Durchsetzungsinitiative: Im Norden des Kantons bläst ein rauer Wind

Die Gemeinden, die am deutlichsten Ja gesagt haben zur Durchsetzungsinitiative, liegen an der Grenze zum Thurgau und zum Aargau. Sie verbindet etwas anderes als die Geografie.

in Adlikon, ganz im Norden des Kantons Zürich, stimmen die Bürger konsequent konservativ. So konservativ wie nirgendwo sonst im Kanton.


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Das Nein zur Durchsetzungsinitative der SVP mag ein Sieg der politischen Mitte sein. Dennoch haben sich einige Gemeinden besonders deutlich für oder gegen das Anliegen ausgesprochen. Am deutlichsten Ja gesagt haben im Kanton Zürich folgende Gemeinden:

  • Adlikon (64,91 Prozent )
  • Bachs bei Bülach (63,35 Prozent)
  • Hagenbuch (62,98 Prozent)

Geografisch liegen sie zwar ziemlich weit voneinander entfernt: Bachs an der Westgrenze, Hagenbuch an der Ostgrenze des Kantons, Adlikon ganz im Norden. Auf der politischen Landkarte jedoch liegen all drei ziemlich nah zusammen.

Auf dieser Karte von Peter Moser, dem stellvertretenden Leiter des Statistischen Amtes, lassen sich nicht die Kilometer zwischen zwei Gemeinden ablesen. Vielmehr zeigt sie, wie ähnlich oder eben unterschiedlich zwei Gemeinden in den letzten fünf Jahren bei eidgenössischen Urnengängen abgestimmt haben. Adlikon markiert dabei den rechten, konservativen Rand des Kantons, eskortiert von Bachs, das etwas liberaler abstimmt, und Hagenbuch, das etwas mehr Interventionen des Staates zulässt.

Widerstandsnest Hagenbuch

Dass Hagenbuch streng mit Ausländern sein will, erstaunt allerdings wenig. Im September 2014 hatte die Hagenbucher Gemeindepräsidentin Therese Schläpfer (SVP) dem «Blick» vorgerechnet, dass die Betreuung einer eritreischen Flüchtlingsfamilie 60'000 Franken koste, dass deshalb der Steuerfuss um 6 Prozent angehoben werden müsse – und damit einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Hagenbuch wurde kurzerhand zum Widerstandsnest im Kampf gegen den «Sozialirsinn» diktiert aus Winterthur, Zürich und Bern. Die Sache stimmte allerdings nur halb: Von den Kosten zahlte der Kanton die Hälfte, die befürchtete Steuerfusserhöhung blieb aus.

Konsequent rechts

Die Adliker stimmten hingegen nur konsequent. In gesellschaftlichen und aussenpolitischen Fragen liegen Welten zwischen der Weinländer Gemeinde und etwa der Stadt Zürich. Schon zur Masseneinwanderungsinitiative vor zwei Jahren sagten rekordhohe 72,1 Prozent der Adliker Ja. In Zürich waren es 33,4 Prozent.

Die Städte Winterthur und Zürich sprachen sich in der gestrigen Abstimmung am deutlichsten gegen die Durchsetzungsinitiative aus, die straffällige Ausländer bereits bei geringfügigen Delikten ohne Prüfung der Verhältnismässigkeit ausser Landes verweisen wollte. Mit nur 12,93 Prozent Befürwortern festigten die Zürcher Stadtkreise 4 und 5 ihr Image von der linken Hochburg. Und nur gerade 16,96 Prozent sagten in den Quartieren Oberstrass und Unterstrass, Ja. Auf Platz drei folgte die Altstadt von Winterthur.

  • Zürich, Kreise 4 und 5 (12,93 Prozent)
  • Zürich, Kreis 6 (16,96 Prozent)
  • Winterthur, Altstadt (17,22 Prozent)

In Winterthur, der Stadt im geographischen Zentrum der drei deutlichsten DSI-Befürworter Adlikon, Bachs und Hagenbuch, wehrten sich die Stimmbürger also fast so erfolgreich wie die Zürcher gegen die Initiative. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 29.02.2016, 11:39 Uhr

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