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«Die Wohnungssuche kann schnell ein Fulltime-Job werden»

Interview: Tina Fassbind. Aktualisiert am 27.07.2011 21 Kommentare

Mitte September fängt das Semester an – schon jetzt sind Zimmer knapp. Welche Tricks Studenten anwenden, um eine Bleibe zu finden, und welche Rolle die Eltern dabei spielen, weiss Wohnungsvermittler Pascal Felber.

«Die Leute müssen bei der Suche flexibel sein»: Pascal Felber, Leiter Zimmer- und Wohnungsvermittlung Uni und ETH Zürich.

(Bild: Wohnen.ethz.ch)

Wohnungsbesichtigung im Niederdorf: Die 1,5-Zimmer sind heiss begehrt. (Video: Tina Fassbind)

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Haben Sie noch freie Zimmer für Studenten?
Wir haben ein Zimmerkontingent für Studierende aus dem Ausland und für Austauschstudenten. Die 350 Zimmer sind allerdings bereits vergeben. Wer jetzt noch eine Bleibe sucht, muss sich beeilen. Im Juli und August ist es noch einfacher, etwas zu finden. Im Sommer herrscht immer Flaute. Aber ab September – kurz vor Semesterbeginn – wird es immer schwieriger. Wir raten den Studenten, auf unserer Plattform zu suchen. Dort bieten auch Private ihre Zimmer an. Auch bei der Woko, der Studentischen Wohngenossenschaft Zürich, werden Studenten vieler Zürcher Hochschulen aufgenommen.

Reichen diese Angebote denn aus?
Nein, es hat im Moment noch nicht genügend Wohnraum für Studenten in Zürich. Aber die Stiftung für studentisches Wohnen ist beispielsweise derzeit daran, in Affoltern ein neues Haus zu bauen. Im Herbst soll es eröffnet werden. Bis dahin müssen die Studenten sich auf dem privaten Markt umsehen. Viele von ihnen haben jedoch zu hohe Ansprüche an die Unterkunft.

Welche Wünsche sind das?
Sie wollen möglichst zentral und günstig leben. Am liebsten in unmittelbarer Nähe der Uni oder ETH. Aber im Kreis 6 für 400 Franken im Monat zu wohnen, ist fast unmöglich.

Scheitern viele an der Realität auf dem Wohnungsmarkt?
Es kommt schon vor, dass die Leute vom Angebot in der Stadt enttäuscht sind. Wir weisen sie dann darauf hin, dass es auch in Vorortgemeinden wie zum Beispiel Dietikon sehr gute Wohnungen gibt, und das Zentrum von Zürich mit der S-Bahn rasch zu erreichen ist. Die Leute müssen bei der Suche flexibel sein, dann finden alle etwas.

Gab es schon Probleme mit den Studenten, die Sie vermittelt haben?
Die gibt es ab und zu. Meist dann, wenn zwischen Mietern und Vermietern nicht alles vertraglich genau geregelt ist, wie zum Beispiel die Kündigungsfrist. Aber das sind Einzelfälle.

Sind die Studenten denn braver geworden?
Der Grossteil ist schon seriös und will sich voll auf das Studium konzentrieren. Aber Gruppen wie beispielsweise die Austauschstudenten wollen zum Teil auch ihr Studentenleben geniessen. Für sie stellt die Woko eigens Liegenschaften zur Verfügung, in denen es Partykeller gibt.

Mit welchen Tricks gehen die Studenten auf Wohnungssuche?
Sie schreiben so viele Vermieter wie möglich an. Studenten aus China oder Indien teilen sich manchmal auch ein Zimmer, bis sie etwas anderes finden. Viele werden bei der Suche von ihren Eltern unterstützt. Insbesondere bei Studenten aus gutem Hause tritt der Vater als Vermittler auf. Bei ausländischen Studenten kommt es sogar oft vor, dass die ganze Familie anreist, um bei der Wohnungssuche zu helfen.

Eltern suchen für ihre Kinder die Zimmer?
Das kann durchaus Sinn machen. So können zum Beispiel zwei Wohnungen parallel besichtigt werden. Das spart Zeit.

War es schon immer so schwierig, als Student eine Wohnung in Zürich zu finden?
Die Wohnungsnot war schon immer gross. Aber mittlerweile hat die Zahl der ausländischen Studierenden zugenommen. Das verschärft die Situation zusätzlich, sorgt aber für kulturelle Bereicherung.

Was sollte bei der Wohnungssuche beachtet werden?
Man muss möglichst viel Zeit einplanen, mit Menschen reden, persönliche Netzwerke aktivieren, alle Suchmöglichkeiten im Internet nutzen. Die Wohnungssuche kann schnell ein Fulltime-Job werden. Es gibt Studenten, die es einfacher haben. Sie kommen gut an, sind unkompliziert. Andere können weniger gut auf Leute zugehen oder haben einfach hohe Ansprüche. Dann kann es gut vorkommen, dass pro Woche vier Wohnungen besichtigt werden müssen – und das über mehrere Wochen hinweg. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 27.07.2011, 11:05 Uhr

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21 Kommentare

dan meier

27.07.2011, 13:32 Uhr
Melden 26 Empfehlung

Zimmerkontingent nur für Austauschstudis und ausl. Studis - wenn in diesem Artikel cher Studis erwäht werden, dann als Leute mit zu hohen Ansprüchen. Dass Uni und ETH mehr um ihren internationalen Ruf bekümmert sind, als sich um die Anliegen der einheimischen Studentenschaft zu kümmern, muss ja nicht erwähnt werden. Lieber noch ein paar Klischees zementieren und Flexibilität predigen. Antworten


Friedrich Müller

27.07.2011, 17:02 Uhr
Melden 20 Empfehlung

Ich finde es ein bisschen merkwürdig, dass im Zusammenhang mit der Zürcher Wohnungsnot immer nur von den armen Studenten gesprochen wird. Es gibt auch ganz normale Arbeiter und Angestellte mit knappen Budget! Und auch Alleinerziehende, Familien, Invalide, ältere Menschen etc. Diese Leute haben genauso ein Anrecht auf zahlbaren Wohnraum! Antworten



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