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«Die Pilzsucher haben zum Teil keinen Schimmer»

Interview: Tina Fassbind. Aktualisiert am 06.10.2009

Acht Personen mussten am Freitag mit Vergiftungen ins Zürcher Triemlispital. Sie haben offenbar statt Magic Musrooms einen Giftpilz erwischt. Keine Seltenheit, weiss die Spezialistin für Pilzvergiftungen.

«Die Selbstüberschätzung der vermeintlichen Pilzkenner ist das grösste Problem»: Katharina Schenk-Jäger. (Bild: Katharina Schenk-Jäger)

«Die Selbstüberschätzung der vermeintlichen Pilzkenner ist das grösste Problem»: Katharina Schenk-Jäger. (Bild: Katharina Schenk-Jäger)

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Mit Psilos zur Pilzkontrolle?

Wer ganz sicher sein will, dass sich im Pilzkorb tatsächlich psychoaktive Pilze – sogenannte Psilocyben oder Magic Mushrooms – befinden, kann sich beim Pilzkontrolleur informieren. Dann allerdings sind die Pilze auch gleich weg. «Giftpilze werden bei uns eingezogen und Rauschpilze wie Psilos gehören in diese Kategorie», erklärt Hugo Ritter, Pilzkontrolleur und Vizepräsident der VAPKO (Schweizerische Vereinigung amtlicher Pilzkontrollorgane), gegenüber Tagesanzeiger.ch.

Der Auftrag der Pilzkontrolleure besteht darin, Speisepilze von ungeniessbaren und giftigen Exemplaren zu trennen. «Wir leisten keinen Vorschub bei Halluzinogenen. Man weiss nicht, wie die Leute reagieren, wenn sie solche Pilze gegessen haben. Die Aufgabe des Pilzkontrolleurs besteht im Gesundheitsschutz der Bevölkerung. Diese Tätigkeit ist mit der Herausgabe von psychoaktiven Pilzen nicht vereinbar.» Es komme allerdings nur sehr selten vor, dass sich psychoaktive Pilze in den Körben befänden. «Meistens haben die Sammler dann per Zufall einen Magic Mushroom gepflückt», so Ritter.




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Frau Schenk-Jäger, bei der Gruppe, die im Jura Pilze gesammelt und sich dabei eine Vergiftung zugezogen hat, war von halluzinogenen Pilzen die Rede. Sind Psilocyben so gefährlich?
Das Gift dieser Pilze verändert die Wahrnehmung von Raum und Zeit und der eigenen Person. Gefährlich sind vor allem die möglichen Folgeschäden: Wer einen «bad trip» hat, kann sich Verletzungen zuziehen oder gar tödlich verunfallen.

Kann man die Psilocyben auch mit hochgiftigen Pilzen verwechseln?
Absolut! Wer sich mit Pilzen nicht gut auskennt, sucht nach spitzkegeligen bis spitzgebuckelten, zierlichen Exemplaren. Es gibt eine Pilzart, die für den Laien wie ein Kahlkopf aussehen kann: der Spitzgebuckelte Raukopf. Er enthält ein gefährliches Nierengift.

Was kann passieren, wenn man diesen Pilz isst?
Nach drei bis 20 Tagen kann es zu Nierenversagen kommen. Wenn man die Nieren dann nicht durch eine Transplantation ersetzen kann, ist es möglich, dass die Person lebenslänglich von der Dialyse abhängig sein wird – oder sogar stirbt.

Und es reicht ein Pilz, um die Niere zu vergiften?
Es ist schwer abzuschätzen, wie hoch die toxische Menge sein muss. Man kann nie mit Sicherheit ausschliessen, dass ein Pilz alleine für eine Vergiftung reicht.

Im Fall der acht Personen, die am Freitag ins Triemlispital eingeliefert wurden, konnte auch der Konsum von Knollenblätterpilzen nicht ausgeschlossen werden. Einen Knollenblätterpilz erkennt man doch?
Eben nicht. Der Grüne Knollenblätterpilz, respektive seine weisse Variante sieht einem Champignon oder Täubling sehr ähnlich. Die Pilzsucher haben zum Teil keinen Schimmer und sind sehr erstaunt, dass sie einen Knollenblätterpilz in ihrem Körbchen haben. Erst 2005 ist jemand gestorben, weil er einen solchen Pilz gegessen hat. Die Selbstüberschätzung der vermeintlichen Pilzkenner ist das grösste Problem. Sie nehmen sich nicht die Zeit für die Pilzkontrollen. Dabei ist man nur dann auf der sicheren Seite vor Vergiftungen. Jedes Jahr werden kiloweise Knollenblätterpilze von den Pilzkontrolleuren beschlagnahmt.

Gab es in dieser Saison schon viele Vorfälle von Pilzvergiftungen?
Die Anfragen im laufenden Jahr sind im Vergleich zum Vorjahr deutlich tiefer. Bisher wurde kein bestätigter Fall einer Knollenblätterpilzvergiftung registriert. Im Moment ist das Pilzvorkommen wegen der Witterung wohl gering, trotzdem kann es an geeigneten Stellen Giftpilze haben. Sobald der Regen kommt, wird es anziehen – falls es nicht gleichzeitig markant kühler wird.

Katharina Schenk-Jäger ist dipl. Pilzkontrolleurin und ärztliche Mitarbeiterin mit Spezialgebiet Pilzvergiftungen beim Schweizerischen Toxikologischen Informationszentrum, Zürich. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.10.2009, 09:04 Uhr

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