Dümmer, als die Polizei erlaubt

Ein Hupkonzert und verräterisches Handyklingeln: Das sind nur zwei der kuriosen Fälle, die 2012 die Zürcher Polizei beschäftigten.

Auch im vergangenen Jahr hatte es die Zürcher Polizei mit tollpatschigen Verbrechern zu tun.

Auch im vergangenen Jahr hatte es die Zürcher Polizei mit tollpatschigen Verbrechern zu tun. Bild: Ruedi Widmer

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«Jede Dummheit findet einen, der sie macht.» Diesen Satz des amerikanischen Schriftstellers Tennessee Williams haben sich auch im letzten Jahr einige Leute zu Herzen genommen, wie Stadt- und Kantonspolizei Zürich erfahren durften.

Den zweifelhaften ersten Platz in der Kategorie «Dümmer, als die Polizei erlaubt» hat sich diesmal ein Mann aus Lindau verdient. Er rief die Polizei, weil sich auf dem Parkplatz gegenüber seines Hauses betrunkene Jugendliche auf die Strasse übergeben hatten. Eine Polizeipatrouille traf vor Ort tatsächlich auf vier Jugendliche und schickte sie weg. Kurz darauf kam auch der Anrufer mit seinem Auto angefahren, um zu schauen, was die Polizei nun unternahm. Die Polizisten bemerkten sofort, dass der Mann stark angetrunken war. Sie baten ihn zum Atemtest und zur Blutentnahme. Die Resultate waren eindeutig: Der Anrufer erhielt wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand eine Busse – und die Polizisten nahmen ihm auf der Stelle das «Billett» ab.

Drei Männer im Schnee

Fast schon ein Klassiker sind jene Verbrecher, die sich durch ihre Unachtsamkeit selber verraten. Im Februar schlugen Diebe die Scheiben eines Detailhandelsgeschäfts im Zürcher Stadtkreis 7 ein und stahlen Zigaretten im Wert von einigen Tausend Franken. Die von einem Passanten alarmierte Polizei hatte leichtes Spiel: Sie musste lediglich den Spuren im Schnee folgen und konnte kurz darauf drei Rumänen verhaften. Ein ähnlicher Fall ereignete sich im Dezember in Hittnau. Dort verhafteten Kantonspolizisten dank den Fussabdrücken im Schnee zwei Algerier. Die beiden Männer waren von einer Anwohnerin dabei beobachtet worden, wie sie in parkierten Autos nach Wertsachen suchten.

Pech haben auch jene Verbrecher, die an den Falschen geraten. So geschehen im Flughafen Zürich, wo ein Taschendieb einem Reisenden das Portemonnaie aus der Gesässtasche zu stehlen versuchte. Der Bestohlene war allerdings ein Polizist aus der Romandie. Dieser bemerkte den Diebstahl und reagierte sofort: Er hielt den 17-jährigen Rumänen fest und übergab ihn seinen Zürcher Kollegen.

Am Zürcher Platzspitz boten zwei Gambier und eine Schweizerin zivilen Fahndern Marihuana an. Das Trio wurde verhaftet. Ein betrunkener Autolenker, der sich einer Kontrolle durch einen Streifenwagen entziehen wollte, wählte den falschen Ort für sein Versteck. Er hielt seinen Wagen direkt auf dem Polizeiparkplatz der Regionalwache Industrie an. Die Patrouille, die ihn verfolgt hatte, konnte ihn vor der Wache verhaften. Der Lenker hatte über ein Promille intus. Nicht schlecht staunte ein Fahrlehrer, der im Stadtkreis 11 auf eine Fahrschülerin wartete. Die junge Frau fuhr mit einem Auto vor, ohne dass eine Begleitperson dabei war. Der Fahrlehrer informierte die Polizei, die der Schülerin nach der Fahrstunde den Lernfahrausweis auf der Stelle abnahm.

Schlechte Noten verbrannt

Ein klingelndes Handy und eine Damenhandtasche unter dem Arm haben in Zürich-Aussersihl einen Dieb verraten. Eine Streifenwagenpatrouille war auf einen Tunesier aufmerksam geworden, weil dieser eine Damenhandtasche bei sich trug. Als die Polizisten den Mann kontrollierten, klingelte in der Handtasche ein Mobiltelefon. Am andern Ende der Leitung meldete sich ein Mann, der den verdutzten Polizisten erklärte, dass seiner Kollegin vor ein paar Minuten die Tasche gestohlen worden sei und er deshalb auf ihr Handy anrufe. Die Beamten nahmen den Dieb umgehend fest.

Ein Autofahrer nervte sich auf seinem Arbeitsweg so sehr über die Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h in Hermikon (Dübendorf), dass er unüberhörbar dagegen protestierte: Jeden Morgen um 3.45 Uhr in der Früh fuhr er laut hupend durch das Dorf. Nachdem sich Bewohner bei der Kantonspolizei beschwert hatten, lauerte ihm eine Patrouille auf. Und siehe da, um 3.40 Uhr kam der frustrierte Autofahrer wieder laut hupend herangefahren. Die Polizisten nahmen ihm den Führerausweis sofort ab. Die Beamten waren aber noch so freundlich, den Mann in eine nahe Grossbäckerei zu fahren, damit er nicht zu spät zur Arbeit kam.

Ungeeignetes Fluchtfahrzeug

Als unfreiwilliger Brandstifter betätigte sich ein Zürcher Oberstufenschüler. Er sortierte aus den Schulsachen alle schlechten Prüfungen aus, die seine Eltern nicht sehen sollten. Die Blätter zündete er auf dem Balkon an. Dummerweise blies aber ein Windstoss die brennenden Prüfungen einen Stock tiefer auf den Balkon. Die Lounge der Nachbarn fing sofort Feuer. Die Feuerwehr konnte den Brand schnell löschen. Es entstand aber erheblicher Sachschaden.

Ein für seine Zwecke ungeeignetes Fahrzeug hatte ein Räuber für seine Flucht gewählt: Nachdem er einen Passanten in der Unterführung des Bahnhofs Altstetten zu Boden gerissen, ihm ins Gesicht geschlagen und Bargeld verlangt hatte, flüchtete er ohne Geld in einen VBZ-Bus. Passanten, die alles beobachtet hatten, meldeten den Vorfall umgehend der Polizei. Diese konnte den Räuber noch im Bus verhaften.

Statt mit einem gültigen Fahrausweis war ein Dominikaner mit einer Waffe unterwegs. Der 25-Jährige flog bei einer Billettgrosskontrolle der Stadtpolizei Winterthur auf. Als die Beamten den Schwarzfahrer etwas genauer überprüften, stellten sie fest, dass er eine Pistole und etwas Marihuana bei sich hatte. Der Dominikaner wurde verhaftet.

Per Fax überführt

Ein Taschendieb konnte am Flughafen Zürich dank akribischer Bürokratie überführt werden: Der Bulgare hatte einem jungen Flugpassagier aus Israel einen Umschlag voller Geld entwendet. Als dieser den Verlust bemerkte, rief er sofort die Polizei. Diese spürte den Dieb alsbald auf. Der Bulgare hatte zwar einige Hundert Euro dabei, stritt jedoch ab, sie gestohlen zu haben. Darauf telefonierte der Geschädigte kurzerhand nach Israel und bat seine Eltern, ihm den Geldwechselbeleg nach Zürich zu faxen. Darauf waren nämlich fein säuberlich die Nummern seiner Banknoten notiert – und diese stimmten mit den Nummern jener Euros überein, die der Bulgare auf sich trug. Die Kantonspolizisten verhafteten den Taschendieb.

Als unverbesserlicher Langfinger erwies sich ein 25-jähriger Algerier. Zuerst stahl er einer Frau die Handtasche, dann wurde er wegen einer Schnittverletzung an der Hand, die er sich wahrscheinlich bei einem Streit zugezogen hatte, ins Spital gebracht. Dort beobachtete ihn das Personal, wie er sich an der Tasche einer anderen Patientin zu schaffen machte. Die herbeigerufene Polizei fand darauf in seinem Schuh das Smartphone der Patientin – und verhaftete ihn nach seiner medizinischen Behandlung. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 03.01.2013, 07:33 Uhr)

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