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Die toten Piloten vom Pfäffikersee

Von Walter Sturzenegger. Aktualisiert am 08.02.2012 1 Kommentar

Als 8-Jähriger musste der Seegräbner Paul Burri zusehen, wie ein Militärpilot im Wald abstürzte. Es war einer von vier tödlichen Unfällen in kurzer Zeit.

«Der Wald brannte lichterloh»: Paul Burri mit einer Fotografie der zerschellten Morane.

«Der Wald brannte lichterloh»: Paul Burri mit einer Fotografie der zerschellten Morane.
Bild: Doris Hauser

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Paul Burri packt einen Stecken, wischt damit Laub und Tannenreisig vom Waldboden und liest ein achtlos weggeworfenes Papierchen auf. Dann streicht er mit der Hand über einen fast mannshohen Granitblock. Ein Grabstein, mitten im Seegräbner Wald? Burri winkt ab. «Das sieht nur aus wie ein Grab, ist aber ein Gedenkstein.» Auf dem Stein sind die Umrisse eines Flugzeugs eingraviert und ein Name: Max Lauer, Basel.

Vor bald 70 Jahren, am 21. September 1942, machte der damals 8-jährige Burri, was er oft tat: Der Bauernbub beobachtete Militärpiloten, wie sie sich im Schiessen mit Maschinengewehr und Bordkanone übten, akrobatisch die auf dem Pfäffikersee ausgesteckten Ziele anflogen, ins Visier nahmen, ihre Propellermaschinen wieder hochzogen und erneut angriffen. Dreimal flog Leutnant Max Lauer, von Beruf Zimmerpolier, an jenem Tag kurz vor Mittag mit seiner Morane-Saulnier an – dann krachte es im Hüenerholz, und der Wald brannte lichterloh.

Die Schneise ist noch zu erahnen

Paul Burri rannte los, kam aber nicht bis zur Absturzstelle. Die militärischen Beobachter auf dem Kommandoposten beim See, die die Schiessübungen überwachten, hatten rasch reagiert und das Waldstück abgesperrt. «Zum Glück», sagt Burri rückblickend. «50 Aren Wald standen in Flammen, Munition explodierte.» Feuerwehrleute aus Seegräben, Uster und Wetzikon hatten alle Hände voll zu tun. Von Max Lauer fand man nur noch den Kopf und einen im Stiefel steckenden Fuss.

Die Ursache des Absturzes wurde nie restlos geklärt. «Man sagte, Lauer habe über Funk gemeldet, er atme Abgase ein», erinnert sich Burri. Vielleicht habe sich auch die Beschleunigung in der Kurve nach dem Zielanflug negativ auf Lauers Hirn ausgewirkt.

Fest steht laut Zeugen und Unfallprotokoll: Die Maschine raste zuletzt in gradlinigem Messerflug steil ins Hüenerholz. Noch heute kann man die Schneise erahnen, die der Flieger in den Wald schlug. Und direkt neben dem Gedenkstein ist deutlich die Mulde zu erkennen, die der Flugzeugmotor in den Boden grub.

Für den Fallschirm wars zu spät

Lauer war nicht der einzige Militärpilot, der in den Kriegsjahren in der Gegend um den Pfäffikersee abstürzte. Wenige Schritte von seiner Wohnung beim Seegräbner Schulhaus entfernt hält Paul Burri erneut inne. Hier habe Georges-André Rolaz am 5. Juli 1939 den Tod gefunden, sagt er. Der junge Pilotenanwärter, ein Medizinstudent, war auf seinem Erstflug mit einer C-35 in 5 Kilometer Höhe in Schwierigkeiten geraten. Als er sich zum Fallschirmabsprung entschied, war es zu spät. «Er stürzte aus 50 Meter Höhe neben dem Flugzeug ab – sein Kopf schlug auf einen Grenzstein auf», sagt Burri.

Zweieinhalb Jahre später touchierte der Pilot Francis Pilloud mit seiner Morane-Saulnier die Wasseroberfläche des Sees, wobei es ihm den Brennstofftank aufriss. Er zog die Maschine nach oben und versuchte auf der Mettlenwiese beim Weiler Rutschberg notzulanden. «Das schien zu gelingen», sagt Burri, «da hakte er mit dem linken Flügel am Boden ein, das Flugzeug ging in Flammen auf, und Pilloud verbrannte. Tragisch.» Tragisch endete auch der Schiessflug von Pilotenschüler Jean Deschenaux im August 1943. Seine Morane-Saulnier geriet plötzlich ins Trudeln und stürzte ins Robenhauserried. Die Maschine versank so tief im Sumpf, dass von ihr nur noch das Leitwerk zu sehen war. «Das geschah unter den Augen seiner Eltern, die auf Einladung des Militärs die Schiessübungen vom Strandbad Auslikon aus verfolgten.»

Gedenkplatte im Ried

Deschenaux’ Eltern liessen eine Gedenkplatte ins Ried legen. Burri schaut auch dort zum Rechten. Allerdings sei der Zugang nur im Sommer bei tiefem Wasserstand möglich oder im Winter, wenn es gefroren sei. Am Gedenkstein für Max Lauer hingegen kommt Burri auf seinen Spaziergängen fast täglich vorbei. «Es ist einfach ein schöner, wenn auch trauriger Platz», sagt er. In den 1960er-Jahren bekam er mit, dass seine Nachbarin Anni Winkler dort manchmal Blumen hinstellte. Als Winkler ins Altersheim zog, begann sich Burri um den Ort zu kümmern. Er schmückt ihn mit Sonnenblumen, entzündet zur Weihnachtszeit Kerzen, bringt Schneeglöggli und Schlüsselblumen zum Blühen. Dass die Inschrift auf dem Stein noch so gut leserlich ist, ist ebenfalls Burris Verdienst. Vor ein paar Jahren strich er die Gravur mit wetterfester Farbe aus.

Jahrzehntelang pflegte der gelernte Metalldreher die Gedenkstätte im Stillen. Bis vor zehn Jahren, als der Unteroffiziersverein Uster vor Ort mit einer Feier der im Aktivdienst getöteten Angehörigen der Fliegertruppe gedachte. «Auch der damals schon über 90-jährige Bruder von Max Lauer, Ernst Lauer, war dabei und bedankte sich bei mir», erzählt Burri mit leuchtenden Augen. Der Kontakt zur Familie sei inzwischen aber wieder abgebrochen. «Ernst Lauer reagierte nicht mehr auf meine Weihnachtsgrüsse. Vermutlich ist er gestorben.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.02.2012, 11:10 Uhr

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1 Kommentar

Alain Michel

09.02.2012, 09:50 Uhr
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Respekt vor diesen Fliegern. Sie haben in den Kriegsjahren dem Unrechtsregime in Deutschland die Stirn geboten. Ihr Widerstandswille ist bewundernswert: elf deutsche Maschinen wurden abgeschossen, zwei unserer eigenen gingen verloren. - "Ce que nous avons fait sera toujours à refaire". Antworten



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