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Dirnen auf dem Paradeplatz

Von Simon Eppenberger. Aktualisiert am 25.05.2011 5 Kommentare

Die Prostitution in Zürich hat eine lange Tradition. Einst gab es Frauenwirte und städtische Bordelle, heute einen Strichplan und Fahrverbote.

1/11 Fahndungsfotos von Prostituierten: In einer Sonderausstellung im Museum Bärengasse wurde die Prostitution in Zürich zwischen 1875 und 1925 thematisiert. Schon damals gerieten die Frauen mit dem Gesetz in Konflikt.
Bild: Walter Bieri/Keystone

   

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Heute wird ein neues Kapitel in der Geschichte der Prostitution in der Stadt Zürich aufgeschlagen: Der Stadtrat präsentiert derzeit seine Pläne, wie er die Strassenprostitution künftig regeln will. Die derzeitige Situation am Sihlquai ist für die Anwohner und das Quartier eine massive Belastung und die Prostituierten sind weder vor Krankheiten noch Gewalt wirkungsvoll geschützt.

Früher lief die Prostitution in der Stadt Zürich anders ab, wie ein Blick zurück zeigt. Im spätmittelalterlichen Zürich etwa gab es zeitweise zwei Bordelle, die von der Stadt betrieben und von einem Frauenwirt geführt wurden. Als 1314 ein Etablissement geschlossen wurde, erliess der Rat von Zürich das Gesetz, sogenannt «freie Frauen» oder «gemeine Weiber» hätten rote Kappen oder Hauben zu Tragen – damit sie als Prostituierte erkannt werden.

Bordelle am Stadtrand

Bereits damals versuchten die Stadtoberen, die Sexarbeiterinnen von bestimmten Teilen der Stadt fernzuhalten. Aus einer Kleiderordnung von 1488 ist zu entnehmen, dass zwei offiziell geduldete Bordelle in Randgebieten standen. Unterdrückt wurde die Prostitution erst mit der Reformation im frühen 16. Jahrhundert.

Aus der Stadt vertreiben konnte man die käuflichen Frauen jedoch nie. Im 19. Jahrhundert schliesslich nahm sich der Zürcher Sanitätsrat der Damen an. Die registrierten Prostituierten wurden regelmässig strengen Gesundheitskontrollen unterzogen – etwas, das es heute nicht mehr gibt.

1891 stellte die Ärzteschaft fest, dass die «erschreckend jungen Frauenzimmer aus Hütten der Armut und des Elends» kämen. Die Hälfte der Mädchen aus dem Badischen, Bayerischen oder Bernischen war noch keine 17 Jahre alt und wurde von einem Bordell ins nächste gereicht. Zürcherinnen prostituierten sich in der Limmatstadt kaum, da sie Angst vor der öffentlichen Ächtung hatten. Wenig zu befürchten hatten die Freier – es sei denn, sie wurden bei einer Razzia in einem der wenigen homosexuellen Bordellen gefunden. Offiziell verboten wurde die Prostitution 1897 in einer Volksabstimmung. Das Treiben ging aber in Hinterzimmern weiter – etwa in Zigarrenläden.

Strassenstrich am Bellevue

Doch das Sexgewerbe vor 1900 wies auch erstaunliche Parallelen zum heutigen Milieu auf, wie das Buch «Wertes Fräulein, was kosten Sie?» zeigt. Von der illegalen Strassenprostitution über offizielle Bordelle im Industriequartier oder im Niederdorf bis zur Luxusdirne in der Zürichberg-Villa war das Angebot bereits damals breit. Der Strassenstrich befand sich an der Limmat und der Sihl, am Bellevue oder auf dem Paradeplatz. Dort riskierten die Prostituierten allerdings, festgenommen und ausgeschafft zu werden. Wenn Dirnen bei der Arbeit erwischt wurden, landeten sie für einige Tage im Gefängnis Oetenbach, wo stets sechs bis acht Pritschen für Prostituierte reserviert waren, wie es im Buch heisst.

Offiziell erlaubt wurde die Prostitution 1942. Seit 1992 wird auch Kuppelei und Zuhälterei nicht mehr bestraft. Prostituierte sind als Gewerbetreibende anerkannt und zahlen für Sozialversicherungen. Im Widerspruch dazu wird der Lohn für Sexarbeit als sittenwidrig eingestuft. Zahlt ein Freier den Preis nicht, kann der Lohn nicht eingefordert werden. Strafbar bleibt die Förderung der Prostitution unter Zwang oder wenn eine Abhängigkeit ausgenutzt wird.

Als 1997 der aktuelle Strichplan eingeführt wurde, hatte das bereits damals negative Auswirkungen für die Anwohner im Kreis 5. Auf der Suche nach Prostituierten fuhren die Freier durch das Quartier zwischen Limmatstrasse und Sihlquai. Vorwiegend Drogenprostituierte verkauften sich damals auf den Strassen. Die Stadtpolizei reagierte mit der Einführung von Fahrverboten während der Nacht. Die betroffenen Quartierstrassen dürfen bis heute ab 22 Uhr nur von Anwohnern befahren werden. Damit wurden die Frauen an den Sihlquai gedrängt. Der noch gültige Strichplan weist über ein Dutzend Abschnitte als Strichzonen aus. Dazu gehört nach wie vor der untere Teil der Rämistrasse oder das Niederdorf sowie Teile des Kreis 1 (siehe Karte links). Er ist bis zur Einführung des neuen Strichplans gültig.

Quellen: «Prostitution in der spätmittelalterlichen Eidgenossenschaft», raffiniert.ch. «Wertes Fräulein, was kosten Sie?» ISBN 978-3-906419-70-1 (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.05.2011, 13:30 Uhr

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5 Kommentare

Herbert Berger

25.05.2011, 12:56 Uhr
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Auch heute gibt es noch sehr viele Prostituierte am Paradeplatz. Entweder verkaufen sie sich exklusiv sehr sehr teuer an einen einzelnen Kunden (AKA Ehemann, AKA Arbeitgeber), oder dann kann man sie auf Bestellung auch temporär engagieren (AKA Freundin, AKA Escort, AKA Arbeitgeber). Das ist auch nicht billig, und schon gar nicht günstig. Antworten


Eric Cerf

25.05.2011, 12:45 Uhr
Melden 13 Empfehlung

Wie in jeder Grossstadt gibts Nutten und Zuhälter, auch in Züri. Auch ein bisschen mehr als in der übrigen CH. Persönlich würde ich offizielle Bordelle erlauben, um den zunehmenden Strassenstrich einzudämmen. Bordelle unter Kontrolle würden eh die Kriminalität massiv einschränken, und den käuflichen Damen das Leben erleichtern. Vermutlich kommts nie dazu, der GV im eigenen PW ist anoymer. Antworten



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