Zürich
«Die Kirche ist stets für Gleichmacherei»
Von René Donzé. Aktualisiert am 28.08.2009 4 Kommentare
«Das kirchliche Ausländerstimmrecht könnte als Vorstufe zum allgemeinen Ausländerstimmrecht angesehen werden»: Ulrich Schlüer.
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Herr Schlüer, sind Sie ein schlechter Christ?
Ob man für oder gegen die Kirchenordnung ist, hat nichts damit zu tun, ob man ein guter oder ein schlechter Christ ist.
Immerhin geht es auch darum, dass man ausländische Kirchenmitglieder mitbestimmen und wählen lässt. Also christliche Werte wie Toleranz und Nächstenliebe.
Nächstenliebe kommt dann zum Zug, wenn jemand in Not ist. Das hat doch mit dem Ausländerstimmrecht nichts zu tun. Wer mitbestimmen will, soll sich zuerst bei uns integrieren und dann um die Einbürgerung bewerben. Dann darf er auch mitgestalten und bestimmen. Dieser Ablauf soll sowohl für die politische Ordnung wie auch für die Kirchenordnung gelten.
Soll es nicht der Kirche überlassen sein, ob sie ihre Mitglieder mitbestimmen lassen will, wie in jedem Verein?
Die Kirche ist so wenig ein Verein, wie eine Gemeinde. Wer in die Kirche hineingeboren wird, ist von Anfang an Mitglied . . .
. . . kann aber jederzeit austreten.
Und das ist leider oft der Fall.
Letztes Jahr haben vor allem Deutsche dazu beigetragen, dass die reformierte Kirche nicht noch stärker schrumpft. Und die katholische Kirche wächst dank Immigranten.
Es ist erfreulich, wenn sich diese Einwanderer in der Kirche betätigen. Aber sie werden hoffentlich dafür Verständnis haben, dass in der direkten Demokratie zuerst die Integration erfolgen muss, dann kommt erst die Mitbestimmung.
Ein Drittel der reformierten Pfarrer im Kanton sind Deutsche, dürfen aber nicht mitbestimmen. Ist das nicht absurd?
Nein, das ergibt sich aus der direkten Demokratie. Dafür besitzen sie dann wesentlich mehr politische Rechte als in Deutschland, wenn sie eingebürgert sind.
Haben Sie Angst, dass über das kirchliche Ausländerstimmrecht auch das politische eingeführt wird?
Ich habe nicht Angst. Aber ich stelle fest, dass sich kirchliche Kreise stets für Gleichmacherei und vereinfachten Zugang der Ausländer in der Schweiz einsetzen. Es könnte daher schon sein, dass das kirchliche Ausländerstimmrecht von einigen als Vorstufe zum allgemeinen Ausländerstimmrecht angesehen wird.
In allen anderen Kantonen können reformierte Ausländerinnen und Ausländer in der Kirche abstimmen.
Und nun haben die Zürcher SVP-Delegierten entschieden, dass sie das in ihrem Kanton nicht wollen. Das ist ein demokratischer Entscheid, den es zu respektieren gilt. Und der jetzt auch nicht in ein schlechtes Licht gerückt werden darf.
Und glauben Sie, dass die SVP mit in der Volksabstimmung obsiegen wird?
Die Chance überschätze ich nicht. Die SVP hat mit den eidgenössischen Abstimmungsvorlagen einen schwierigen und wichtigen Abstimmungskampf zu bestreiten. Dort setzen wir unsere Priorität. Wir werden kaum eine grosse Kampagne gegen die Kirchenordnung führen. Aber wir machen unseren Standpunkt deutlich. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 28.08.2009, 08:07 Uhr
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4 Kommentare
Schlüer hat recht, die Kirche ist wirklich stets für Gleichmacherei, denn so steht ja auch schon in der Bibel. "Vor Gott sind wir alle gleich". Spätestens wenn Herr Schlüer in den Himmel kommt, wird er feststellen das es dort wirklich keinen separaten Bereich für Schweizer Bürger oder sogar eine Untersektion für SVP-Wähler gibt. Die einzige Triage wird VOR dem Eintritt ins Paradies gemacht! Antworten
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