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Die Zürcher Studentin, die die 35'000 Jahre alte Venus fand

Aktualisiert am 14.05.2009

Eine Zürcher Archäologiestudentin macht den Fund ihres Lebens: Die 24-Jährige gräbt am richtigen Ort und findet die älteste bekannte Figur der Menschheit.

«Sieht aus wie ein Teddybär»: Die erste Reaktion der Zürcher Studentin Aleksandra Mistireki, als sie eine 35'000-jährige Figur ausgräbt.

«Sieht aus wie ein Teddybär»: Die erste Reaktion der Zürcher Studentin Aleksandra Mistireki, als sie eine 35'000-jährige Figur ausgräbt. (Bild: Nicola Pitaro)

35'000 Jahre alt: Diese Figur fand die Zürcher Studentin auf der Schwäbischen Alb.

35'000 Jahre alt: Diese Figur fand die Zürcher Studentin auf der Schwäbischen Alb. (Bild: Keystone)

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«Ich glaube, ich habe etwas gefunden. Sieht aus wie ein Teddybär»: Aleksandra Mistireki lacht herzlich und ein bisschen verlegen, wenn sie sich an ihre ersten Worte nach dem sensationellen Fund erinnert, der ihr im letzten Sommer in der Schwäbischen Alb geglückt ist. Ihr - einer Zürcher Archäologiestudentin im achten Semester -, die ein paar Wochen als Helferin im Grabungsteam der Uni Tübingen dabei war. Zufällig grub sie am richtigen Ort und fand die älteste bekannte Figur der Menschheit, 35'000 Jahre alt. Gestern ist sie erstmals den Medien präsentiert worden.

Natürlich ist das sechs Zentimeter lange Elfenbeinfigürchen kein Teddybär, es ist eine Fruchtbarkeitsgöttin. Aber das erdverkrustete Bruchstück, das die Finderin als Erstes in den Händen hielt, erinnerte sie mit seinen rundlichen Formen an ein Stofftier.

Dass es sich um etwas Aussergewöhnliches handeln musste, war dem Team schnell klar, das in der Höhle Hohle Fels an der Arbeit war: «Wir wussten ja, aus welcher Zeit die Erdschicht stammte, in der wir gruben.» Umso grösser war die Freude, als die 24-jährige Studentin das zweite Stück der Venusfigur fand. Damit fehlte der Skulptur nur noch eine Brust und ein Arm. Und auch diese Teile fand man. «In dem Moment dachte ich: Wow!, das ist gewaltig», erzählt Mistireki. «So ein Fund gelingt einem Archäologen höchstens einmal, wenn überhaupt.»

Das muss der Traum aller Archäologen sein: Der Fund, der Geschichte macht. Die junge Frau lächelt und relativiert dann in breitem Liechtensteiner Dialekt: «Klar denkt man insgeheim, ein solcher Fund wäre toll. Aber wir freuen uns auch über kleinste Scherben. Es ist unheimlich spannend, was man alles ausgräbt.»

Man glaubt ihr die Faszination sofort. Schon als Kind gab es für die Tochter eines Griechen und einer Slowenin nichts Spannenderes, als in der Heimat des Vaters in Ruinen herumzustiefeln. Das Mädchen fragte die Eltern, die nicht viel von den Ruinen verstanden, Löcher in den Bauch. Und sie bemühten sich, so gut wie möglich Antwort zu geben. Logisch, dass Aleksandra an der Uni Zürich klassische Archäologie studiert; im Nebenfach hat sie Ur- und Frühgeschichte gewählt. Ausgerechnet in diesem Nebenfach hat sie den Fund gemacht, der sie nun ins Rampenlicht schleudert. Was übrigens ebenso ungewöhnlich ist wie der Fund selbst: Dass Studenten in solchen Fällen öffentlich mit Namen erwähnt werden, war früher undenkbar.

Der Karriere der angehenden Archäologin ist ein gewisser Bekanntheitsgrad sicher nicht abträglich. «Wenn man auf dem Beruf arbeiten will, ist es das A und O, während des Studiums möglichst viele Kontakte zu knüpfen», sagt Mistireki. Und für sie steht ausser Diskussion, dass sie auch in Zukunft an Ausgrabungen dabei sein will. Ihr grosser Traum ist es, dereinst in Griechenland selbst eine Ausgrabung zu leiten. «Graben ist das Schönste überhaupt», sagt sie. Sie schätzt nicht nur die Arbeit an sich, sondern auch die Atmosphäre auf den Fundstellen, wo oft Studenten aus aller Welt am Werk sind.

Die winzige Venus hat sie übrigens seit jenem Sommertag nicht mehr in den Händen gehalten. Das Figürchen wurde noch am selben Tag in die Uni gebracht. Tat das nicht weh? Die junge Frau verneint. «Natürlich hätte es mir gefallen, die Figur weiter zu bearbeiten - aber es wäre fahrlässig gewesen, mich das machen zu lassen. Dafür braucht es Erfahrung.» Nein, wehgetan hat ihr etwas anderes: dass sie bis gestern niemandem etwas von ihrem Fund erzählen durfte. (fsc/ta)

Erstellt: 14.05.2009, 14:40 Uhr

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