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«Die SVP arbeitet gegen die Werte der Schweiz»

Von Simon Eppenberger. Aktualisiert am 21.12.2010 232 Kommentare

Am grössten Muslimtreffen der Schweiz war Tariq Ramadan, gebürtiger Schweizer und einer der einflussreichsten Muslime Europas, der wichtigste Redner. Er kritisierte die SVP scharf.

1/10 Gallionsfigur des «europäischen Islam» und Idol der jungen Muslime: Tariq Ramadan, aufgewachsen in Genf und Hauptredner am Muslimtreffen.

   

Sprach als einziger Schweizer Politiker vor den Muslimen: Daniel Vischer, Grüner Nationalrat.

Kameras verboten

Die Organisatoren vom Verein Junge Muslime Schweiz sind «sehr zufrieden mit dem Anlass», wie Rukiye Osman gegenüber Tagesanzeiger.ch sagt. Neben 1000 Muslimen sind auch einige Journalisten vor Ort. Diese sind zwar zugelassen, doch Fotografen oder Kameraleute sind nicht willkommen.

Die Veranstalter fürchten, dass der Islam und die Muslime ins falsche Licht gerückt werden. Man habe früher negative Erfahrungen gemacht, heisst es. Deshalb werden nur autorisierte Aufnahmen von «offiziellen» Fotografen und Kameraleuten verbreitet. Das Schweizer Fernsehen, das ebenfalls einen Bericht über den Anlass drehen wollte, hätte sämtliches Material vor der Ausstrahlung vorspielen müssen. Darauf verzichtet SF.

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Muslimische Jugend Schweiz

Der Verein Ummah richtet sich an junge Schweizer Muslime und Musliminnen zwischen 13 und 30 Jahren und ist der einzige dieser Art in der Schweiz. Verbindendes Element ist der Islam, gemeinsame Sprache ist Deutsch.

Der Verein versteht sich als Plattform für den Austausch zwischen Jugendlichen. Sie sollen mittels Vorträgen und Gesprächen das Wissen über die Religion erweitern und vertiefen. Der Verein orientiert sich an der MJD Muslimischen Jugend Deutschland und hat Kontakt mit dem Freitagsclub, einem Verein von muslimischen Studenten.(ema/mm)

Heute sprach in Dietikon Tariq Ramadan, einer der bekanntesten Muslime der westlichen Welt. Gut 1000 Personen sind zum grössten Muslimtreffen der Schweiz gekommen, um ihn anzuhören. Ramadan ist vom Time Magazin zu einem der hundert einflussreichsten Personen gewählt worden und gilt vor allem bei den jungen Muslimen als Gallionsfigur ihres Glaubens.

Der Schweizer mit ägyptischen Wurzeln ist der Meinung: «Wer die SVP wählt, hat Angst.» Die Volkspartei wolle ein unformes Land, in der alle gleich sind. «Die SVP arbeitet damit gegen die Werte der Schweiz, die von der Diversität lebt», sagte Ramadan.

«Wir haben nicht das Recht, arrogant zu sein»

Wichtig sei, dass die Muslime positiv auftreten und etwas zur Gesellschaft beitragen, daran teilnehmen. «Im Sport und in der Kultur ist das bereits so und wird von der Bevölkerung wahrgenommen», sagte Ramadan weiter. Trotzdem sei noch viel zu tun. «Es reicht nicht, als Student in die Universität zu gehen, Muslime müssen in Universitäten unterrichten.»

Entgegen seinen Vorrednern stellte Ramadan die Muslime nicht überwiegend nur als Opfer von Fremdenhass und negativer Berichterstattung dar. Er fordert die Anwesenden auf, respektvoll mit ihrer Religion und der Religion anderer umzugehen. «Wir haben nicht das Recht, arrogant zu sein», sagte Ramadan.

Zu Beginn seiner Rede sagte der Islamwissenschaftler, der derzeit in London lebt: «Der Islam ist eine Schweizer Religion.» Die Menge klatschte. «Halt, applaudieren Sie nicht. Reagieren Sie nicht mit Emotionen, sondern reflektieren Sie, was ich sage», mahnte er die Zuhörer.

«Die abendländische Arroganz»

Zuvor trat der Grüne Nationalrat Daniel Vischer als einziger Nicht-Muslim vor die Menge. Er forderte die Anwesenden auf, sich in der Schweiz zu engagieren. «Mischen Sie sich ein, gehen Sie in die Politik, in Parteien, treten Sie Verbänden und Organisationen bei, engagieren Sie sich in einer Gewerkschaft», sagte Vischer.

Er kritisierte die Haltung jener, die öffentlich «oder noch viel öfter hinter vorgehaltener Hand» Thilo Sarrazin recht geben, sie lebten «die abendländische Arroganz.» Es sei «rassistisch zu meinen, dass es Ethnien mit besseren Genen als andere gibt». In seiner über 40-minütigen Rede kritisierte Vischer auch die gängige Einbürgerungspolitik. Der Zwang, dass jeder Einbürgerungswillige Deutsch sprechen müsse, sei in «hunderten Fällen falsch.» Als Beispiel nannte er die Mutter der Fussballbrüder Murat und Hakan Yakin. «Wieso soll so jemand, der Jahrzehnte in der Schweiz lebte, Deutsch sprechen müssen? Das ist Schikane», sagte Vischer. Im Erwerbsleben seien Deutschkenntnisse hingegen selbstverständlich wichtig.

«Schweiz hetzt gegen die Muslime»

Vor Vischer trat der Rapper Ammar 114 aus Deutschland auf. Er nahm kein Blatt vor den Mund: «Die Schweiz hetzt gegen Muslime», sagte er in einem Stück. Er kritisierte das Minarettverbot der Eidgenossenschaft als rassistisch und Verletzung der Menschenrechte. Nicht nur die Politiker, auch die Medien seien dem Islam gegenüber negativ eingestellt.

Vor dem Rapper sprach Saloua Mohammed. Die 28-Jährige war neben sieben Männern die einzige Frau, die am Grossanlass sprechen durfte. «Schwester Saloua», wie sie von den Veranstaltern vorgestellt wird, trägt wie die meisten der anwesenden Frauen ein Kopftuch. «Ich bin es müde, mich dauernd zu erklären und zu sagen, dass ich nicht unterdrückt bin als Muslima», sagt die Frau, die in Bonn wohnt und dort Islamwissenschaften studiert.

Oft würden sich die Muslime auf solche «unnötigen Diskussionen» einlassen. Vor allem wenn jemand auf Streit aus sei, soll man schweigen, sagt Mohammed. Wie ihre Vorredner kritisiert auch sie die Medien, die oft alle über einen Kamm scheren und einseitig über den Islam berichten. «Wir müssen auf den Tisch klopfen und sagen, was Sache ist», sagt die 28-Jährige. Doch sie ortet auch Fehler in den eigenen Reihen. «Wenn wir uns nicht repräsentiert oder falsch dargestellt fühlen, müssen wir unsere Scheu ablegen und die mediale Präsenz fördern», sagt Mohammed.

Am Grossanlass sind neben hunderten Männern fast ebensoviele Frauen präsent. Praktisch alle tragen Kopftücher. Burkas sind keine zu sehen. Die jungen Frauen sind zumeist sehr westlich angezogen. Die Kleider sind figurbetont, einige sind geschminkt und tragen Stiefel und Jeans. Am Eingang zeigt sich hingegen die konservative Seite des Islam: Auf Plakaten wird für Schwimmanzüge geworben, die den ganzen Körper verhüllen. Das macht «frei, flexibel und sicher», steht geschrieben.

«Medien leben in einer Parallelwelt»

Vor Mohammed trat der erneut der Rapper Ammar 114 auf. Er kritisierte die Medien in Liedtexten scharf. «Sie zeichnen ein so negatives Bild von den Muslimen, ich glaube, die Medien leben in einer Parallelwelt.» Er kenne nur friedliche Brüder und Schwestern. «Allah bedeute Frieden», heisst das Lied, dass er anschliessend vortrug.

Vor dem schwergewichtigen Musiker sprach Ferid Heider, mit 28 Jahren der jüngste Imam Berlins, in der Stadthalle Dietikon. Er rief seine Brüder und Schwestern auf, sich «an die Moschee zu binden, denn erst dort lernt man, ein richtiger Muslim zu sein.» In der Moschee lerne man den Islam als die Religon der Güte kennen. «Denn Allah ist der Prophet der Güte», sagte Heider.

Er selber drohte als 15-Jähriger auf die schiefe Bahn zu geraten. Er kiffte und flog beinahe aus der Schule. «Seine Mutter hatte ihn christlich-liberal erzogen», steht in seiner Biografie. Das passte dem Vater nicht und er schickte ihn nach Ägypten. Dort lernte er «die klaren und festen Regeln des Islam kennen und schätzen.»

«Moscheen stehen auch Frauen offen»

Heider rief dazu auf, auch in der Schweiz die Moscheen zu «Leuchttürmen der Gesellschaft zu machen.» Sie stünden auch Frauen offen und sollen nicht nur für das Gebet, sondern auch für Hochzeiten und andere Feste genutzt werden.

Als Redner sprach auch Taner Hatipoglu, Präsident der Vereinigung islamischer Organisationen in Zürich (Vioz). In seiner Analyse zur Situation der Muslime kritisierte er die SVP scharf: «Um Abstimmungen zu gewinnen, missbraucht die SVP den Islam», sagte er in der Stadthalle Dietikon. «Es ist dabei egal, ob ein Thema direkt mit dem Islam zusammenhängt oder nicht – immer wieder werden die Muslimen als negativ dargestellt», sagte der 54-Jährige. Damit gewinne die Partei viele Stimmen.

Über 400'000 Muslime in der Schweiz

Davon würden zunehmend auch andere Parteien profitieren wollen, so der ETH-Ingenieur aus Zürich. «Nicht nur die SVP schadet dem Islam.» Welche Parteien er neben der EDU damit meint, sagte Hatipoglu nicht. «Sie springen auf den Zug auf und wollen sich ein Stück vom Stimmenkuchen abschneiden.»

Der eingebürgerte Hatipoglu kritisierte auch die Medien scharf: «Laut Studien der Uni Zürich sind 75 bis 80 Prozent der Berichte über Muslime negativ.» Das schade der Gemeinschaft in der Schweiz massiv. Laut Vioz leben 400'000 bis 450'000 Muslime in der Schweiz. Über die Hälfte davon stammt auf den Ländern des ehemaligen Jugoslawien, rund 25 Prozent aus der Türkei. Der Rest stammt aus mehr als 140 Ländern.

Laut Hatipoglu gibt es vielerorts erlebte Diskriminierung. Als Beispiel nannte er das Kopftuchverbot am Arbeitsplatz oder in der Schule. «Das Problem eines Muslim sollte das Problem jedes Muslimen sein», sagte er. Die muslimische Gemeinschaft solle sich verhalten wie ein Körper. «Wenn der Zeh weh tut, dann muss das jeder spüren.»

«Wir müssen auf andere zugehen»

Der Muslim aus Oetwil mahnte aber auch seine Religionsangehörigen: «Wenn eine Schwester in Genf wegen des Kopftuches ihren Job verliert, dann interessiert das einen Muslim in Zürich zu wenig.» Viele hätten die falsche Einstellung. «Wir dürfen uns nicht zurückziehen, sondern müssen in eine Interaktion mit der Gesellschaft treten.»

Er forderte dabei nicht nur den Einsatz der Muslime, sondern appelierte auch an die Schweizer Gesellschaft: «Der Islam sollte Teil des Religionsunterrichtes in der Schule sein.» So würde das Verständnis der Jugendlichen untereinander verbessert. Schliesslich lernten junge Muslime auch den christlichen Glauben, wenn sie in der Schweiz in die Schule gehen.

Dabei ist es für Hatipoglu aber noch wichtiger, die Jungen in der Schulbildung allgemein zu fördern. Zudem sollen die Muslime aktiv auf Andersgläubige zuzugehen und sich in Vereinen und an anderen Orten zu engagieren. Es nütze wenig, wenn die 300 Gebetszentren in der Schweiz abgeschottet bleiben. «Wir müssen unsere Einstellung ändern und auf andere zugehen», sagte Hatipoglu. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.12.2010, 14:57 Uhr

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232 Kommentare

Abdel Thuma

20.12.2010, 11:41 Uhr
Melden

Ausgerechnet der Islamist Ramadan säuselt von Werten. Ausgerechnet er, der sich nicht zu einer eindeutigen Verurteilung der Steinigung und anderer Greuel der Scharia durchringen kann und islamischen Terror mit vorgeblichem Unrecht des Westens rechtfertigt. Antworten


silvio paletta

20.12.2010, 09:17 Uhr
Melden

Zitat Vischer: «Wieso soll so jemand, der Jahrzehnte in der Schweiz lebte, Deutsch sprechen müssen? Das ist Schikane» Ich frage mich wo lebt er überhaupt? Wie kann sich Schweiz im 21`er Jahrhundert solche Politiker leisten? Kopfschütteln... Antworten



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