Dr. iur. Pfusch

Christoph Mörgeli schlägt zurück: Der Ex-Nationalrat findet Tippfehler in der Doktorarbeit des früheren Zürcher Justizdirektors Markus Notter.

Wie du mir, so ich dir: SVP-Politiker Christoph Mörgeli. Foto: Alessandro Della Valle (Keystone)

Wie du mir, so ich dir: SVP-Politiker Christoph Mörgeli. Foto: Alessandro Della Valle (Keystone)

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Da ist sie nun, die Retourkutsche, der grosse Gegenschlag von Ex-SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli. Als Teilzeitjournalist der «Weltwoche» hat er heute seinen grossen Auftritt. Er entlarvt den früheren Zürcher Justizdirektor Markus Notter (SP) als «Meister unter den Buchstabenverdrehern» und dokumentiert das mit einer halbseitigen Collage. Notter hatte 1989 an der Uni Zürich eine Dissertation unter dem Titel «Völkerrechtlicher Investitionsschutz» eingereicht. Notter war jahrzehntelang der Lieblingsfeind der Zürcher SVP.

Nun hat Mörgeli Notters 27 Jahre alte Doktorarbeit im Archiv der rechtswissenschaftlichen Fakultät ausgegraben und minutiösestens auf Rechtschreibung untersucht. Seine Bilanz: «Die absurde Häufung von Fehlern» – etwa 40 listet er auf – sei «in der schweizerischen Universitätsgeschichte wohl beispiellos». Lateinfehler, Englischfehler, Deutschfehler, Fallfehler und haufenweise Tippfehler – zum Beispiel «Bunderpublik» «Deutschalnd» oder «Vökerrecht». Notter zeige eine «intim anmutende Feindschaft mit unserer deutschen Muttersprache». Bei Notters englischer Orthografie – man nannte ihn «Lord von Dietikon» – sei es «kein Wunder, dass die Briten solchen EU-Freunden baldmöglichst entfliehen wollen».

Mörgeli sagt: «Wegen fünf Tippfehlern hätte ich kein Gschtürm gemacht.» Was Notter dagegen abgeliefert habe, sei «akademischer Pfusch». Pikant am Zeitpunkt des «Weltwoche»-Artikels: Erst vor einer Woche hatte die Uni einen Expertenbericht veröffentlicht, der Mörgeli vorwirft, er habe Doktor­titel für Dissertationen verliehen, die nicht wissenschaftlichen Standards entsprächen. Als Doktorvater habe er seine Betreuungspflicht oft vernach­lässigt. Mörgeli begeht nun quasi ein Revanchefoul. Auf Anfrage sagt er: «An der Uni wird nachweislich aus ideologischen Gründen mit verschiedenen Ellen gemessen.» Er selber habe die Arbeiten seiner Doktoranden jeweils bis zum letzten Komma korrigiert. Bei Notters Doktorvater Daniel Thürer – ­einem renommierten Professor für Völker- und EU-Recht – sei es nicht vorstellbar, dass dieser Notters 144-seitige Arbeit «jemals durchgelesen hat».

Es war der Commodore 64

Mörgeli hat zwei Jahre vor Notter doktoriert – damals noch nicht von der Politik abgelenkt – und seine Arbeit fein säuberlich auf einer IBM-Kugelkopfmaschine geschrieben. Notter dagegen, ­bereits Kantonsrat und Dietiker Gemeinderat, hatte einen nagelneuen Commodore-64-Computer mit Nadeldrucker verwendet. «Ich erinnere mich an einen blauen, flackernden Bildschirm und ein notorisch ausgelaugtes Farbband», sagt Notter auf Anfrage. Da habe er wohl etliche Tippfehler übersehen. Zum Glück gebe es heute Korrekturprogramme. Inhaltlich sei er jedoch ganz zufrieden gewesen. Was Mörgeli nicht dementiert. Noch habe er Inhalt und Art der Zitierung nicht analysiert.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 17.02.2016, 23:29 Uhr)

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