«Die SBB ist keine Modelleisenbahn»

Die Zürcher S-Bahnen fahren am Limit. Die Passagiere ärgern sich über zu wenig Sitzplätze und fragen sich, warum nicht einfach ein paar Waggons mehr angehängt werden. Doch so einfach ist das nicht.

Kein Platz zum Sitzen und zu wenig Züge: S-Bahn-Passagiere sind unzufrieden (Video: Roman Weber)

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Das Zürcher S-Bahnnetz ist eines der dichtestbefahrenen Bahnnetze der Welt. Tausende Passagiere fahren täglich mit diesem öffentlichen Verkehrsmittel durch den Kanton Zürich. Und viele von ihnen sind mit den Dienstleistungen der S-Bahnen unzufrieden, wie eine Umfrage von Tagesanzeiger.ch zeigt.

«Man zahlt viel Geld für das Billett und hat dann keinen Platz im Zug», ärgert sich eine Bahnbenutzerin. Die Sitze seien unbequem, findet ein anderer. Eine weitere Frau meint zwar, dass die Fahrt in der S-Bahn um 9 Uhr morgens ok sei, «aber am Abend zwischen 17 und 19 Uhr findet man keine freien Plätze.» Die meisten Pendler sind der Meinung, die SBB solle einfach ein paar Zugwagen mehr anhängen, dann sei das Platzproblem gelöst.

«Wir können die Zugskompositionen nicht beliebig verlängern»

Doch so einfach ist das nicht. «Man kann sich die SBB nicht wie eine Modelleisenbahn im heimischen Wohnzimmer vorstellen. Wir können die Zugskompositionen nicht beliebig verlängern», sagt SBB-Mediensprecher Daniele Pallecchi auf Anfrage. «Die Züge dürfen nicht länger sein als die Perrons, an denen sie halten, weil die Passagiere auf keinen Fall ausserhalb der Perrons aussteigen dürfen. Nicht alle Bahnstationen sind lange genug für drei Zugskompositionen. Das limitiert unsere Möglichkeiten.»

Hinzu kommt, dann die Auslieferung des neuen Rollmaterials noch nicht abgeschlossen ist. «Seit Ende 2007 ergänzen bereits 35 neue Doppelstockzüge von Siemens die Flotte von 112 Doppelstöckern. Bis Mitte 2009 werden schrittweise 25 weitere dazu kommen», so Pallecchi. Diese neuen Zugskompositionen haben keine eigentliche Lok mehr. Die Motoren sind unter den Boden auf der ganzen Zugslänge verteilt. «Dadurch gibt es dort, wo sonst die Lok ist, Platz für Passagiere. So umfassen diese neuen Züge vier Wagen statt der bisher üblichen Zusammenstellung von einer Lok und drei Waggons. In den Stosszeiten können wir bis zu drei solcher Zugskompositionen aneinander koppeln und so mehr Passagiere transportieren.»

Zürcher Bahnnetz hat keine Slots mehr

Mehr Zugsverbindungen, als sie derzeit existieren, können laut Pallecchi nicht eingeführt werden. «Um neue Verbindungen fahren zu können, müssen wir so genannte Trassen haben – also freie Kapazitäten auf der Schienenstrasse, ähnlich der freien Slots im Flugverkehr. Da gelangen wir im Zürcher Bahnnetz speziell zu Stosszeiten an unsere Grenzen. Zwischen Zürich und Winterthur können beispielsweise keine zusätzlichen Züge mehr gefahren werden.»

Immerhin: Das Problem ist erkannt. So hat der Verwaltungsrat der SBB bereits im Juni 2008 einen Rahmenkredit über 1,5 Millarden Franken zur Beschaffung von neuem Rollmaterial für die Zürcher S-Bahn bewilligt. Die Doppelstock-Triebzüge wurden bei Stadler Rail bestellt, der Auftrag für 121 Niederflur-Doppelstockwagen ging an die Bietergemeinschaft von Siemens und Bombardier (s. Infobox). (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.10.2008, 17:33 Uhr

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