Zürich
Die Schläger von München wirken vor Gericht «sehr jugendlich»
Von Simon Eppenberger, München. Aktualisiert am 29.03.2010
Umfrage
Sollen die Schweizer ihre Strafe in Deutschland oder in der Heimat verbüssen?
In Deutschland.
In der Schweiz.
Ich bin unschlüssig.
2079 Stimmen
Artikel zum Thema
- Der Richter der Schläger: «Mit vernünftigen Strafen wird zu lange gewartet»
- Journalisten stürzen sich auf Prügler von München
- Ivan Z. in die Schweiz abgeschoben
- Ivan Z. frühzeitig abgeschoben: Das sagt der deutsche Rechtsexperte
- «Mike ist kein Monster»
Stichworte
Tagesanzeiger.ch berichtet laufend aus München
Tagesanzeiger.ch/Newsnet ist in München und berichtet über das Geschehen vor Ort. Morgen Dienstag werden die ersten Zeugen einvernommen, am Mittwoch werden die Geschädigten befragt. Die Gerichtsverhandlung findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, es werden aber für 9 Uhr erste Informationen in Aussicht gestellt.
Etwas gesehen, etwas geschehen?
Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...
Am Montagnachmittag schildert Mike B. vor dem Gericht in München, wie er die Taten seiner Meinung nach erlebte. Wie lange die Verhandlung heute noch dauert, ist laut Gerichtssprecherin Margartete Nötzel ungewiss. «Der Angeschuldigte Mike schildert die Taten sehr detailliert.» Über den Inhalt der Schilderungen macht das Gericht keine Angaben.
Ivan Z. und Benji D. verweigerten hingegen die Aussagen. Da sie derzeit dabei bleiben, ist laut Nötzel ein Sachverständiger hinzugegzogen worden, der über die persönlichen Verhältnisse der beiden Täter aussagt. Offenbar musste deshalb am Nachmittag der psychiatrische Gutachter Franz Joseph Freisleder über die Vorgeschichte der Täter aussagen.
Der Prozess verläuft laut Nötzel ruhig. «Die Angeklagten wirken sehr jugendlich,» sagt Nötzel. «Sie haben das Hosenflattern», so die Sprecherin weiter. Der erste Teil der Anklageschrift, welche zu Beginn verlesen wurde, umfasst elf Seiten. Zeugen und Opfer werden voraussichtlich morgen erstmals aussagen. Ob sich Mike B. heute noch entschuldigt, wird von offizieller Seite erst morgen mitgeteilt.
Fehlende Prüfung nicht relevant
Am Montagmorgen wollten die Verteidiger die Verhandlung abbrechen und in die Schweiz verlegen lassen. Die Anwälte sind der Meinung, das Gericht sei nicht zuständig, da ein Artikel im Jugendgesetz sagt, ein Prozess soll am Wohnort des Täters abgehalten werden.
Das Gericht wies den Antrag der Verteidigung auf Verlegung des Gerichtsstandes ab. Die Verteidigung hatte die Zuständigkeit des Münchner Landgerichts bezweifelt: Die Staatsanwaltschaft habe nicht geprüft, ob am Wohnort der Angeklagten im Kanton Zürich verhandelt werden könnte.
Bisher keine Entschuldigung
Zum Auftakt des Prozesses hatten die drei 17-Jährigen die Möglichkeit, sich zu äussern. Dabei stellt sich die Frage, ob sie sich inzwischen bei den Opfern entschuldigt haben. Im Vorfeld der Verhandlung zeigten sie in Briefen und im Untersuchungsgefängnis in Stadelheim offenbar wenig Reue. Gemäss einem Bericht der SDA haben zwei der drei Jugendlichen die Aussage verweigert. Der als Haupttäter geltende dritte dagegen sagte aus. Um 13 Uhr wird darüber berichtet, was im Gerichtssaal vorgefallen ist.
Der Prozess läuft hinter verschlossenen Türen. Dem Leiter der Verhandlung, Richter Reinhold Baier, stehen zwei weitere Berufs- sowie zwei Laienrichter zur Seite. Gemeinsam werden sie das Urteil fällen. Es wird frühestens im April erwartet.
Der Gerichtssaal ist aus Sicherheitsgründen von einem Dutzend Polizisten gesichert. Die Öffentlichkeit ist nicht zugelassen. Für die Sprecherin des Gerichts, Margarete Nötzel, ist das Interesse am Fall sehr gross, «da es die Menschen bewegt, wenn Jugendliche derart austicken».
Anwalt von Benji D. kritisiert Staatsanwaltschaft
Die Staatsanwaltschaft München sprach nach den Prügelattacken der drei Schüler von der Goldküste von einem «Amoklauf ohne Waffen». Für den Anwalt von Benji D., Christoph Finke, ist das eine Vorverurteilung, die «der Sachlage nicht gerecht wird», wie er kurz vor der Verhandlung sagt. Er hält die Äusserungen für «zu pointiert».
Am Nachmittag läuft der Prozess im Verhandlungssaal B 177 im Landgericht München voraussichtlich weiter. Insgesamt sind 38 Zeugen und drei Sachverständige geladen. Die Eltern sind laut Anwalt Finke ebenfalls anwesend.
Zweimal des versuchten Mordes angeklagt
«Ob wir mit sieben Tagen durchkommen, wird sich zeigen», sagte Thomas Steinkraus-Koch, Sprecher der Staatsanwaltschaft, am Montagmorgen vor den Medien. Die jugendlichen Täter sind in zwei Fällen des versuchten Mordes und in drei Fällen der schweren Körperverletzung angeklagt.
Ab morgen Dienstag werden die ersten Zeugen vernommen. «Die Geschädigten nehmen erst am dritten Tag an den Verhandlungen teil», so Steinkraus-Koch. Wie sich die Angeklagten in der Gefangenschaft verhalten und ob sie sich für ihre Tat entschuldigt haben, wurde bei der Medieninformation vom Montagmorgen nicht bekannt gegeben. Auch von einem Amoklauf wollte Steinkraus-Koch zum jetzigen Zeitpunkt nicht sprechen. Er betonte allerdings, dass «der Fall in seiner Brutalität aus der Masse hervorsticht».
Massive Sicherheitsvorkehrungen
Vor dem Gerichtsgebäude haben sich die internationalen Medien in Position gebracht. Da die Täter 17-jährig sind, findet der Prozess allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Selbst die Journalisten müssen einen Metalldetektor passieren, um in die Räumlichkeiten des Landgerichts München 1 zu gelangen.
Vor der Verhandlung wurde der Saal kurz für die Medien freigegeben. Anschliessend wurde der Raum abgeriegelt und auf Mikrofone und Kameras durchsucht. Die drei Schüler von der Goldküste werden aus Räumen unter dem Gericht über einen sogenannten Vorführgang direkt in den Saal geführt. Vor dem Gerichtssaal wurden zwei Meter hohe Sichtschutzwände aufgebaut, damit auch die Zeugen ungesehen an den Journalisten vorbei kommen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 29.03.2010, 09:34 Uhr
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

