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Die Privatklinik Hirslanden ist viel teurer, als sie behauptete

Von Susanne Anderegg. Aktualisiert am 23.12.2011 27 Kommentare

Ab 2012 darf die Hirslanden-Klinik allgemein versicherte Patienten behandeln. Ihre Preisforderungen widersprechen Aussagen des früheren Chefs, die Privatklinik arbeite günstiger als öffentliche Spitäler.

Teurer als die öffentlichen Krankenhäuser: Hirslanden-Klinik.

Teurer als die öffentlichen Krankenhäuser: Hirslanden-Klinik.
Bild: Keystone

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Rolf Zehnder, der Direktor des Kantonsspitals Winterthur, ärgert sich gewaltig. Und das zum zweiten Mal. Zehnder regt sich über die Privatklinik Hirslanden auf. Er bezichtigt sie der Lüge. Im Fokus seiner Kritik steht Robert Bider, der Vizepräsident des Verwaltungsrates der Privatklinikgruppe. Im Februar 2007 hatte Bider, damals Chef der Hirslanden-Gruppe, die Klinik Hirslanden in einem TA-Interview mit den öffentlichen Zürcher Spitälern verglichen und gesagt: «Wir arbeiten 25 bis 30 Prozent günstiger.» Zehnder empfand diese Behauptung als Verunglimpfung der Leistung seiner Angestellten und aller Mitarbeiter in öffentlichen Spitälern. Das wollte er nicht einfach hinnehmen.

Er forderte Bider auf, die Zahlen auf den Tisch zu legen, und schlug eine Wette vor: 10'000 Franken aus dem eigenen Sack, wenn die Fallkosten im Spital Männedorf (Zehnder wechselte von dort 2008 nach Winterthur) höher gewesen wären als in der Klinik Hirslanden. Bider lehnte die Wette ab – und er legte auch keine Zahlen offen. Ein Vergleich sei unmöglich, argumentierte er, weil die Hirslanden-Klinik in Zürich gar keine Grundversicherten behandle.

Winterthur ist viel günstiger

Inzwischen hat sich die Situation geändert. Die Stammklinik der Hirslanden-Gruppe steht neu auf der Spitalliste des Kantons Zürich. Das bedeutet, dass sie ab Januar auch Allgemeinversicherte aufnimmt und im Gegenzug Kantonsbeiträge an die Behandlung aller ihrer Patienten erhält. Weil sich nur wenige Spitäler und Krankenkassen rechtzeitig über die ab 2012 geltenden Fallpauschalen einigen konnten, hat der Kanton provisorische Tarife für alle Listenspitäler verfügt. Dazu brauchte es einen Beschluss der Zürcher Regierung, und in diesem Beschluss finden sich erstmals öffentliche Zahlen, was die Kosten der Klinik Hirslanden betrifft.

Gegenüber der Gesundheitsdirektion bezifferte die Privatklinik ihre durchschnittlichen Fallkosten des Jahres 2010 auf 11'727 Franken. Darin inbegriffen sind die Anlagenutzungskosten. Zum Vergleich: Im Kantonsspital Winterthur kostete 2010 ein Normfall 7956 Franken, ohne Investitionen. Rechnet man 10Prozent Anlagenutzungskosten hinzu, resultiert ein Betrag von 8800 Franken. Das sind fast 3000 Franken weniger als in der Klinik Hirslanden. Robert Bider hätte die Wette verloren. Selbst das Stadtspital Triemli, das verglichen mit anderen öffentlichen Spitälern teuer ist, schneidet besser ab als die Privatklinik: Es kommt auf 10'900 Franken. Rolf Zehnder sieht seinen Ärger bestätigt: «Hirslanden arbeitet nicht 25 bis 30 Prozent günstiger, sondern so viel teurer – und möchte diese Ineffizienz vom Steuer- und Prämienzahler bezahlt haben.» Bider wollte gegenüber dem TA keine Stellung nehmen, er weilt im Ausland.

Sein Nachfolger als Hirslanden-Chef, Ole Wiesinger, erklärt, die Kostenunterschiede zwischen privaten und öffentlichen Spitälern liessen sich schlecht beziffern. «Ich würde keine Zahlen nennen, denn wir haben ganz unterschiedliche Kostenstrukturen.» Doch auch Wiesinger gibt sich überzeugt, dass die Hirslanden-Gruppe ein Spital günstiger führen kann als die öffentliche Hand, weil sie «schlanker organisiert» sei. Die Privatklinikgruppe bemüht sich seit einigen Jahren um Managementaufträge von öffentlichen Spitälern; unter anderem hat sie mit den Kantonsspitälern Glarus und Schaffhausen verhandelt. Bislang hat sie aber keine Verträge abschliessen können.

9500 Franken Fallpauschale

Im Kanton Zürich tritt Hirslanden bei der Behandlung von Allgemeinversicherten jetzt neu in Konkurrenz zu den öffentlichen Spitälern. Dabei muss sich die Hirslanden-Klinik vorerst mit dem gleichen Preis begnügen, den auch das Kantonsspital Winterthur, das Stadtspital Triemli und die meisten andern öffentlichen Spitäler bekommen: 9500 Franken pro Fall. Nur den universitären Spitälern hat der Regierungsrat in seiner provisorischen Verfügung mehr zugestanden, nämlich 11'400 Franken.

Weder Hirslanden noch die Stadt Zürich als Trägerin des Triemli sind mit 9500 Franken einverstanden. Sie monieren unter anderem, die Investitionskosten würden mit 10 Prozent der Fallpauschale – dieser Ansatz gilt landesweit – niemals abgedeckt. Das Triemli hat beim Kanton 10'300 Franken beantragt. Auf diesen Betrag hatte sich das Stadtspital vorab mit den drei Krankenkassen Helsana, Sanitas und KPT geeinigt. Auch die Hirslanden-Klinik wäre mit 10'300 Franken zufrieden. Wiesinger: «Für die Behandlung der Allgemeinversicherten akzeptieren wir einen tieferen Preis, als wir eigentlich haben müssten.» Kassen und Spitäler verhandeln nun weiter, dann prüft die Gesundheitsdirektion die Tarife – und die Regierung setzt sie schliesslich fest.Für die allgemein versicherten Patienten hat die Hirslanden-Klinik nicht extra umgebaut. Derzeit sind 40 Prozent der Betten in Zweier-, der Rest in Einerzimmern. 2013, wenn der Südtrakt fertig ist, wird die Klinik mehr Kapazität haben. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.12.2011, 07:11 Uhr

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27 Kommentare

Annette Berger

23.12.2011, 07:46 Uhr
Melden 56 Empfehlung

Auf Empfehlung suchte ich Dr. Wyss im Hirslanden Zentrum auf, da er einer der besten Frauenärzte der Stadt sei. Zu meinem Erstaunen wurden mir gleich mehrere Termine in der gleichen Woche angeboten.
Die Untersuchung dauerte knapp 10 min. war wenig aufschlussreich und nicht mal annähernd so ausführlich wie bei einer x-beliebigen Frauenärztin. Die 10 min. kosteten mich insgesamt CHF 570.00..WTF??
Antworten


Ruthild Auf der Maur

23.12.2011, 08:02 Uhr
Melden 53 Empfehlung

Ein Riesenskandal. Privatkliniken bieten den Privatversicherten lediglich mehr Komfort, um die überrissenen Preise und Gehälter zu rechtfertigen. Nachdem sich immer weniger Leute eine Privatversicherung leisten können, soll's nun der Allgemeinversicherte richten, damit man sich an den kantonalen Zuschüssen weiter bereichern kann. Eine Sauerei, wie sie im Buche steht. Antworten



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