Zürich
«Die Festnahme ist das letzte und härteste Mittel»
Interview: Simon Eppenberger. Aktualisiert am 13.09.2010 19 Kommentare
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«Gewaltbereiten Minderheit Grenzen aufzeigen»: Marco Cortesi, Medienchef der Stadtpolizei. (Bild: Keystone )
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Am letzten Donnerstag solidarisierten sich weit über 100 Personen mit einem mutmasslichen Drogendealer, als dieser im Kreis 4 festgenommen wurde. Flaschen flogen gegen die Beamten und erst der Einsatz von zahlreichen zusätzlichen Einsatzkräften konnte die Situation beruhigen. Wie erklären Sie sich die Solidarisierung mit einem offenbar Kriminellen und die Aggression gegen die Polizei?
Die Ursache ist schwierig zu erklären. Das Phänomen solcher Aggressionen betrifft leider nicht nur die Polizei, sondern auch andere Blaulichtorganisationen wie die Sanität oder Feuerwehr. Und dieses Phänomen tritt nicht nur in Zürich oder in der Schweiz, sondern europaweit auf.
Der Spruch ‹Die Polizei, dein Freund und Helfer› scheint ins Gegenteil verkehrt zur werden. Woher kommt diese Entwicklung?
In Umfragen quer durch alle Schichten der Bevölkerung der Stadt Zürich finden rund 85 Prozent, die Stadtpolizei mache einen guten bis sehr guten Job. Ein gewisser Teil sieht das offenbar anders. Die Gründe dafür sind komplex. Die Einsatzkräfte erleben die meisten Aggressionen, wenn viele Personen spätabends im Ausgang sind, also in den Nächten vom Donnerstag bis Sonntag. Sehr oft spielen auch Drogen und Alkohol eine negative Rolle.
Damit scheint man nicht alles erklären zu können. Alkohol und ein grosses Ausgehvolk in den Kreisen 4 und 5 gibt es spätestens seit der Liberalisierung des Gastgewerbegesetzes 1998.
Die Ursachen solcher Aggressionen haben nicht immer direkt mit der Polizeiarbeit zu tun. Grundsätzlich stehen die Staatsobrigkeit und ihre Behörden besonders im Fokus der Leute. Gewisse Personen sehen die Polizei als repressive Staatsmacht und lehnen sich grundsätzlich gegen sie auf. Diese Brücke kann man ja noch schlagen. Doch das geht noch weiter und betrifft wie gesagt sogar Sanitäter und Feuerwehrleute. Es gibt leider eine kleine Minderheit, die generell gewaltbereit ist und das auch auslebt. Das richtet sich nicht nur gegen Beamte, sondern auch gegen Unbeteiligte, etwa kleine Gewerbetreibende, denen am 1. Mai der Laden zerstört wird, oder auch gut sichtbar im Sportbereich wie beispielsweise dem Fussball.
Viele Leser von Tagesanzeiger.ch kritisieren aber direkt die Polizei und ihre Arbeit auf der Strasse. Hat die Stapo ein Imageproblem?
Nein, im Gegenteil. Regelmässig durchgeführte Umfrage zeigen, dass sich die meisten Bewohner von Zürich sicher und wohl fühlen. Zürich gilt weltweit als eine der beliebtesten und sichersten Städte.
Trotzdem fehlt der Respekt vor der Polizei. Wie will die Stadtpolizei das Problem lösen?
Grundsätzlich muss man Gewaltbereiten und Pöblern die Grenzen aufzeigen. Um einzelnen Täter aus einer aggressiven Menschenmenge heraus habhaft zu werden, müssen zusätzliche Leute aufgeboten werden. Diese Ressourcen sind nicht immer vorhanden. Die Polizei kann das Problem alleine aber nicht lösen. Es ist auch ein gesellschaftliches Problem. Die Situation ist sehr komplex und muss genau analysiert werden. Erst dann kann entscheiden werden, was zu tun ist.
Wir hörten von einem alten Dealer-Trick: Bei einer Verhaftung wird möglichst stark übertreiben und geschrien, als würden die Beamten beim Verdächtigen mehr Gewalt anwenden als nötig. Können Sie das bestätigen?
Wir haben auch schon solche Erfahrungen gemacht. Es gibt Leute, die diese Masche anwenden, um damit die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
Wie reagiert die Polizei in solchen Situationen?
Grundsätzlich macht das für uns keinen Unterschied. Wenn wir jemanden festnehmen, ist der Entscheid dazu bereits gefällt – auch wenn die betroffene Person sich dagegen wehrt. Die Festnahme ist das letzte und härteste Mittel. Darum wird es nur angewendet, wenn alle Voraussetzungen erfüllt sind.
(Mitarbeit: alb) (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 13.09.2010, 16:56 Uhr
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19 Kommentare
Damit die Polizei wieder Rückhalt in der Bevölkerung findet, Herr Cortesi, ist ganz einfach. Weniger martialisch auftreten, reden statt gleich handgreiflich werden. Und vorallem sich den Dingen zuwenden die die Bevölkerung beschäftigen. D.h. in kurzen Worten: Drogenhandel bekämpfen, Prostitution eindämmen etc. aber nicht Bussen verteilen, Velofahrer schikanieren etc. Antworten
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