Zürich
«Die Feuerwehr ist der perfekte Ort für Serienbrandstifter»
Von Mario Stäuble. Aktualisiert am 27.01.2012 6 Kommentare
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«Die meisten Brandstifter sind vereinsamte Leute»: Rechtspsychologe Hans-Werner Reinfried. (Bild: zvg)
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Der Elgger Brandstifter ist auch Feuerwehrmann. Weshalb diese widersprüchliche Doppelrolle?
Hans-Werner Reinfried: Serienbrandstifter sind vom Feuer übermässig fasziniert, sie fühlen sich zu den Flammen hingezogen. Dafür ist die Feuerwehr der perfekte Ort. Dort kann man am ehesten einen richtigen Brand miterleben.
Ein Feuer kann man auch legen, ohne in der Feuerwehr zu sein . . .
Da kommt das Soziale ins Spiel: Die meisten Brandstifter sind vereinsamte Leute mit schwachem Selbstbewusstsein, die in der Gesellschaft keinen Anschluss finden. In einem Dorf ist die Feuerwehr die einfachste Möglichkeit, sich zu integrieren. Man tritt ein, macht bei den Übungen mit – und ist sofort voll akzeptiert.
Der Verdächtige hat einem freiwilligen DNA-Test zugestimmt. Er muss geahnt haben, dass man ihn erwischt. Geflohen ist er nicht.
Den meisten Brandstiftern ist bewusst, dass sie etwas Falsches tun. Sie führen einen Kampf gegen den inneren Zwang, Feuer zu legen. Oft arbeiten sie sogar darauf hin, entdeckt zu werden. Im Fall Elgg war es vielleicht auch Gruppendruck. Wenn der Täter als einziger Feuerwehrmann den Test abgelehnt hätte, wäre er wohl unter Verdacht geraten.
Ist er froh, dass es nun vorbei ist?
Es führt zu einer Entspannung. Er wird keine Brände mehr legen müssen. Und er erhält Beachtung, wenn auch nicht von der Art, die er sich gewünscht hat.
Wie können Sie als Therapeut den Drang zum Feuerlegen ausschalten?
Man muss unterscheiden: Es gibt Brandstifter, die minderintelligent sind. Die muss man überwachen, am besten in einer Anstalt.
Im Fall Elgg hat sich der Täter immerhin in die Feuerwehr eingliedern können.
Deshalb gehe ich auch nicht davon aus, dass er minderintelligent ist. Eine Therapie hat deshalb gute Chancen. Der schwierige Teil daran ist jeweils, den Brandstifter aus seiner sozialen Isolation herauszuholen und ihm beim Aufbauen von Beziehungen zu anderen Menschen zu helfen. Das kann mehrere Jahre dauern. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 27.01.2012, 07:41 Uhr
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6 Kommentare
Alle Feuerwehrleute sind auch Individuen. Dass wir Feuerwehrleute permanent unter den Vorurteilen leiden ist klar. Aber ich bitte darum dass man bedenkt dass es in der Schweiz zehntausende von Feuerwehrleuten gibt die ihren Dienst für die Allgemeinheit tun um zu retten, zu helfen und Schaden zu minimieren, freiwillig!
Und kranke Personen wie Brandstifter sind eine verschwindend kleine Ausnahme!
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