Die besseren Bienen

Zwei Zürcher wollen mit ihrem Bestäubungsservice den Obstbauern helfen – und verzichten dabei auf Honigbienen. Mit ihrem Projekt haben sie nicht nur einen Geldpreis, sondern auch einen Arbeitsplatz gewonnen.

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Weder Sauerbrut noch Varroamilben setzen ihnen zu, sie müssen nicht mit Zuckerwasser ernährt werden und sie schwärmen auch nicht unkontrolliert in die Stadt aus wie die Honigbienen: die gehörnten Mauerbienen (Osmia cornuta) von Claudio Sedivy und Thomas Strobl. Die beiden Zürcher wollen die einheimische Wildbiene, die mit ihren langen Fühlern aussieht wie die niedliche Schwester der Honigbiene, zum Bestäuben von Obst- und Beerenplantagen einsetzen.

Die Obstbauern sind mehr und mehr unter Druck, denn den Honigbienen geht es schlecht: Jedes Jahr fällt ein grosser Teil der Völker Krankheiten zum Opfer. Und Honigbienen fliegen nur bei relativ warmen Temperaturen. «Bei den zunehmenden Wetterkapriolen im Frühling ist das ein Problem», sagt Claudio Sedivy. Gewisse Obstsorten blühen nur wenige Tage. Fliegen an diesen Tagen keine Bienen, gibt es nichts zu ernten. Da können die fleissigen und robusten Mauerbienen, deren Bestäubungsleistung lange unterschätzt wurde, einspringen.

Vegane Burgerkette ausgestochen

Für ihre Idee hat die Start-up-Schmiede HUB Zürich zusammen mit WWF Schweiz die beiden Zürcher Jungunternehmer zum HUB Fellow for a Green Economy gekürt: Sie erhalten 34'000 Franken und für ein Jahr einen Arbeitsplatz unter den Viaduktbögen in Zürich. Die beiden setzten sich gegen fünf Finalisten aus der ganzen Schweiz durch. Deren Ideen: eine vegane Burgerkette, ein Projekt für bessere Fischtreppen bei Kraftwerken oder ein Solarstromprojekt.

Überzeugt habe die Jury, so HUB-Zürich-Gründer Niels Rot, dass Sedivy und Strobl ein akutes Problem der hiesigen Bauern lösen, einen vernünftigen Plan haben, dies langfristig marktwirtschaftlich zu finanzieren, und gleichzeitig die Bevölkerung für die Bedrohung der Wildbienen sensibilisieren. Denn im Sommer haben die beiden wenig zu tun: Erst im Herbst holen sie ihre Bienenkästen aus den Plantagen zurück und pflegen und sortieren die Kokons mit den Jungtieren für das nächste Jahr. Während dieser Zeit sind sie an Schulen und Messen unterwegs und informieren über die rund 600 Wildbienenarten der Schweiz, viele von ihnen bedrohte Arten.

150'000 Kokons aussortieren

Im Gegensatz zu den Honigbienen leben die meisten Wildbienen nicht im Staat. Gleich nach dem Schlüpfen paaren sich die kleinen Männchen mit den grösseren Weibchen, worauf diese in Bruthöhlen in Mauern, Holz oder im Boden ihre Eier ablegen und mit Pollen und Nektar versorgen. Honig gibt es keinen zu ernten.

Für die Zucht der Bienen an geeigneten Standorten haben Sedivy und Strobl Nisthilfen entwickelt. 200 davon haben sie diesen Frühling in Gärten und auf Balkonen im Kanton verteilt. Um im kommenden Frühling die angestrebten 150 Hektaren Plantagen bestäuben zu können, brauchen sie rund 150'000 Kokons. Claudio Sedivy ist zuversichtlich, dieses Ziel zu erreichen. «Und dank des HUB Fellowships und der Unterstützung durch den WWF können wir die Förderung der Wildbienen nun umgehend in Angriff nehmen.»

Die Start-up-Werkstatt von HUB Zürich gibt es seit 2011. Den Zürcher Ableger des weltweiten Netzwerks für nachhaltige Firmenideen haben vier HSG-Absolventen gegründet. Die Idee: mit betriebswirtschaftlichen Methoden sozialen und ökologischen Ideen zum Durchbruch zu verhelfen. The Hub finanziert sich über Kooperationen mit Partnern wie dem WWF und über die Vermietung von Büroarbeitsplätzen und Veranstaltungsräumen sowie Coachings für nachhaltige Jungunternehmen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 16.05.2013, 11:45 Uhr)

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