Zürich
Die Säuliämtler überrannten ihre neue Raststätte
Von Benno Gasser, Video Roman Weber. Aktualisiert am 11.11.2009
Tag der offenen Tür: Die Säuliämtler durften ihren neuen «Fressbalken» schon am Wochenende begutachten.
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Für einmal bildete sich der grosse Stau nicht auf, sondern über der Autobahn. Hunderte von Menschen bewegten sich am vergangenen Wochenende nur mit Trippelschritten durch die Gänge der neuen Autobahnraststätte My Stop, während unter dem Bau die Strasse leergefegt war. Am 13. November wird der jüngste «Fressbalken» der Schweiz eingeweiht - am gleichen Tag, an dem das letzte A-4-Teilstück dem Verkehr übergeben wird.
Der moderne Bau mit Lochfassade aus Metall kommt an beim Publikum. Durchs Band sind fast nur lobende Worte zu hören. Auch von einem Rentnerpaar, das geduldig am Dessertbuffet ansteht: «Mir gefällt diese moderne Architektur in Kombination mit den dunklen Holzböden», sagt die Dame. Ihr Mann nickt zustimmend.
Bei den Kindern genügt bereits ein Blick: Zahlreich tollen sie auf den froschgrünen Matten in der Spielecke. Mit grossem Eifer tippen sie auf den zwei berührungsempfindlichen Bildschirmen herum und bemalen virtuelle Lokomotiven und Schildkröten. Und für die Raucher wurde eine Smokerslounge geschaffen. Das Schreien weiblicher Teenager eine Etage tiefer unten ist aber nicht auf die neue Einrichtung der Raststätte zurückzuführen, sondern auf Stargast und Rapper Bligg. Neben Hauptmieter Migros, die rund ein Drittel der über 1000 Quadratmeter Ladenfläche beansprucht, sind unter anderem eine Confiserie, eine Kleiderboutique und ein Blumenladen in der Raststätte präsent.
Zufrieden zeigte sich gestern auch FDP-Kantonsrat Robert Marty, einer der Väter des Projekts. Alle paar Meter schüttelt er eine Besucherhand oder klopft jemandem auf die Schultern. «Jetzt bin ich sehr entspannt», sagt er und setzt sich auf einen Lederfauteuil.
50'000 Fahrzeuge täglich
Im Jahr 2004, der Startphase des Projekts, war Marty noch nicht so gelassen. Damals drohte alles am Widerstand der Baudirektion zu scheitern, die keinen Bedarf für eine Raststätte sah. So lautete zumindest die offizielle Begründung. Marty glaubt aber, dass die damalige Baudirektorin Dorothée Fierz (FDP) zusätzliche Probleme beim Bau des A-4-Teilstücks befürchtete. Doch Marty holte nicht nur alle angrenzenden Gemeinden ins Boot, sondern rief auch die IG Raststätte Knonauer Amt ins Leben. Innert einer einzigen Woche waren die ersten 100 Mitglieder gefunden, die alle bereit waren, 1000 Franken für die Projektierung zu riskieren. Drei Jahre später, im April 2007, erfolgte der Spatenstich.
Die damaligen IG-Mitglieder haben mittlerweile ihr Startgeld zurückerhalten. Ihr Einsatz dürfte sich auch finanziell lohnen: Sie sind die Einzigen die - neben institutionellen Anlegern - Aktien der Gesellschaft Autobahn-Raststätte A 4 AG kaufen konnten. Mit zwei- und dreistelligen Margen, die auf einer solchen Raststätte erwirtschaftet werden, dürfte die Dividende anständig sein. Marty, Verwaltungsrat der Raststätten-Firma, beteuert, dass es bei diesem Projekt nicht ums Geld gegangen sei. «Sonst hätte ich das Projekt den grossen Konkurrenten verkauft, die bei mir anklopften.» Er habe sich vor allem wegen der hundert neu geschaffenen Arbeitsplätze und für das lokale Gewerbe engagiert, sagt der Affoltemer.
Auf dem neuen A-4-Teilstück werden täglich 50'000 bis 60'000 Fahrzeuge erwartet. 5 bis 7 Prozent der Reisenden dürften in My Stop einen Halt einlegen. Für sie gibt es bei der Raststätte 270 Parkplätze.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 11.11.2009, 15:01 Uhr
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