Zürich
Die halbe Welt setzt auf den Alu-Tüftler
Von Ev Manz. Aktualisiert am 28.10.2011 9 Kommentare
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Heinz Leuthold tritt bescheiden auf. Der 57-jährige Richterswiler sitzt in Hemd und Jeans am grossen Tisch seines modernen Sitzungszimmers, in einer Ecke steht eine Nespresso-Kaffeemaschine. Den Stolz, dass seine Firma Maschinen und Werkzeuge zur Herstellung der Aluminiumkapseln für ebendiese Maschine herstellt, kann Leuthold aber nicht ganz verbergen.
Leuthold ist Patron von 90 Angestellten. Seine Firma stellt an vier Standorten Maschinen für Aluminiumverpackungen her und wächst kontinuierlich. Neben den Kaffeekapseln gehören Behälter für Katzenfutter und für kleine Konfitüren, fürs Flugcatering und für die sterile Verpackung von Medizinalgeräten zu den Artikeln, welche die in Samstagern gefertigten Maschinen produzieren. «Irgendwie entwickelte sich das Geschäft einfach immer weiter», sagt Leuthold.
Marktnische gefunden
Angefangen hat Heinz Leuthold Mitte der Siebzigerjahre in einem Keller in Richterswil. Der gelernte Werkzeugmacher tüftelte dort nach Feierabend an speziell gedrehten Teilen für die Maschinenindustrie und vertrieb seine Produkte in Eigenregie. Nach zehn Jahren wurde die Nachfrage von Leutholds Teilen zu gross für die Kellerproduktion, und Leuthold machte sich in Samstagern selbstständig. Einer seiner besten Kunden war ein Maschinenlieferant für die Aluminiumverpackungsindustrie. Leuthold begann, sich in dieser Nische zu spezialisieren. «Irgendwann wollte ich aber als Zulieferer nicht mehr abhängig sein», sagt Leuthold. Das Wissen hatte er sich angeeignet, das Beziehungsnetz aufgebaut. «Die Industrie der Aluminiumverpackung ist wie eine Familie», sagt Leuthold. Und so begann er im Wissen um die geringe Zahl der Mitbewerber, selber die entsprechenden Maschinen herzustellen.
Heute ist die Leuthold Mechanik AG Marktführerin in der Herstellung von Maschinen in der Aluminium-Verpackungsindustrie. Die Firma exportiert die Hälfte ihrer Produkte, die Abnehmer sind rund um den Globus verstreut. «Wir haben neue Standards gesetzt», sagt Leuthold.
Mehrkosten mittragen
Die Wirtschaftslage macht Leuthold deshalb weniger zu schaffen als anderen Schweizer Firmen. Der momentane Eurokurs von 1.20 Franken sei für ihn gerade noch erträglich. «Ideal wäre 1.35 Franken.» Da die Maschinen teurer sind als früher, trägt er einen Teil der Mehrkosten selber mit. Doch er weiss: «Die Kunden bestellen, weil sie unsere Maschinen brauchen.»
Und so kam es für Heinz Leuthold auch nie infrage, seine Produktionsstandorte ins Ausland zu verlagern. «Präzision und Qualität ist unser Markenzeichen. Produzieren wir in der Schweiz, ist das gewährleistet.» Den vierten Produktionsstandort für seine Firma hätte er gerne auch in Samstagern gebaut. Aber er habe merken müssen, wie die Industrie zunehmend durch den Wohnbau verdrängt werde und sich seine Pläne nicht verwirklichen liessen.
Auch Nestlé wird Kunde
Fündig geworden ist Leuthold in Einsiedeln, in den Hallen einer ehemaligen Möbelfabrik. Dort stellt er nun zusätzlich zu den Maschinen auch selber auf Auftragsbasis Aluminiumbehälter her. Damit will die Leuthold Mechanik AG die Bedürfnisse der Abnehmer noch besser kennen lernen und die eigenen Produkte weiter voranbringen.
Über die Qualitäten von Aluminium als Material sagt der Firmengründer Heinz Leuthold: «Es lässt sich gut formen, ist leicht, lässt sich gut stapeln und behält die Aromastoffe einwandfrei zurück.» Deshalb eigne es sich gut für Kaffeekapseln. An diese Strategie will Nestlé denn auch mit dem Tee anknüpfen: Der Lebensmittelgigant bringt Kapseln für Geräte auf den Markt, welche den Tee je nach Mischung mit der richtigen Wassertemperatur überbrühen. Die Maschinen für die Kapselherstellung stammen wiederum aus Samstagern.
Skrupel, dass er Maschinen baut für einen wenig umweltfreundlichen Werkstoff, kennt Heinz Leuthold nicht. «Aluminium ist mit wenig Aufwand recycelbar», sagt er.
Vom Handwerker zum Patron
Dann steht Leuthold auf und führt durch eine Türe in die Produktionsstätte. Es dröhnt. Leuthold grüsst die Mitarbeiter mit Vornamen, die Atmosphäre ist entspannt. «Er ist ein Chef, der unsere Bedürfnisse kennt», sagt ein Angestellter. Überall stehen die bekannten Behälter aus Aluminium herum, und sei es nur, um einige Schrauben zu lagern. Selber steht Heinz Leuthold nur noch selten an der Drehbank. «Früher war ich Handwerker, jetzt bin ich eben nur noch Patron.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 28.10.2011, 11:18 Uhr
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9 Kommentare
Ich gratuliere Herrn Leuthold und seinem Team zu diesem Erfolg. Es gibt eben auch heute noch Bedürfnisse, die nicht mit einer „App“ abzudecken sind. Offensichtlich braucht es dazu Köpfchen und davon scheint HLM eine ganze Menge zu haben. Antworten
Wenn ich den Bericht lese kommt mur unwillkürlich ein ehemaliger, feiner Chef in den Sinn. "Er sitzt mit Hemd und Jeans am Tisch". Es sind nicht nur seine Ideen, er lebt eine Firmenkultur die ihn und die Mitarbeiter glücklich machen, das sind Werte die eine Firma erfolgreich und glücklich machen, leider gibt es eine Menge Patrons die das nicht gemerkt haben. Antworten
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