Die Liebhaber und Lügengeschichten der Bianca B.
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Der Fall
Am Mittwoch, 10. März 2010 startete der Prozess im Fall um den Zwillingsmord von Horgen. Die Mutter von Celine und Mario, Bianca B., wird beschuldigt, ihre Kinder umgebracht zu haben. Die Tat geschah Ende 2007. Am Morgen des Heiligabends meldeten die Eltern der Zwillinge, ihre Kinder seien umgebracht worden. Polizei und Sanität fanden den Buben tot in seinem Bett. Das Mädchen lebte noch, konnte aber nicht mehr gerettet werden. Die Kinder waren erstickt worden, wie die Untersuchungen ergaben.
Beide Eltern wurden als tatverdächtig in Haft genommen. Die Ermittlungen erhärteten den Tatverdacht gegen die Mutter. Am 9. Juni wurde gegen sie Anklage wegen mehrfachen Mordes erhoben. Bianca B. bestreitet die Tat nach wie vor. «Ich habe sie nicht umgebracht, ich könnte das nie tun», sagte sie bereits am ersten Prozesstag aus. Sie glaubt, dass ihr Mann die Tat begangen hat, um sie wegen Untreue zu bestrafen. Am zweiten Tag im Prozess beschrieb der Gerichtsmediziner einen todtraurigen Vater und eine wankelmütige Mutter. Auch die Nachbarn kamen vor Gericht zu Wort. Bianca B. wird als perfekte, aber auch sehr strenge Mutter beschrieben.
In der entscheidenden letzten Prozesswoche wurden die wissenschaftlichen Ergebnisse vom Tatort präsentiert. Aussagen von Spezialisten des Wissenschaftlichen Dienstes der Zürcher Stadtpolizei schliessen einen Einbruch und damit ein Einwirken von Dritten «faktisch aus». In den kommenden Tagen werden neben weiteren Polizisten auch der Therapeut des Ehemannes, der Psychiatrische Gutachter und ein Neurologe zum Thema Schlafwandeln vernommen. Am Mittwoch werden die Liebhaber von Bianca B. ihre Aussage vor Gericht machen.
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Bianca B.s Lebensmittelpunkt war ein Einkaufszentrum in Horgen. Seit ihre beiden Kinder zur Schule gingen, verkehrte sie dort fast täglich – und bandelte in einem Café mit einem ihrer Liebhaber an. In der Folge hatten sie einige Male Oralsex, wie der Mann heute vor Mittwoch vor Gericht aussagte. Einmal hatten Bianca und er auch Geschlechtsverkehr – im Ehebett der Angeklagten.
Eigentlich wollte sich der Liebhaber von Bianca trennen, aber dazu kam es nicht: «Sie drückte auf meine Tränendrüse», sagt er. Am 21. Dezember schliesslich, zwei Tage vor dem Mord an den Zwillingen, kam es noch einmal zu einem sexuellen Kontakt zwischen den beiden. Noch im November hatte er zahlreiche SMS geschickt und sie regelmässig angerufen. Insgesamt 99 Verbindungen von seinem Handy auf das ihre wurden in einem Monat registriert. «Wir haben viel über SMS diskutiert», sagte der Liebhaber.
Unfälle und Einbrüche in der Fantasie
Bianca erlangte die Aufmerksamkeit des Mannes mit Geschichten, die sie frei erfunden hatte. So erzählte sie ihm etwa, dass sie auf dem Nachhauseweg einen Unfall «mit einem Ausländer» hatte – der Unfall hat nachweislich nie stattgefunden. «Sie hat mich ziemlich belogen», sagte er heute vor dem Richter.
Auch ihrem zweiten Liebhaber erzählte Bianca B. von einer Operation, bei der die Ärzte gepfuscht hätten. Dabei sei ihr ein Eileiter durchtrennt worden. Diese Geschichte ist genauso falsch wie die Folgende: An nur einem einzigen Tag sei sie drei Mal in eine Radarfalle getappt. Doch offensichtlich war der Mann davon angezogen. «Wir hatten gute Gespräche.»
«Sind uns etwas näher gekommen»
Die Gespräche führten die beiden auch über SMS: «I ha di fescht lieb», schrieb Bianca einmal. Er antwortete: «Vieli liebi küssli. ha die fescht lieb.» Trotzdem wiederholt der Zeuge vor Gericht immer wieder: «Das war sicher keine Beziehung». Nur einmal sind sie sich «ein bisschen näher gekommen», wie es der Liebhaber ausdrückt. Sie hatten am 21. Dezember 2007 Oralverkehr. Am selben Tag verkehrte Bianca B. bereits dem ersten Liebhaber.
Doch nicht nur die Liebhaber log sie ständig an. Der Servicemitarbeiterin des Cafés, in dem sie häufig verkehrte, berichtete sie von einem Einbruch. Der Fernseher, Kinderkleider und sogar Fleisch aus der Tiefkühltruhe seien dabei gestohlen worden. Doch Bianca verlangte, dass die Servicemitarbeiterin nichts davon den Kindern erzählt. «Das ist mir alles sehr komisch vorgekommen», sagte sie. Und wenn man sie auf Ungereimtheiten in ihren Geschichten angesprochen hatte, hat Bianca jeweils gesagt: «Da musst du etwas falsch verstanden haben.»
«Einsam und auf Kontaksuche»
Belogen hat Bianca B. auch das Gericht. Die Angeklagte gab an, keine Unterbindung gewollt zu haben – schliesslich war ihr Mann Franz B. bereits unterbunden. Dem Widersprach Biancas Gynäkologin: «Sie hatte den dringenden Wunsch nach einer Unterbindung.»
Im Einkaufszentrum liess sie sogar die Verkäuferin eines Schuhgeschäfts an ihren Eheproblemen teilhaben. «Sie erzählte mir, dass ihr Mann seit der Magenbypass-Operation nicht mehr zufrieden war. Ich hatte den Eindruck, sie ist einsam und sucht Kontakt.» (thas/fsc)
Erstellt: 17.03.2010, 13:58 Uhr




