Die ETH bildet teure Informatiker aus – aber nicht nur für die Schweiz
Von Franziska Kohler. Aktualisiert am 23.01.2012 58 Kommentare
«Die Wirtschaft muss ihre Bedürfnisse anmelden»: Dieter Wüest, Leiter des Rektorats bei der ETH Zürich.
Artikel zum Thema
- Ausländische Fachkräfte für Google & Co., nicht aber für KMU
- Bundesrat erhöht Kontingente für Nicht-EU-Bürger
- Google-Zentrale in Zürich in Gefahr
Stichworte
Etwas gesehen, etwas geschehen?
Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an
4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Über 100'000 Franken kostet es, bis ein Informatiker an der ETH Zürich sein Studium abschliesst. Dies unabhängig davon, ob er aus der Schweiz, aus Europa oder von ausserhalb des EU-Raumes kommt. Ein grosses Investment, das Hochschule und Staat leisten, um Studenten aus aller Welt in der Schweiz auszubilden.
Ein Investment auch, von dem die Schweizer Wirtschaft nur begrenzt profitieren kann. Der Kanton Zürich beispielsweise darf jährlich nicht mehr als 3600 Arbeitsbewilligungen für hoch qualifizierte Fachkräfte, die nicht aus der EU stammen, erteilen.
Die Probleme der Kleinen
Mehrere Branchen haben diese Beschränkungen bereits als zu tief kritisiert. Jüngst waren es kleinere und mittlere IT-Firmen, die bemängelten, nicht genügend qualifizierte Fachkräfte zu finden: Es sei praktisch unmöglich, talentierte, nicht in der Schweiz geborene Informatiker anzustellen, sagte der Geschäftsleiter einer kleineren IT-Agentur.
Bei der ETH Zürich kennt man das Problem. Von 600 Informatik-Studenten, die gerade ihr Master-Studium dort absolvieren, sind 142 Ausländer, 49 davon stammen aus Nicht-EU-Ländern. «Wir beobachten tatsächlich, dass es Abgänger gibt, die Stellenangebote aus der Schweizer Wirtschaft erhalten – diese aber nicht annehmen können, weil das Kontingent bereits erschöpft ist», sagt Dieter Wüest, Leiter des ETH-Rektorats. Seit einem Jahr können Studenten aus Drittländern ihre Aufenthaltsbewilligung nach dem Studienabschluss um bis zu sechs Monate verlängern, um in der Schweiz auf Stellensuche zu gehen. Diese Möglichkeit wird laut Wüest auch in Anspruch genommen. «Ob sich dadurch die Zahl derjenigen, die tatsächlich eine Stelle antreten, erhöht, können wir aber noch nicht abschätzen.»
Es ist laut Wüest aus mehreren Gründen trotzdem sinnvoll, ausländische Studierende hier auszubilden. «Die Absolventen bauen während dem Studium einen Bezug zur Schweiz auf, der auch erhalten bleibt, wenn sie nach Abschluss ins Ausland abwandern.» In welchem Masse dieser Gewinn allerdings die begrenzten Möglichkeiten der anschliessenden Beschäftigung in der Schweiz relativiere, könne diskutiert werden.
«Die Wirtschaft muss ihre Bedürfnisse anmelden»
Zur Höhe des Kontingents will Wüest keinen Kommentar abgeben. Es sei grundsätzlich die Aufgabe der Wirtschaft, ihre Bedürfnisse an ausländischen Fachkräften auszuloten und falls nötig die Diskussion zu lancieren, «was nun ja gerade passiert». Es sei wichtig für die Schweiz, über die Höhe des Kontingents zu diskutieren, aber: «Es ist nicht Aufgabe der Hochschule, dazu Stellung zu nehmen.»
Dass im Informatik-Bereich tatsächlich ein Fachkräftemangel besteht, davon berichten auch Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Leser. Andreas Kummermann bespielsweise schreibt, er sei mit seinem Bachelor in Software Engineering direkt angestellt worden, obwohl er nur knapp einen Drittel des Stellenbeschriebs erfüllt habe. Ähnlich einfach hätten praktisch alle seiner Studienkollegen einen Job gefunden, «wobei ich einige von ihnen niemals eingestellt hätte».
Viele Leser sehen die Verantwortung aber auch bei den IT-Unternehmen selbst: «Wenn Arbeitgeber über angeblichen Fachkräftemangel lamentieren, dann meinen sie fast immer einen Mangel an billigen Fachkräften», schreibt dazu Hans Schmid. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 23.01.2012, 15:08 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
58 Kommentare
Bin in der IT-Brnche tätig und kann bestätigen dass Grossunternehmer wie Banken, Versicherungen etc. nur nach billigen Fachkräften aus sind. Es gibt sehr viele Informatiker in der Schweiz. Nur möchten vor allem Banken billige Inder reinholen, welche nur die Hälfte kosten. Das sehe ich Tag täglich. Bsp: Bei der CS in Zürich gibt es Abteilungen da sind zu 100% nur Inder angestellt. Antworten
Treffender kann man es nicht schreiben, es herrscht nicht ein Mangel an Fachkräften aber an billigen Fachkräften, wobei billig nicht kosteneffizient bedeutet. Ich staune wieviele indische Informatiker mittlerweile bei unserer Bank in der Schweiz arbeiten. Diese Personen sind korrekt ausgebildet aber auch nicht mehr, für mich nicht verständlich wieso es dafür so viele Arbeitsbewilligungen gibt. Antworten
Zürich
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Bitte warten
