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«Diskriminierung der Nichtraucher»: Im Fumoir kostet das Essen weniger

Von Stefan Häne. Aktualisiert am 18.06.2010 35 Kommentare

Ein Restaurant in Fällanden bietet auf seiner Speisekarte das Essen im Fumoir günstiger an als im Nichtraucher-Teil. Der Wirt sagt, ihm sei ein Fehler unterlaufen. Die Lungenliga ist verärgert.

Im Raucherbereich sind die Menus billiger. (Bild: PD)

Im Raucherbereich sind die Menus billiger. (Bild: PD)

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Im Stübli sind die Menus teurer als im Fumoir. (Bild: PD)

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R. B.* traute seinen Augen nicht, als er am Montag vor dem Restaurant Quälle in Fällanden die Speisekarte studierte. Doch da stand es schwarz auf weiss: Dasselbe Mittagsmenü hat zwei verschiedene Preise. Isst der Gast im Stübli, kostet das gebratene Thunfischfilet mit Spinat und Reis 25 Franken. Im Teil «Restaurant/Fumoir» ist das gleiche Menü 1.50 Franken billiger. R. B. spricht von einem stolzen Aufschlag: «Der Wirt scheint die Nichtraucher bestrafen zu wollen.»

Albert Bernet, Mitinhaber des Restaurants Quälle, bestreitet dies. Er begründet die seit «langem bestehende» Preisdifferenz mit der Ausgestaltung der Räumlichkeiten: Im Stübli sei weiss gedeckt, im Rest des Restaurants hingegen gebe es nur Holztische. Dass er mit seiner Preisstrategie rauchende Gäste anlocken oder bei der Stange halten wolle, stellt Bernet in Abrede. Es gebe nicht einmal ein Fumoir, versichert er. Die Angabe auf der Speisekarte sei ein Fehler.

Fumoir nicht gemeldet

Dieser Darstellung widersprechen allerdings mehrere vom TA befragte Personen in Fällanden. Diese sind sich sicher, dass das Lokal über einen Raucherraum verfügt. Eine Frau erinnert sich, bei einem Besuch jüngst Aschenbecher gesehen zu haben. Es habe überdies nach Rauch gerochen, sagt eine andere Frau. Damit konfrontiert, korrigiert Bernets Geschäftspartnerin Pati Hunkeler die Aussage: Die Rede ist nun plötzlich von einem «Ausweichraum» für Raucher bei Regenwetter.

Als Fumoir gemeldet ist der Raum bei den Gemeindebehörden aber nicht, wie Hunkeler einräumt. Damit müssen die Quälle-Besitzer auch die gesetzlichen Auflagen nicht einhalten, etwa für eine ausreichende Belüftung sorgen oder die Grösse des Fumoirs auf maximal ein Drittel der Ausschankfläche begrenzen.

Wie viele Verstösse gegen das Rauchverbot im Kanton Zürich seit dem 1. Mai erfolgt sind, ist gemäss Auskunft der Kantonspolizei und Stadtpolizei Zürich unklar: Widerspenstige Wirte oder Gäste müssen zwar eine Busse bezahlen, werden aber nicht registriert (Ordnungsbussenverfahren). Erst im Wiederholungsfall droht eine Verzeigung.

Weiterer Verdacht in Rüti

Gar keine Freude an der skizzierten Renitenz hat Otto Brändli, Präsident der Lungenliga Zürich. Er betont aber, Wirte und Gäste würden das Rauchverbot grösstenteils akzeptieren. Der Lungenliga liegt erst ein Hinweis auf fehlbare Wirte vor: In einer Beiz in Rüti wird trotz Verbot munter weitergepafft. Auch bei der Stadtpolizei Zürich sind Reklamationen eingegangen, allerdings nur ganz wenige, wie ein Sprecher erklärt. Ernst Bachmann, Präsident von Gastro Zürich, warnt gleichwohl vor einem Imageschaden für die Wirte. Dagegen tun könne Gastro Zürich nicht viel. «Es gibt in jeder Branche schwarze Schafe.»

Kritik setzte es auch für die Idee einer preislichen Bevorteilung der Raucher ab. «Das ist absolut unfair», sagt Lungenliga-Präsident Brändli. Der Fällander Wirt wolle die Nichtraucher abstrafen. Oder aber er habe Mühe, das Fumoir mit Gästen zu füllen, weshalb er die Raucher mit einem monetären Anreiz ködere. So ärgerlich dies sei: Verbieten könne man dies dem Wirt nicht, sagt Brändli.

Zweifel am Erfolg der Strategie

Unverständnis zeigt auch Ernst Bachmann. Er ortet eine «leichte Diskriminierung der Nichtraucher». Die Geschäftspolitik sei aber jedes Wirtes eigene Sache, sagt der SVP-Kantonsrat, der in Wollishofen das Restaurant Muggenbühl führt. Bachmann selber würde «so etwas nie machen». Nicht zuletzt, weil er am Erfolg der skizzierten Strategie zweifelt: Wegen einer Einsparung in der Höhe von ein bis zwei Franken komme kein Gast mehr als üblich, ist er überzeugt. Möglicherweise bleiben sogar Gäste fern. R. B. jedenfalls hat beschlossen, keinen Fuss mehr ins Restaurant Quälle zu setzen. «Ich hoffe einfach, dass das Beispiel dieses Lokals nicht Schule machen wird.»

* Name der Redaktion bekannt (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.06.2010, 07:35 Uhr

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35 Kommentare

Simon Sieber

18.06.2010, 08:30 Uhr
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Wahnsinn die Kommentare hier. Die Raucherbrigade meldet sich zu Wort. Beschämend auf welchem Niveau sich das Ganze abspielt. Aber nun zum Thema. Genau aus diesen Gründen braucht es eine Regulierung! Einzelne haben das Gefühl sie hätten die Weisheit mit Löffeln bekommen und schiessen sich mit ihren Aktionen ein Eigentor. Das absolute Rauchverbot muss und wird kommen. Erst dann ist Ruhe im Karton. Antworten


Gianin May

18.06.2010, 08:31 Uhr
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Ich dachte Fumoirs dürfen nicht bedient sein, dann fallen natürlich auch nciht dieselben Kosten an und Essen kann günstiger verkauft werden, das ist Marktwirtschaft liebe Lungenliga. Antworten



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