Hintergrund

Droht dem Innovationspark das Aus?

Ein Grüner Kantonsrat bezweifelt, ob mit der Annahme der Kulturlandinitiative der Innovationspark gebaut werden kann. Die Initianten des Projekts halten mit einem juristischen Gutachten dagegen.

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«Dieser Zug ist abgefahren», sagt Max Homberger, Kantonsrat der Grünen und Stadtammann Wetzikons. Er wischt damit die Visionen von Nationalrat Ruedi Noser vom Tisch. Homberger spricht vom Innovationspark, den sich der FDP-Politiker auf dem Flugplatz Dübendorf wünscht. Er ist der Auffassung, dass die Kulturlandinitiative, welche das Stimmvolk im Juni angenommen hat, Nosers Vorhaben in die Kategorie Träumereien abklassiert. «Die Zielsetzung der Initiative ist es, Flächen zu schützen, wie jene auf dem Dübendorfer Areal.»

Das 2,5 Quadratkilometer grosse Flugplatzgelände ist im Besitz der Armee. Ob der Bund auch nach 2014 Anspruch darauf erhebt, wird das Stationierungskonzept zeigen, welches der Bund 2013 präsentieren will.

Ziehe sich die Armee aus Dübendorf zurück, gibt es für Homberger nur einen gangbaren Weg: Nach neustem Gesetz dürfe das Gelände nicht überbaut werden. Setze der Kanton die Kulturlandinitiative konsequent um, liesse sich auch das nordwestliche Gelände in eine Fruchtfolgefläche verwandeln. «Entfernt man Asphalt und Beton und streut Humus, wird daraus wertvolles Kulturland», sagt Homberger.

Rollfeld werde kaum zu wertvollem Boden

Ganz anders sieht es Marc Thalmann. Er ist Geschäftsführer des Swiss Innovation Parks. «Wir haben uns mit den Folgen der Kulturlandinitiative auseinandergesetzt und haben sie rechtlich abklären lassen.» Die Analyse der Juristen hat ergeben, dass die Initiative nicht für das gesamte Areal Konsequenzen habe.

Für Thalmann ist der südwestliche Kopfteil des Flughafens von besonderem Interesse. Geht es nach ihm und Nationalrat Noser soll dort dereinst der Innovationspark stehen. Anders als Homberger bezweifelt der Geschäftsführer von Swiss Innovation Park, dass der Kopfteil des Flugplatzes mit dem Rollfeld und den Pisten in wertvollen Boden verwandelt werden könne. Die juristische Studie habe zudem ergeben, dass «zum Zeitpunkt der Annahme der Volksinitiative überbaute oder irreversibel geschädigte Böden nicht zu den schutzwürdigen Flächen zählen».

Kanton muss Umsetzung ausarbeiten

Anders schätzen die Juristen die Situation bei anderen Parzellen des Flugplatzareals ein: Beispielsweise unterliege der Landstreifen im westlichen Teil an der Gemeindegrenze zwischen Dübendorf und Wangen-Brüttisellen dem von der Kulturlandinitiative geforderten Einzonungsverbot. Ähnlich verhält es sich mit dem östlichen Teil, der bereits heute in Fruchtfolgeflächen aufgeteilt ist. «Dort sehen wir ohnehin keine bauliche Nutzung vor», sagt Thalmann. Für ihn stellt darum die Kulturlandinitiative keine Gefahr für den Innovationspark dar.

Der Initiativtext verlangt in Form einer allgemeinen Anregung den Erhalt der landwirtschaftlich und ökologisch wertvollen Flächen in ihrem Bestand und ihrer Qualität. Es liegt nun beim Kanton, die Umsetzung zu regeln. Dort gibt man sich bezüglich der Konsequenzen der Kulturlandinitiative für den Flugplatz Dübendorf bedeckt. Zu erfahren ist derzeit nur, dass die Baudirektion im Dezember dem Regierungsrat eine Umsetzungsvorlage unterbreiten will. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 26.10.2012, 11:30 Uhr

Die Nutzungskarte vom Flugplatz Dübendorf

Die aktuelle landwirtschaftliche Nutzungseignungskarte des Kantons teilt den Flugplatz Dübendorf in zwei Gebiete. Im eingefärbten Teil (r.) finden sich Fruchtfolgeflächen. Der weisse Teil ist übriges Landwirtschaftsgebiet. (Bild: gis.zh.ch)

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