«Diese Zitrone ist ausgepresst»

Zwischen Winterthur–Zürich werden ab Fahrplanwechsel zwei weitere Entlastungszüge eingesetzt. Damit ist die Kapazitätsgrenze erreicht. Pendler müssen bis Mitte 2014 warten. Erst dann wirds weniger eng.

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Der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) hat bekannt gegeben, welche Veränderungen der Fahrplanwechsel heute in einem Monat bringen wird. Auf mehreren Strecken kommt es zu einem Kapazitätsausbau. So auch zwischen Zürich und Winterthur.

Aufgrund der starken Nachfrage werden die bereits auf der S-Bahn-Linie 12 verkehrenden Entlastungszüge um zwei weitere auf insgesamt acht aufgestockt. Die Abfahrtszeiten der beiden neuen S-Bahn-Kurse sind: 6.30 Uhr und 8.19 Uhr.

«Die Situation wird sich erst 2016 entspannen»

«Das ist ein Witz. Um 8.19 Uhr müssen die meisten Leute doch bereits am Arbeitsplatz sein», macht eine Pendlerin ihrem Ärger gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet Luft. Sie ist der Ansicht, dass diese Massnahmen «nur ein Tropfen auf den heissen Stein» seien.

Diese Meinung teilt auch Urs Schaffer, Präsident der Zürcher Sektion von Pro Bahn Schweiz, einer Interessenvertretung der Kunden öffentlicher Verkehrsmittel. «Der Ausbau ist ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings muss man auch sagen, dass der Entlastungszug um 8.19 Uhr wirklich nichts bringt. Dann sind kaum mehr Pendler unterwegs.»

Laut Schaffer ist die Strecke Zürich–Winterthur in beide Richtungen problematisch – und das nicht nur zu Stosszeiten. «Eine Entschärfung wird es erst geben, wenn die Bahnbrücke der Überwerfung Hürlistein wie vorgesehen ab Dezember 2013 in Betrieb genommen werden kann», sagt er auf Anfrage. Auch die Eröffnung der ersten Etappe der Durchmesserlinie Mitte 2014 werde eine Entlastung bringen. «Wenn 2016 auch der Fernverkehr nicht mehr auf dieser Pendlerstrecke verkehrt, dann dürfte sich die Situation ganz entspannen.»

Problemlösung Blockstellenverdichtung

Er sieht jedoch jetzt schon eine Möglichkeit, wie man die angespannte Situation auf der stark frequentierten Strecke lösen könnte: mit einer sogenannten Blockstellenverdichtung. «Auf jeder Bahnstrecke müssen Blockstellen einberechnet werden, auf denen Züge mit Pannen abgestellt werden können, ohne dass durch sie der Bahnverkehr behindert wird», erklärt Schaffer. Je schneller die Züge auf einer Strecke verkehren, desto länger müsse die Blockstelle ausfallen, da sich mit der Geschwindigkeit auch der Bremsweg verlängere. «Würden die Züge auf der Strecke Winterthur–Zürich langsamer fahren, könnten die Blockstellen verkürzt werden – und es könnten dementsprechend mehr Züge verkehren», ist er überzeugt.

Damit rennt Schaffer beim ZVV offene Türen ein. «Eines der Ziele, die mit den vierten Teilergänzungen verfolgt werden, ist eine solche Blockstellenverdichtung. Sie wird auf der Strecke Zürich–Winterthur sukzessive umgesetzt», betont ZVV-Sprecherin Anna Steger gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. «Allerdings geht das nicht von heute auf morgen. Es braucht Zeit, um die Signalanlagen hierzu neu zu setzen.»

Warten auf die vierte Teilergänzung

Steger hält weiter fest, dass die Achse Zürich–Winterthur der meistbefahrene Korridor des ZVV-Streckennetzes sei. «Es ist uns trotzdem gelungen, zwei Entlastungszüge in das dichte Netz einzubringen und die dazu notwendigen Trassen sowie das Rollmaterial bereitzustellen», führt sie ins Feld. Abgesehen davon sei der Kurs um 8.19 Uhr keineswegs unnütz. «Es ist ein Vorläufer der Regel-S-12 um 8.22 Uhr – und diese ist immer stark ausgelastet. Mit dem neuen Kurs um 8.19 Uhr wird diese S 12 entlastet.»

Mit den angekündigten Massnahmen für den Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2012 «ist die Zitrone ausgepresst», so Steger. «Massgebliche Kapazitätserhöhungen sind dann erst wieder mit der Inbetriebnahme der vierten Teilergänzungen der Zürcher S-Bahn und der Durchmesserlinie möglich.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 09.11.2012, 13:01 Uhr)

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