Die amerikanische Atomfestung im Landeanflug – das Video

Aviatische Sensation in Kloten: Eine umgerüstete Boeing 747 E4 ist am Zürcher Airport gelandet. An Bord dürfte sich US-Verteidigungsminister Ashton Carter befunden haben.

Hier landet der hochgerüstete Flieger in Kloten. (Video: Adrian Panholzer)

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Eine kleine aviatische Sensation hat am Flughafen Zürich stattgefunden. Kurz vor 13.30 Uhr befand sich ein blau-weisser Jumbojet im Anflug. Einer, der sämtliche «Spotter»-Herzen höher schlagen lässt: Es war eine Boeing 747-200 E4 der US-Airforce – auch bekannt unter dem bedrohlichen Namen Doomsday-Plane (Weltuntergangs-Flieger). Insiderberichten zufolge soll sich der amerikanische Verteidigungsminister Ashton Carter an Bord befinden.

Der aviatische Star liess sich bitten

Das Flugzeug hätte Zürich 12.05 Uhr erreichen sollen. Doch der Star des Tages spannte die Schaulustigen auf die Folter. Die Maschine liess auf sich warten: Erst gegen 12.30 Uhr verliess die Militärmaschine den französischen Flugplatz Le Bourget, um eine knappe Stunde später in Zürich auf der Piste 14 aufzusetzen.

Wenige Minuten zuvor flogen amerikanische Hubschrauber des Typs Blackhawk von Dübendorf nach Kloten. Sie sorgten für die Sicherheit des Grossflugzeugs und holten den prominenten Passagier ab. Sie hatten bereits vor wenigen Tagen den US-Vizepräsidenten Joe Biden in Empfang genommen. Er war an Bord der Airforce Two, einer Boeing C-32, angereist und auf dem Luftweg nach Davos transportiert worden.

Der blau-weisse, vierstrahlige Luftgigant von Boeing ist eine Seltenheit. Anders als herkömmliche Jumbos, hat die fliegende Kommandozentrale der Amerikaner nicht nur eine, sondern gleich zwei «Beulen» und lässt sich so einfach erkennen. Die zahlreichen Flugzeugspotter aus aller Herren Länder sind sich sicher: In der Schweiz war dieser Vogel noch nie. Im Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) weiss man mit Sicherheit so viel: «In den vergangenen Jahren ist diese Maschine nicht bei uns gelandet.» Das Bazl hat dem Militär-Jumbo eine sogenannte «diplomatic clearance» erteilt – eine Landebewilligung für Staatsoberhäupter, die mit Staatsmaschinen einreisen.

«Glamourlose Arbeitspferde»

Wer die fliegende Kommandozentrale betritt, macht eine Zeitreise. Denn die Maschine datiert aus den 1970er-Jahren. Sie ist eine von vier Boeing 747 E4, welche die amerikanische Airforce betreibt. Die vier Maschinen tragen den Übernamen «Nightwatch». Die Technologie des alten Jumbos steht im krassen Gegensatz zu seiner hochmodernen Ausstattung. Er wirkt unspektakulär und gilt in Insiderkreisen als glamourloses «Arbeitspferd», Komfort-Schnickschnack gibt es an Bord keinen. Erbaut zum Überdauern – und zwar die schlimmsten Katastrophen.

Als National Airborne Operations Center (NAOC) gewährleistet die Maschine die Befehlsgewalt der amerikanischen Regierung, sollte die Kommunikationsinfrastruktur am Boden zerstört worden sein. Der Jumbo ist ein Relikt aus dem Kalten Krieg. Aus Angst vor einem Atomangriff beschafften die Amerikaner erst drei und später eine vierte dieser Boeing 747-200. Sie machten aus dem Passagierflugzeug eine Kriegsmaschine, um im Ernstfall ihre Kommandozentrale in Sicherheit – also in die Luft zu bringen.

Eintreten bitte: Die Boeing 747-200 ist ein fliegendes Grossraumbüro und zugleich eine Kommandozentrale der amerikanischen Streitkräfte.

Ihr Rumpf ist vollgepackt mit modernen Elektronik- und Kühlsystemen. Die Aussenhülle ist gesichert durch eine Technologie, die als «classified», sprich als geheim gilt. Sie schützt den Jumbo vor bei einer Atombombenexplosion auftretenden elektromagnetischen Impulsen. Mehr als 60 Antennen und Satellitenempfänger trägt die Maschine mit sich. Im untersten Deck des Giganten sind die Avionik und die Flugzeugsysteme verstaut. Im Hauptdeck befindet sich die Bordküche, der Arbeitsplatz der Flightattendants. Gleich nebenan nehmen die VIPs Platz. Ihnen stehen als Arbeitsplätze grosse Sessel mitsamt beachtlicher Kommunikationszentrale und ein stilles Örtchen zur Verfügung.

Die bis zu 65-köpfige militärische Besatzung hat an Bord die verschiedensten Arbeitsplätze: ein grosses Sitzungszimmer für neun Teilnehmer, ein geräumiger Briefing- und Presseraum für 17 Personen und ein Kommandodeck, in dem 35 Mitarbeiter Platz finden inklusive Druckern, Kopierern und Faxgeräten. Dieser Büroraum umfasst eine Fläche von rund 460 Quadratmetern. Im Flugzeug befinden sich alle erdenklichen Kommunikationsmittel und Funkgeräte, die sämtliche Frequenzbereiche abdecken. Eine Rundfunkanlage erlaubt es der Besatzung zudem, die Bevölkerung über den Äther zu informieren. Im Cockpit der Maschine sitzen in der Regel zwei Piloten, ein Navigator und ein Bordtechniker. Das Flugzeug kann neben der militärischen Crew bis zu 51 Passagiere transportieren.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 21.01.2016, 11:29 Uhr)

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Die Boeing 747 E4 in Zahlen

Länge: 70,5 Meter
Spannweite: 59,6 Meter
Höhe: 19,3 Meter
Tragflügelfläche: 511 Quadratmeter
Leergewicht: 186 Tonnen
Maximales Startgewicht: 360 Tonnen
Höchstgeschwindigkeit: 970 km/h
Maximale Flughöhe : 12'000 Meter
Reichweite (ohne Luftbetankung): 11'000 Kilometer
Max. Flugdauer (mit Luftbetankung): 72 Stunden

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