Zürich
«Die Armee ist nicht heikler als andere Organisationen»
Von Tina Fassbind. Aktualisiert am 30.01.2012 21 Kommentare
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Polizeivorsteher Daniel Leupi steht in der Kritik. Er soll im vergangenen November bei der Verabschiedung von Soldaten in Dübendorf eine Rede gehalten haben, die viele Anwesende deplatziert fanden. Leupis Tonalität gegenüber der Armee habe bereits bei einem ähnlichen Anlass 2010 für Kopfschütteln unter den Soldaten gesorgt, schreibt der «Tages-Anzeiger» heute Montag. Er habe den Eindruck erweckt, die Armee als Institution nicht ernst zu nehmen.
«Die ganze Dienstzeit war ein Witz»
In den Kommentarspalten von Tagesanzeiger.ch bekommt der Zürcher Stadtrat nun Rückendeckung. «Wie soll man diese Folklore auch ernst nehmen?», fragt beispielsweise Jules Mari – und Peter Steiner, selbst ehemaliger Dienstpflichtiger, stellt sich die Frage, wieso die Verabschiedung eine ernste Angelegenheit sein soll, «wenn die ganze Dienstzeit ein Witz war?»
Einige Leser waren selbst vor Ort, als Leupi die umstrittene Rede gehalten hat. Unter ihnen auch Roman Racine. Er fand die Rede gut, aber «egal, was er sagt: Irgendwer wird sich immer an irgendwas stören.» Und auch Thomas Kuster schreibt, dass die Anwesenden damit einverstanden waren, dass «die beste Armee der Welt» vom Stadtrat auf die Schippe genommen wurde. «Es lief ja nicht immer alles rund.»
Ralf Schuler hat die Verabschiedung in Dübendorf «trotz Marschbefehl unentschuldigt geschwänzt», wie er selber schreibt. «Die Rede von Herrn Leupi, bei der er unseren lustigen Trachtenverein ein bisschen aufs Korn genommen hat, wäre für mich jedenfalls der einzige Grund gewesen, da hin zu gehen. Wer in Schweiz Dienst geleistet hat, kann darüber nur lachen.»
Keine Frage des Humors
Warum also ist den Anwesenden trotzdem das Lachen vergangen? Haben Armeeangehörige keinen Sinn für Humor? «Es ist keine Frage des Humors. Den haben wir auch und der ist auch erlaubt», betont Oberst Daniel Bosshard, zuständiger Kreiskommandant der Sicherheitsdirektion Kanton Zürich, auf Anfrage. Die Armee sei da nicht heikler als andere Organisationen. «Aber auch private Vereine hätten es nicht gerne, wenn sich ein Gast über die Institution lustig machen würde, von der er eingeladen wurde.»
Diese Männer seien während zehn bis sechzehn Jahren an unzähligen Tagen im Einsatz für die Sicherheit des Landes gestanden, führt Bosshard weiter aus. «An einem solchen Anlass sollte man sich für diesen Einsatz bedanken und nicht etwas lächerlich machen, für das sie Dienst geleistet haben. Auch wenn Herr Leupi sich nicht über die Anwesenden lustig gemacht hat, haben sie es doch so empfunden.»
Ein lockerer Spruch sei an einem solchen Anlass schon möglich, findet auch Oliver Müller, Präsident der Offiziersgesellschaft des Kantons Zürich. «Es kommt aber immer auch auf die Tonalität und die Situation an», betont er weiter.
Parteizugehörigkeit spielt keine Rolle
Ein Exekutivmitglied wie Stadtrat Leupi sei gemäss Müller dazu verpflichtet, auch an Anlässen Reden zu halten, die nicht seinen politischen Präferenzen entsprechen. «Zwischen der Armee und einem grünen Politiker kann durchaus ein solches Spannungsfeld entstehen. Ein politischer Amtsträger muss aber neutral bleiben und Respekt und Würde wahren.»
Daniel Bosshard sieht in der Parteizugehörigkeit Leupis allerdings kein Problem. «Wir hatten auch schon andere linke Politiker am Rednerpult.» Abgesehen davon habe der Polizeivorsteher in den letzten zwei Jahren bereits drei Reden gehalten. Dabei habe jene vom 9. November 2011 «nicht den Erwartungen der Festteilnehmer entsprochen», so Bosshard. Der Stadtrat sei gleich im Anschluss an die Rede darauf angesprochen worden und er habe den Fehler sofort erkannt. «Eine Woche darauf, als er erneut zur Verabschiedung von Soldaten eingeladen wurde, hat er eine hervorragende und sehr staatsmännische Rede gehalten, in der auch der Humor nicht zu kurz kam. Sie war wirklich perfekt. Hut ab!» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 30.01.2012, 13:09 Uhr
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21 Kommentare
Also wenn ich eine unvoreingenommene Meinung über Abtreibungen hören will, frage ich bestimmt den Papst. Und natürlich frage ich ausgerechnet einen Oberst oder gar den Präsidenten der Offiziersgesellschaft. Bekanntlich ist ja die Offiziersgesellschaft im Speziellen ja ganz unvoreingenommen bei Armeefragen und vor allem beim Umfang mit armeekritischen Meinungen... Antworten
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