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«Die Frage ist, ob wir gestaltete Plätze oder trostlose Flächen wollen»

Im Dezember wird der Gemeinderat erneut über den Hafenkran streiten. Stadträtin Ruth Genner sagt im Interview, was der Stadt bei einer erneuten Abfuhr blüht.

1/5 Soll nun 2012 aufgestellt werden: Ein Hafendrehkran auf der Plattform vor dem Rathauscafé.
Bild: zürich transit maritim

   

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Das Kunstprojekt «Zürich transit maritim» ist sehr umstritten. Einmal wurde der Kredit vom Gemeinderat gestrichen, im vergangenen Jahr zog ihn der Stadtrat als Sparmassnahme zurück. Wird der Hafenkran für das kommende Jahr erneut budgetiert?
In der Finanzplanung sind Beträge für das Projekt «Zürich transit maritim» für die Jahre 2012, 2013 und 2014 eingestellt. Ein Element davon ist auch der Hafenkran. Der Gemeinderat wird im Dezember im Rahmen der Budgetdebatte über die Kredite für das kommende Jahr befinden können. Wir werden uns bis dahin darum bemühen, dass der Gemeinderat das gesamte Projekt in all seinen Facetten kennt.

Angenommen, der Gemeinderat heisst die Kredite gut, wann steht am Limmatquai ein Hafenkran?
Die Künstler planen, den Kran 2013 aufzustellen, wenig später würde das Horn installiert. Nach neun Monaten würde der Kran wieder verschwinden, nach und nach auch die Poller. Damit dieser Fahrplan eingehalten werden kann, müssten die Künstler ab dem kommenden Jahr projektieren können.

Wenn die Kredite erneut abgelehnt werden, wird der Stadtrat sich endgültig davon distanzieren?
Dann ist das Projekt nicht mit städtischen Geldern realisierbar. Die Stadt würde allerdings höchstens die Kosten für die Realisierung des Projekts sparen. Andere Kosten blieben bestehen, weil wir mit den Künstlern Werkverträge haben und sie abgelten müssten, wenn das Projekt nicht zustande kommt.

Ist es denkbar, dass Private den Hafenkran finanzieren würden?
Nein. Wir haben immer gesagt, dass der Kran die Legitimation durch den Gemeinderat braucht. Allerdings könnten begleitende Massnahmen von «Zürich transit maritim» privat finanziert werden. Die Künstler haben bereits Geldgeber gefunden, die etwa Fischmärkte oder ein Buch finanzieren würden.

Kritiker sagen, es sei unverhältnismässig, Geld für Kunst auszugeben, wenn man den Angestellten der Stadt die Löhne nicht erhöhen kann. Was sagen Sie dazu?
Man kann immer darüber streiten, ob Kunst im öffentlichen Raum Aufgabe des Staates ist oder nicht. Gleich wie man fragen kann, ob wir gestaltete Plätze oder einfach nur geteerte, trostlose Flächen wollen. Mich fasziniert das Projekt «Zürich transit maritim», weil es sich mit den Ursprüngen Zürichs auseinandersetzt. Da, wo Zürich steht, war einst ein Meer. Spuren davon findet man im Boden. Jetzt können wir uns fragen, was es bedeuten würde, wenn das Meer wieder käme.

Diese Auseinandersetzung findet ja bereits statt, der Kran wird seit zwei Jahren heiss debattiert. Hat er nicht längst erreicht, was er erreichen sollte?
Teile des Ziels hat das Projekt erreicht. Doch wenn irgendwann tatsächlich ein Hochseekran am Limmatquai stehen sollte, wird dies einen ganz anderen Effekt haben. Dann wird auf einem anderen Niveau darüber debattiert und es wird Leute geben, die nach Zürich kommen, weil sie den Hafenkran sehen wollen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.07.2011, 09:28 Uhr

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