Die Doppelstöcker retteten die S-Bahn

Heute vor 20 Jahren fuhr die erste S-Bahn in den neuen Bahnhof Stadelhofen ein. Der Verkehrsverbund wächst und wächst.

27. Mai 1990: Ein S-Bahn-Zug im neu gestalteten Bahnhof Stadelhofen.

27. Mai 1990: Ein S-Bahn-Zug im neu gestalteten Bahnhof Stadelhofen.

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Man wagt es sich gar nicht auszudenken, was wäre, wenn es keine S-Bahn und keinen Zürcher Verkehrsverbund gäbe: 1,6 Millionen Passagiere pendeln täglich mit S-Bahn, Tram, Bus – und Schiff. Würden sie alle in voll besetzten Autos reisen, gäbe das – rein hypothetisch – morgens und abends eine stehende Kolonne von über 1000 Kilometern.

Doch glücklicherweise sagten die Stimmbürger des Kantons 1981 mit Zweidrittelmehrheit Ja zur S-Bahn mit unterirdischem Bahnhof sowie den zwei Tunneln nach Stadelhofen und Stettbach. Das war nicht selbstverständlich. Denn 1973 hatte die Kantonsbevölkerung eine kombinierte U- und S-Bahn abgelehnt. Die zunehmend verstopfte Stadt führte dann zum Umdenken. Nur ein Ziel konnte der Vater der S-Bahn, der 2004 verstorbene Regierungsrat Hans Künzi (FDP), nicht erreichen, weil er im Regierungsrat mit seiner Idee nicht durchkam: eine Haltestelle Uni im Hirschengrabentunnel zwischen HB und Stettbach.

Die Doppelstöcker als Glücksfall

Zum Glück, muss man aus heutiger Sicht sagen. Künzi konnte nicht ahnen, dass der Verkehr seit 1990 um das Zweieinhalbfache zunehmen würde. Ein zusätzlicher Halt mitten im Tunnel wäre heute undenkbar. Bewährt hat sich aus heutiger Sicht auch, dass der Kanton Zürich damals bei den zögernden SBB grossen Druck für Doppelstockzüge machte. Mit konventionellen Zügen wäre die S-Bahn von Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen. Ab 2011 wird mit den Stadler-Zügen bereits die dritte Generation von Doppelstöckern eingesetzt.

Das Jahrhundertwerk – zu vergleichen mit dem Uetlibergtunnel für die Autos und der noch im Bau befindlichen Durchmesserlinie – wurde vor 20 Jahren im Bahnhof Stadelhofen von Bundesrat Adolf Ogi eingeweiht. Die schnellen Verbindungen nach Rapperswil, Uster und Winterthur sind heute nicht mehr wegzudenken.

Fast so wichtig wie die Bauwerke ist die schweizweit einmalige Gründung eines Verkehrsverbunds. 50 Verkehrsunternehmen von der S-Bahn über die Zürcher Trams bis zur Seilbahn auf die Felsenegg funktionieren als grosses Ganzes. Die Slogans «einer für alle» oder die preisgekrönte Kampagne «Ein Ticket für alles» mit dem schwimmenden Tram sind Klassiker.

Gerechtes Finanzierungssystem

Georg Elser, damals Leiter Öffentlicher Verkehr in der Volkswirtschaftsdirektion und erster ZVV-Direktor, ist auch heute noch stolz auf das Finanzierungsmodell: 60 Prozent des Aufwands werden durch die Verkehrseinnahmen gedeckt, die restlichen Kosten übernehmen der Kanton und die 171 Gemeinden im Kanton je zur Hälfte. «Dieses System wird von allen als sehr gerecht empfunden», sagt Elser.

Schon dreimal wurden S-Bahn-Netz und Busanschlüsse seit 1990 ausgebaut und von Schaffhausen bis Aarau erweitert. Der vierte Schritt steht an: Durchgangsbahnhof sowie Verbesserungen am linken Ufer, Richtung Ziegelbrücke und Zug. Dazu kommen die Fertigstellung der Glattalbahn bis Stettbach und das Tram Zürich-West bis Altstetten. In Planung sind die Verlängerung des 8er-Trams über die Hardbrücke bis zum Werdhölzli (Baubeginn 2015) und die Limmattalbahn bis Killwangen (ab 2019). Eine weitere Ausdehnung des ZVV-Gebietes ist nicht geplant.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 26.05.2010, 23:43 Uhr)

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Bundesrat Adolf Ogi 1990 bei der Startfeier der S-Bahn im Bahnhof Stadelhofen. (Bild: Keystone )

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