Zürich
«Die Kinder müssen Mundart reden können»
Von Daniel Schneebeli. Aktualisiert am 16.05.2011 7 Kommentare
Gabriella Fink
Mitinitiantin der Mundart-Initiative. Seit 22 Jahren vollamtliche Kindergärtnerin in Weisslingen.
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Sie haben einen Sieg gegen das etablierte Bildungs-Zürich errungen. Wie fühlen Sie sich heute?
Es ist natürlich ein schönes Gefühl, wenn man zusammen mit der Bevölkerung eine Abstimmung gewinnen kann. Das ist eben unsere Demokratie.
Was hat am Ende den Ausschlag für das Ja zu Ihrer Initiative gegeben?
Unsere Argumente, dass ein «Sprachenmischmasch» im Kindergarten nicht gut ist und dass sich die fremdsprachigen Kinder am besten integrieren können, wenn sie Mundart lernen.
Haben Sie auch von der Anti-Deutschen-Welle in der Schweizer Bevölkerung profitiert?
Ich wurde in persönlichen Gesprächen beim Unterschriftensammlung nie auf dieses Thema angesprochen.
Vor der Abstimmung haben Sie betont, Sie wollten Hochdeutsch im Kindergarten nicht verbieten. Wie viel soll denn nun noch erlaubt sein?
Gemäss unseres Initiativ-Textes sollen im zweiten Kindergartenjahr hochdeutsche Sequenzen möglich sein. Dafür braucht es keine zeitlichen Vorgaben.
Also könnte eine Kindergärtnerin auch während eines Drittels der Zeit Hochdeutsch sprechen, wie es heute der Lehrplan vorsieht?
Im Gesetz heisst es neu «die Unterrichtssprache ist grundsätzlich Mundart». Ein Drittel Hochdeutsch wäre zu viel.
Im ersten Kindergartenjahr würden Sie kein Hochdeutsch dulden?
Kontrolliert wird das ja nicht. Ich kann mir vorstellen, dass es auch im ersten Jahr möglich ist, zum Beispiel ein hochdeutsches Lied einzuüben oder eine Geschichte auf Hochdeutsch vorzulesen. Hochdeutsch darf einfach nicht Unterrichtssprache sein.
Welchen Dialekt würden Sie noch als Mundart durchgehen lassen?
Jeden Schweizer Dialekt. Bis heute hatten wir mit keinem Dialekt im Kindergarten ein Problem. Die Vielfalt der Dialekte macht unser Land reich in der sprachlichen Ausdrucksfähigkeit.
Und wie sieht es mit einem süddeutschen Dialekt aus?
Dialekte, die bei uns gängig sind, sollen im Kindergarten Platz haben.
Müssen die rund zehn deutschen Kindergärtnerinnen im Kanton Zürich nicht um ihren Job fürchten?
Wenn man von den Kindern erwartet, dass sie Hochdeutsch reden, dann kann man auch von ausländischen Kindergärtnerinnen erwarten, dass sie sich unserer Sprache so gut wie möglich annähern. Die Frage der deutschen Kindergärtnerinnen wurde im Abstimmungskampf meines Erachtens hochstilisiert. Es geht um den Spracherwerb von 20'000 Kindergartenkindern. Da müssen die Bedürfnisse der Lehrpersonen hinten anstehen.
In Zürich wird womöglich einmal die Grundstufe eingeführt, in der Kindergarten und erste Klasse verschmolzen werden. Wie müsste dort die Unterrichtssprache sein?
Dort müsste Mundart einen hohen Anteil haben. Die Kinder müssen nicht nur Hochdeutsch, sondern auch Mundart reden können. In der Grundstufe arbeiten zwei Lehrpersonen. Ich könnte mir vorstellen, dass die eine Hochdeutsch und die andere Mundart spricht. Es darf aber auf keinen Fall passieren, dass Mundart auf der Grundstufe entfällt.
In der Primarschule ist Hochdeutsch Unterrichtssprache. Sollte Mundart dort mehr Gewicht haben?
Der Trend ist leider so, dass Mundart an der Primarschule immer mehr marginalisiert wird. Ich würde mir wünschen, dass die Kinder den mündlichen Ausdruck in Mundart in der Schule besser üben könnten.
Folgt jetzt dann die Initiative «Ja zu Mundart in der Primarschule»?
Von mir nicht. Wenn die Lehrerschaft aber dieses Anliegen hätte, müsste sich die Politik damit auseinandersetzen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 15.05.2011, 22:32 Uhr
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7 Kommentare
"Hochdeutsch darf einfach nicht Unterrichtssprache sein" Mit solchen Sprüchen schiesst die Schweiz ein Eigentor,pardon: Eigengoal natürlich.Das Resultat sieht man dann hier im Leserbriefteil der Zeitung: Rechtschreibfehler in Hülle und Fülle. Antworten
Bemerkenswert, dass sich im gesamten Interview kein einziges valides Argument pro Mundart findet. Welchen Vorteil hat ein Kind, eine Sprache lernen zu müssen, die nicht existiert und auch im Ausland nicht gesprochen wird? Die betroffenen werden ein Bildungsdefizit (Dialekte werden als solche wahrgenommen) auszugleichen haben und was Rhetorik und Redegewandtheit angeht, stets benachteiligt sein. Antworten
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