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«Drogen und Diebesgut findet man immer wieder»

Von Jvo Cukas. Aktualisiert am 22.12.2011 37 Kommentare

Kriminalität, Aggressionen, Anspruchshaltung: Asylbewerber aus dem Maghreb sorgten für Schlagzeilen. Roman Della Rossa von der Betreuungsfirma ORS über Gegenmassnahmen und veränderte Strategien.

«Wir mussten zuerst herausfinden, wie wir Menschen aus diesem Kulturkreis begegnen müssen»: Roman Della Rossa, Sprecher der ORS Service AG.

«Wir mussten zuerst herausfinden, wie wir Menschen aus diesem Kulturkreis begegnen müssen»: Roman Della Rossa, Sprecher der ORS Service AG.
Bild: zvg

ORS Service AG

Die ORS Service AG ist eine Organisation, die sich auf die Betreuung und Unterbringung von Asylsuchenden und Flüchtlingen spezialisiert hat. Die ORS ist Partnerin von Bund, Kantonen und Gemeinden.

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Vor knapp einem Monat besuchte Tagesanzeiger.ch/Newsnet das Durchgangszentrum in Zollikon und traf auf Asylbewerber aus Tunesien, die eine klare Anspruchshaltung an die Schweiz hatten. Auch Kriminalität rechtfertigten sie damit, dass sie zu wenig Unterstützung erhielten. Was hat sich seither verändert?
In Zollikon hatten wir nur drei grosse Schlafsäle zur Verfügung. Wir haben in der Zwischenzeit gemerkt, dass die Betreuung von Menschen aus dem Maghreb einfacher ist, wenn wir sie in kleineren Gruppen über den ganzen Kanton verteilen und sie in einer Art Wohngemeinschaft leben können, wo sie auch etwas Privatsphäre haben.

Heisst das, Sie haben extra dafür Wohnungen gemietet?
Nein, das nicht. Aber wir haben grössere Gruppen auf verschiedene Zentren verteilt. Im Durchgangszentrum Kollbrunn haben wir beispielsweise Wohnungen, in denen sich sechs Personen einen Schlafraum teilen. Dort haben sie aber jeweils einen eigenen Schrank. Dies hat die Situation bereits entschärft, und die Betreuer können individueller auf die Leute eingehen.

Hat sich also nichts an der Anspruchshaltung geändert?
Infolge Ihrer Berichterstattung meldete sich ein Tunesier bei uns, der schon lange in der Schweiz lebt und uns anbot, das Gespräch mit seinen Landsleuten zu suchen. Dabei haben wir Interessantes erfahren. Viele, die hierherkamen, hatten sehr unter dem repressiven Regime gelitten und hatten nun das Gefühl, in der Schweiz warte die grosse Freiheit. Die Anspruchshaltung hat sich zwar bestätigt, aber wir wissen jetzt auch, wo wir in Gesprächen ansetzen müssen.

Es war ja immer wieder die Rede davon, dass gerade Leute aus dem Maghreb auch Betreuern gegenüber aggressiv wurden. Haben Sie da etwas ändern können?
Das gibt es nach wie vor. Wir mussten auch zuerst herausfinden, wie wir Menschen aus diesem Kulturkreis begegnen müssen, damit wir Ziele erreichen. Unsere Mitarbeiter werden nun auch geschult, damit jeder weiss, wie er richtig vorgeht.

Heisst das, Sie haben sich angepasst, anstatt eine Anpassung zu fordern?
Nein, das ist ein normales Vorgehen. Immer, wenn wir mit Menschen aus einem neuen Kulturkreis konfrontiert sind, gehört dies dazu. Es braucht ein tiefes Verständnis für ihre Kultur. Wir erklären den Asylbewerbern aus Tunesien aber klar, was hier verlangt wird, auch vom Auftreten her. Und wir verhalten uns äusserst konsequent, aber immer korrekt. Es gibt nicht einmal ein Ja und einmal ein Nein. Dafür muss man aber auch geschult werden.

Viele Justizdirektoren schlugen vor einem Monat Alarm, weil die Kriminalitätsraten in den Kantonen anstiegen, vor allem wegen Tunesiern. Spüren Sie hier eine Entspannung?
Ganz wichtig ist, dass wir für die Betreuung zuständig sind und kriminelle Vorkommnisse Sache der Polizei sind. Wir arbeiten aber eng mit ihr zusammen und bieten auch Hand für Hausdurchsuchungen in den Durchgangszentren. Und hier gibt es nichts zu beschönigen: Dabei werden oft Drogen oder Diebesgut gefunden. Es kommt aber sehr darauf an, ob es sich um ein Zentrum handelt, in dem vor allem Familien untergebracht sind, oder um eines, in dem vor allem junge Männer leben. Wir zeigen ihnen aber auch selbst auf, dass ihr Handeln Konsequenzen hat, und setzen natürlich unsere Hausregeln klar durch.

Haben sich unter den Asylbewerbern gewisse Hierarchien entwickelt? Vielleicht auch, weil gewisse Kulturkreise nun eine klare Mehrheit stellen?
Nein, dies beobachten wir nicht. Natürlich schliessen sich Menschen, die aus dem gleichen Land kommen, eher zusammen, aber Hierarchien zwischen den Ethnien stellen wir nicht fest.

Und innerhalb der ethnischen Gruppen selbst: Bilden sich dort Arten von Gangs mit Anführern?
Gang ist ein sehr starkes Wort. Natürlich kristallisieren sich immer Personen heraus, die mehr Respekt geniessen. Diese sind aber oft etwas älter und helfen auch den Betreuern, Anknüpfungspunkte bei Leuten zu finden, zu denen uns der Zugang schwerfiel. In diesem Sinne gibt es Respektspersonen, aber zu unseren Gunsten.

Wie ist denn die Stimmung allgemein unter den Asylbewerbern?
Das ist sehr unterschiedlich. Viele versuchen, sich mit ihrer Situation zu arrangieren. Natürlich gibt es auch Aggressionen und Enttäuschungen, weil sie hier eine Freiheit erwartet haben, die sich nun nicht zeigt. Manche neigen auch zu Depressionen. Auch die Jahreszeit macht die Situation nicht einfacher.

Eine Art Weihnachtsdepression?
Das hat weniger mit Weihnachten als mit dem Wetter zu tun. Im Sommer können sie mehr raus, jetzt ist es trüb und kalt. Das drückt bei allen Menschen auf die Stimmung. Auch spielt eine grosse Rolle, ob sie noch Kontakt zu ihrer Familie haben oder nicht. Hier sind auch die Betreuer gefragt, die Probleme und Gefühle zu besprechen, die bei den Menschen oft auch aus dem Gefühl einer gewissen Ausweglosigkeit entstehen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.12.2011, 12:34 Uhr

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37 Kommentare

Arthur Kumet

22.12.2011, 12:44 Uhr
Melden 135 Empfehlung

Es kann zwar von einer Führungsperson nichts anderes erwartet werden, aber das ist viel Schönrederei. Aus meiner Arbeit als Sicherheitskraft in EVZs habe ich die z.T. massiven Drohungen aus dem besonderen Kreis der Tunesier miterlebt. Heute noch werden fast ausschliesslich aus diesem Kreis unangemessene Forderungen auf unangemessene Art gestellt. Antworten


Edgar Schaad

22.12.2011, 13:47 Uhr
Melden 129 Empfehlung

Zitat: „Unsere Mitarbeiter werden nun auch geschult, damit …". Lese ich richtig? Müsste es nicht genau umgekehrt sein? Nötig ist doch, dass diese Tunesier geschult werden, wie man sich in einem fremden Land aufzuführen hat. Vor allem dann, wenn man von diesem Land einiges erwartet (Studienplatz usw.)! Antworten



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