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Die guten Mieter gehen, der Schlechte bleibt

Von Felix Schindler. Aktualisiert am 05.07.2011 5 Kommentare

Obwohl die Wohnungen an der Kanonengasse 9 erst kürzlich fertiggestellt wurden, ist das Haus unbewohnbar. Der untere Teil wird vom Sexgewerbe beherrscht – der Cabaret-Betreiber hat einen unkündbaren Vertrag.

1/6 Unten Bordell, oben Wohnungen: An der Kanonengasse zeigt sich der Streit zwischen einem Mieter und den Eigentümern schon an der Fassade.
Felix Schindler

   

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Für die vier Mieter an der Kanonengasse 9 ging kürzlich ein Albtraum zu Ende. Die Schlichtungsbehörde anerkannte, dass ihnen die Verhältnisse in ihrem Haus nicht zuzumuten sind. Noch im selben Monat wurden die Verträge mit der Eigentümerfamilie Neufeld ohne weitere Verpflichtungen aufgelöst und die Mieter zogen aus. «Die Schlichtungsbehörde hätte den Mietern sogar eine Mietzinsreduktion und die Umzugskosten zugesprochen, wenn wir einem Vergleich nicht zugestimmt hätten», sagt der Verwalter der Liegenschaft, Benjamin Neufeld.

Im Parterre der Liegenschaft ist ein schmuddeliges Cabaret eingemietet, in den zwei Etagen darüber bieten Prostituierte in heruntergekommenen Zimmern ihre Dienste ab. Das Treppenhaus ist verschmiert und dient Drogensüchtigen als Nachtlager. Wenn die Mieter morgens zur Arbeit wollten, mussten sie oft über die Junkies klettern. Wenn sie abends nach Hause wollten, rechneten sie damit, von den Süchtigen bedroht zu werden und ihnen einen Wegzoll entrichten zu müssen.

«So lange er die Miete bezahlt, können wir nichts machen»

In diesem Haus sollten eigentlich längst Familien mit Kindern wohnen. Hans Neufeld hatte die Liegenschaft 2004 gekauft, seine Söhne hatten das Haus um eine Etage aufgestockt und auf zwei Geschossen vier Wohnungen gebaut. Ende des vergangenen Jahres sind die ersten Mieter eingezogen. «Wir haben gewusst, was uns erwartet, als wir an die Kanonengasse gezogen sind», sagte eine Mieterin im Frühling gegenüber Tagesanzeiger.ch. Als sie erkannte, wie weit ihre Befürchtungen übertroffen wurden, packte auch sie ihre sieben Sachen.

Der Verwalter der Immobilie, Benjamin Neufeld, kämpft seit Jahren gegen die Missstände, doch er steckt in der Zwickmühle. «Einerseits sagt die Schlichtungsbehörde, dass man es einem Mieter nicht zumuten kann, dort zu wohnen. Andererseits deckt das Mietgericht den Mann, der für die Missstände verantwortlich ist.» Tatsächlich hat der Mieter der drei unteren Stockwerke einen unkündbaren Mietvertrag bis 2014. Das wasserdichte Abkommen hat er quasi mit sich selbst abgeschlossen. Ihm gehörte die Liegenschaft, bis er wegen finanzieller Probleme verkaufen musste. «So lange er die Miete pünktlich bezahlt, können wir praktisch nichts machen», sagt Neufeld. Eine Kündigung im Jahre 2008 hatte der Mieter bereits erfolgreich angefochten.

Eigentümer müssen Cabaret-Betreiber entschädigen

Jetzt haben die Eigentümer einen weiteren Anlauf genommen, um das Rotlicht im Haus endgültig zu löschen – und kündigten dem Mieter wegen Verletzung der Sorgfaltspflicht. «Die Prostituierten und ihre Gäste haben die Einrichtungen im Haus völlig demoliert und die Mieter bedroht. Wenn das für eine Kündigung nicht reicht, dann weiss ich auch nicht mehr weiter», so Neufeld. Der Mieter selbst stellt sich auf den Standpunkt, dass sein Cabaret im Erdgeschoss für die Missstände nicht verantwortlich ist, die Drogen kämen aus der Nachbarliegenschaft. Was in den Salons darüber passiere, dafür könne man ihn nicht verantwortlich machen, er sei lediglich der Vermieter. Dies erklärte er in einem früheren Interview gegenüber Tagesanzeiger.ch. Der Cabaret-Betreiber hat die Kündigung angefochten, ein Entscheid der Schlichtungsbehörde steht noch aus.

Die Liegenschaft entwickelt sich für die Familie Neufeld immer mehr zu einem finanziellen Desaster. 2,4 Millionen Franken bezahlte Hans Neufeld für die Liegenschaft, die Kosten für den Umbau belaufen sich laut eigenen Angaben auf rund 1,8 Millionen Franken. Doch bevor die Neufelds umbauen konnten, mussten sie mit dem Mieter einen Kuhandel eingehen. Er trat den Eigentümern den Mietvertrag für die dritte Etage ab, dafür müssen die Eigentümer den Ertragsausfall kompensieren. «7'500 Franken kostet uns das monatlich», sagt Neufeld.

Sie hofften, diese Ausgaben mit den Mieterträgen auszugleichen. Doch so lange ein Teil der Liegenschaft vom Milieu beherrscht wird, wird daraus wohl nichts werden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.07.2011, 12:41 Uhr

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5 Kommentare

Thomas Hofer

05.07.2011, 13:54 Uhr
Melden 30 Empfehlung

Ich habe überhaupt kein Mitleid mit der Neufeld Immobilien! Für einmal haben sie halt den Kürzeren gezogen, sonst sind es die Mieter welche durch überrissene Kosten ausgesaugt werden.
Damit will ich solche Schandhäuser nicht verteidigen, aber ich weiss aus eigener Erfahrung wie "gewisse" Immo-Firmen geschäften...
Antworten


Peter Gutknecht

05.07.2011, 14:08 Uhr
Melden 14 Empfehlung

Hat Hans Neufeld, der arme Investor, die Liegenschaft und die zugehörigen Mietverträge angeschaut, bevor er dieses "Schnäppchen" gekauft hat ? Und warum macht Neufeld nicht ein "Puff" bis 2014, in allen Stockwerken, und nachher dafür 100% Wohnungen ? Explosiv ist ja vor allem die Mischung. Antworten



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