Zürich
Die dunkle Vergangenheit von Bischof Eleganti
Von Michael Meier. Aktualisiert am 19.02.2010 23 Kommentare
Marian Eleganti.
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Unter Zürichs Katholiken ist der neue Weihbischof Marian Eleganti ein Unbekannter. Selbst im Vatikan soll man über den Wunschkandidaten von Bischof Huonder nicht erfreut sein, heisst es in gut informierten Kreisen. Auch im Kloster Einsiedeln rieb man sich die Augen, als die Ernennung publik wurde. Denn einige Benediktiner erinnern sich noch, wie Eleganti 1976 nach drei Jahren Noviziat das Kloster Hals über Kopf verliess, um sich einer «überspannten Gemeinschaft» anzuschliessen.
Der 23-Jährige war damals in einem Zustand der Krise, der Verunsicherung, wie er selber an einer Pressekonferenz anlässlich seiner Ernennung im letzten Dezember sagte. Der Einsiedler Novize schlief nicht mehr, verlor den Appetit, fühlte sich verloren. So schloss er sich den Visionären einer jungen charismatischen Gemeinschaft an, die sich erst Priesterwerk und später Familie Mariens nannte und damals – von Innsbruck kommend – nach Castelgandolfo bei Rom zog.
Erbitterte Opposition zu Rom
Wie Eleganti den Medien erklärte, war das Priesterwerk von Kurienkardinal Gabriel-Marie Garrone 1977 «ad experimentum», also probehalber, lanciert worden und habe anfangs ein paar Kinderkrankheiten gezeigt. Was der Weihbischof verschwieg: Schon ein halbes Jahr später zog der Kardinal die vorläufige Anerkennung zurück. Und der für Castelgandolfo zuständige Bischof von Albano wies die Gemeinschaft an, sein Bistum zu verlassen und sich aufzulösen.
Das Priesterwerk wehrte sich hartnäckig und stand die nächsten 15 Jahre in erbitterter Opposition zu Rom. Im Bistum Innsbruck, wo es sich 1979 samt Eleganti niederliess, kam es zum jahrelangen Streit mit Bischof Reinhold Stecher, wie der dortige Referent für Weltanschauungsfragen, Wolfgang Mischitz, auf Anfrage bestätigt.
In Innsbruck sprach man nur von der «Seidnitzer-Sekte». Denn der umstrittene Gründervater des Priesterwerks, der österreichische Priester Josef Seidnitzer, verstand sich als «Papst der neuen Zeit» und weihte auf mystische Weise seine Anhänger zu Bischöfen, Priestern und Diakonen. Über wilde Visionen und Privatoffenbarungen festigte der glühende Marienverehrer seine Autorität unter den Mitgliedern.
Illegales Priesterseminar
In den privaten Aufzeichnungen eines damaligen Mitglieds heisst es: «Verhandlungen mit dem Bischof von Innsbruck bleiben ohne Ergebnis. Der geforderte Gehorsam wird von P. Josef verweigert. Die Folge: Suspendierung von P. Josef. Wir ignorieren sie, sobald wir von ihr erfahren.» Die Sanktionen gegen Josef Seidnitzer, der 1979 suspendiert wurde, bestätigte sogar der Kardinalstaatssekretär des Vatikans, Agostino Casaroli.
Trotz allem blieb Eleganti der Gemeinschaft treu verbunden und versah interne Aufgaben im innersten Zirkel, der Villa Salvatoris, wo sie ein illegales Priesterseminar betrieb. 1985 wurde es von Bischof Stecher hochoffiziell verboten: «Diese Einrichtung steht vollständig ausserhalb jeder kirchlichen Legalität.» Deren Priesterkandidaten dürften nicht zur Weihe zugelassen werden. Auch der Vatikan hielt per Dekret fest, dass alle Behauptungen Seidnitzers von einer angeblichen Unterstützung seitens der römischen Kirche «nichts anderes als reine Erfindungen ohne jedes Fundament» seien.
Frauen mussten zum Psychiater
Nun wurden die Medien auf die «ultrakonservativen Separatisten» in der Villa Salvatoris aufmerksam. Sie berichteten von ihr nahe stehenden Gebetskreisen junger Mädchen, die Symptome von Seelenwäsche zeigten und psychiatrisch betreut werden mussten. Auch von stark abgemagerten Priestern war die Rede, die übermässig gefastet hatten. 1988 verbot Bischof Stecher per Kanzelbrief die Gemeinschaft abermals. Verunsichert wandte sie sich an den Wiener Kardinal Hans Hermann Groer, selber ein glühender Marienverehrer. Doch der später wegen pädophiler Übergriffe abgesetzte Oberhirte stellte sich hinter Bischof Stechers Verbote.
So teilte sich das Priesterwerk im Jahre 1990. Eleganti fand bei den Missionsbenediktinern in Uznach Unterschlupf. Gemäss «Zürichsee-Zeitung» blieb für ihn Seidnitzer, dessen Namen er nie nennt, eine «charismatische Gründerpersönlichkeit». An der Pressekonferenz nach seiner Ernennung zum Weihbischof jedoch sprach er von Schwierigkeiten mit der Gründerpersönlichkeit, die in einer offenen Konfrontation geendet hätten.
Andere Mitglieder des Priesterwerks schlossen sich 1990 den Lefebvristen an, die Mehrheit jedoch ging nach Rom und unterstellte sich der Führung von Bischof Pavel Hnilica, der versprach, der Gemeinschaft endlich zur Anerkennung zu verhelfen. Der 2006 verstorbene Marienverehrer war eine der schillerndsten Figuren der römischen Kirche (siehe Kasten). Der frühere Untergrundbischof in der kommunistischen Tschechoslowakei war in Rom etwa in die Affäre um den Zusammenbruch der Banco Ambrosiano verwickelt. Weil er die Kirche gegen alle Verleumdungen unterstützen wollte, stellte er der Vatikanbank Blankoschecks in Millionenhöhe aus, um sie zu sanieren.
Im Lebenslauf verschleiert
Hnilica gründete auch die Organisation Pro Deo et Fratribus, um den katholisch-antikommunistischen Widerstand in Osteuropa zu stärken. Er, der sich als Freund Johannes Paul II. bezeichnete, sorgte dafür, dass das Priesterwerk 1995, also erst fünf Jahre nach dem Abgang von Eleganti, vom Papst provisorisch, 2004 dann definitiv anerkannt wurde. Allerdings unter dem neuen Namen Pro Deo et Fratribus – Familie Mariens. In seinem öffentlichen Lebenslauf nennt Eleganti auch das Priesterwerk der Anfangszeiten stets Familie Mariens und gibt ihm so einen legalen Anstrich.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 19.02.2010, 04:00 Uhr
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23 Kommentare
Wo es NEIDER gibt, entstehen solche übertriebenen Geschichten! Weihbischof Marian Eleganti lebt für seinen Glauben und setzt sich selbtslos ein! Offensichtlich passt es gewissen Neidern nicht in den Kram, dass Marian Eleganti dieses ehrenvolle Amt ausüben darf! Lasst ihn doch zuerst einmal arbeiten und sich unter Beweis stellen! Warum nur sieht der Mensch zuerst immer nur das Schlechte in allem?! Antworten
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