht. Anders als andere Parteien bekennt sie sich offen zur reinen Lehre des Populismus. Die Herzen der Menschen gewinnen, lautet Sonneborns Devise, und wie das geht, zeigt ein Film, der in der Roten Fabrik vorgeführt wurde. Darin zeigen sich die «Partei»-Mitglieder, wie sie in den Fussgängerzonen Westdeutschlands Unterschriften für die Wiedererrichtung der Mauer sammeln. Wie sie zu dreissigst nach Georgien reisen und nicht nur den dortigen Oppositionsführer, sondern auch das kaukasische TV-Publikum an der Nase herumführen. Man sieht das Casting, mit dem die «Partei» eine Kanzlerkandidatin gekürt hat, und die Besucher des Reichstags, die artig zurück winken, als der «Partei»-Vorsitzende sie im Stile eines Volkstribuns grüsst.
Die Gründung ist verschoben
In die Satire-Ecke will sich Sonneborn partout nicht stellen lassen. Dass seine Partei eine Juxtruppe sei, lässt er nicht gelten, sondern verweist mit unbewegter Miene auf die Ernsthaftigkeit seines Anliegens. Zweifel daran kommen jedoch auf, wenn das Publikum aus dem Saal strömt, ohne je mit Beitrittsformularen belästigt worden zu sein. Ist es Sonneborn gar nicht so ernst mit der angekündigten Parteigründung? Keineswegs, meint dieser. Wenn sich genug Neumitglieder melden («auch Schweizer sind willkommen»), wird die Sektion in den nächsten Wochen gegründet – und die «volksdeutsche Minderheit in der Schweiz» erhält doch noch ihre politische Vertretung.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 26.02.2010, 11:04 Uhr


































