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«Die Höhe der Bussen ist unverhältnismässig»

Interview: Maria Rodriguez. Aktualisiert am 12.01.2010 29 Kommentare

Wer dem Elternabend fernbleibt, wird je nach Gemeinde mit mehreren hundert Franken gebüsst. Die Präsidentin der Elternkonferenz der Stadt Zürich findet dies übertrieben.

Gegen Repression: Andrea Aebi, Präsidentin der Elternkonferenz der Stadt Zürich.

Gegen Repression: Andrea Aebi, Präsidentin der Elternkonferenz der Stadt Zürich.

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Über die Elternkonferenz

Die Elternkonferenz ist die Vereinigung aller Elternräte, Elternforen und Elternvereine in der Stadt Zürich.

Rund 70 Prozent der 106 Schuleinheiten der Volksschule in der Stadt haben bis jetzt schon eine Elternmitwirkung eingerichtet, im Schuljahr 2009/10 werden es dann alle sein.

Die Elternkonferenz ist – derzeit noch - eine Sektion der kantonalen VEZ, der Vereinigung der Elternorganisationen im Kanton Zürich. (fsc)

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Eltern, die dem Elternabend fernbleiben, werden in einigen Gemeinden gebüsst. Finden Sie dies legitim?
Rechtlich haben die Bussen eine Grundlage, sie sind im Volksschulgesetz und der Volksschulverordnung verankert. Ich denke jedoch, man muss differenzieren. Es gibt verschiedene Gründe, warum Eltern nicht teilnehmen. Es ist wichtig zu unterscheiden, um was für Termine es sich handelt. Fehlt ein Elternteil beispielsweise an einem abgemachten Einzelgesprächstermin, bei dem es nur um das eigene Kind geht, ist das sicher schlimm, vor allem auch für das Kindeswohl, um das es ja geht. Da gibt es keinen Grund zum Fehlen, wichtig ist aber, dass die Lehrperson mehrere für die Eltern mögliche Termine anbietet. Geht es jedoch um eine Grossveranstaltung, wie einem Schul-Elternabend zu einem bestimmten Thema, wie z.B. Suchtprävention, ist das weniger gravierend. Auch wenn das Thema der Veranstaltung natürlich wichtig ist.

Warum fehlen Eltern?
Weil sich Eltern gar nicht so direkt angesprochen fühlen. Oder weil sie sprachlich oder zeitlich überfordert sind. In vielen Familien sind beide Elternteile arbeitstätig, wenn auch selten beide zu 100 Prozent. Gerade bei Familien mit Migrationshintergrund sind viele Elternteile auch am Abend berufstätig. Auch Alleinerziehende haben es schwer und sind mit ihrer Dreifachbelastung – Beruf, Kinder, Haushalt – teilweise total überlastet.

Die Bussen sind recht happig. Fehlen beide Elternteile, kann das bis zu 600 Franken kosten.
Die Höhe der Bussen finde ich unverhältnismässig. Die Eltern fehlen ja meist nicht aus bösem Willen. Sehr oft kommen sie sowieso aus sozio-ökonomisch schwierigen Verhältnissen. Ich kenne viele Alleinerziehende, die jeden Franken umdrehen müssen. Für so eine Person sind mehrere Hundert Franken eine massive Einbusse und verschärfen die Probleme in der Familie, was wieder auf die Kinder zurückfällt.

Gäbe es sinnvollere Arten von Sanktionen?
Ich glaube, Sanktionen und Repression sind vor allem bei grösseren Elternveranstaltungen nicht das Richtige, Anreize und eine gezielte Ansprache jedoch schon. Wichtig ist, dass man solche Elternabende gut organisiert, sich auch nach den Eltern richtet und den Termin frühzeitig bekannt gibt. Je nach Schule und Elternschaft könnte eine mögliche Lösung sein, dass man zwei Termine anbietet, einen am Abend, einen beispielsweise an einem Samstag. Auch andere Veranstaltungen zum Beispiel im Zusammenhang mit der Elternmitwirkung und auch der Elternbildung sind von Schulen, aber auch der Schulverwaltung manchmal für Eltern ungünstig angesetzt. Gelegentlich werden Veranstaltungen sogar am späten Nachmittag im Anschluss an den Unterricht durchgeführt. Das ist für die Lehrpersonen gut und deshalb aus dieser Sicht verständlich, für arbeitstätige (und auch andere) Eltern ist eine Teilnahme aber oft extrem schwierig.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 12.01.2010, 11:36 Uhr

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29 Kommentare

Hausi Müller

11.01.2010, 08:27 Uhr
Melden

liebe frau thomet, mit bussen erreichen sie nicht unbedingt etwas positives... ist ihnen schon mal in den sinn gekommen, dass man nicht einfach an einen elternabend gehen kann ohne zum teil handstände betreffend der kinderbetreuung zu unternehmen? ok, man kann das kind vor den tv setzen und die eltern können an die veranstaltung gehen.. super oder... ein bisschen weniger staat wäre sicher gut !!! Antworten


Reinhard Schaffner

11.01.2010, 08:43 Uhr
Melden

Hut ab vor Frau Thomet! Antworten



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