Ehemaliger Milliardär verschachert Kunstkopien

Ex-Manager Christian Erb jonglierte vor wenigen Jahren noch mit Millionen von Franken. Jetzt verkauft er kopierte Skulpturen als Originale.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die beiden Angebote auf der Internetauktionsplattform Ricardo im Juni dieses Jahres schienen unverdächtig. Unter dem Pseudonym 079ceco bot ein Verkäufer aus Rüdlingen Bronzeskulpturen an. Ein Allerweltsangebot. Doch dahinter versteckte sich ein prominenter Name: Christian Erb, Milliardenpleitier und Spross der einst schwerreichen Erb-Dynastie aus Winterthur. Noch im Jahr 2000 landeten die Erbs mit einem geschätzten Vermögen von 1,5 bis 2 Milliarden Franken in der «Bilanz»-Liste der 300 reichsten Schweizer weit vorne. Die Erb-Gruppe umfasste mehr als 75 Firmen, darunter Autoimport (Mitsubishi, Suzuki, Hyundai), Kaffeehandel und Küchenbau (Piatti). Seit dem Tod des Gründers Hugo Erb im Sommer 2003 war Christian Erb mit seinem Bruder Rolf für die damals bereits stark schlingernde Firma verantwortlich. Vor vier Jahren reichte Christian Erb mit einem Schuldenberg von 320 Millionen Franken Privatkonkurs ein.

Battistinis Schwester ist empört

Jetzt verschachert der 49-jährige Kopien von Skulpturen des im Mai verstorbenen Künstlers Alfredo Battistini. Die beiden verband das gleiche Schicksal: Querschnittlähmung. Erb, der früher auch als Spitzensportler für Schlagzeilen sorgte und immer noch den Schweizer Rekord im Diskuswerfen hält, ist seit einem Autounfall im Jahr 1994 an den Rollstuhl gefesselt. Battistinis verhängnisvoller Unfall ereignete sich Ende der Siebzigerjahre. Auf ihrer Website prangert Battistinis Schwester Maria-Luisa die Verkäufe als «Verletzung der Urheberrechte» an. Die in Thailand hergestellten Kopien seien Fälschungen. Sie sei von Erb sehr enttäuscht und könne nicht begreifen, wie ein ehemaliger Milliardär so tief sinken könne. «Mein Bruder war ein herzlicher Mensch. Deshalb bot er Christian Erb seine Hilfe an, als er von dessen Schicksal erfuhr.» Maria-Luisa Battistini verwaltet als Erbin den Nachlass ihres Bruders. Im Laufe der Jahre kaufte Erb dem Künstler drei Skulpturen ab. Eine Freundschaft sei zwischen den beiden nicht entstanden, ihr Bruder habe sich von Erb distanziert, sagt Maria-Luisa Battistini.

Viel verdient hat Erb mit den Skulpturen nicht. Für den 7,5 Kilo schweren Frauenkörper mit dem sinnigen Namen «C'est la vie» erhielt er 1720 Franken. Ein signiertes Original des Künstlers kostet beinahe das Zehnfache. Battistinis Schwester schrieb Erb einen Brief und drohte mit rechtlichen Schritten. Sie will alle drei Kopien einschmelzen lassen. Zwei Skulpturen befinden sich bei den Käufern der Auktion, eine bei Erb.

Der ehemalige Manager, der für eine Stellungnahme nicht erreichbar war, ist offenbar knapp bei Kasse. Seit Juni verkaufte er auf Ricardo seine Habseligkeiten. Neben vier Gartenstühlen «Eisenguss mit Teakholz» und Tisch (390 Franken) landete auch ein vierrädriges Suzuki-Motorfahrzeug für Kinder von 4 bis 12 Jahren (686 Franken) unter dem virtuellen Hammer. Aber auch als Käufer von Holzstichen, Holzhobeln, einem Blechspielzeug und einem Brunnenrohr taucht Erb auf. Seine Bilanz auf Ricardo ist makellos. «Super schnelle Lieferung, gerne wieder», schreibt ein Käufer. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.10.2008, 22:21 Uhr

TA Marktplatz

Blogs

Politblog Gute Politikerin = sexy Frau

Mamablog Best of: Warum meine Tochter keinen Bikini trägt

Weiterbildung

Kostenlose E-Books

Laden Sie in unserem Weiterbildungs-Channel kostenlos Ebooks herunter.

Die Welt in Bildern

You will never walk alone: Nach dem Anschlag in Manchester strahlt im kroatischen Zagreb aus Solidarität eine Wasserfontäne in den Farben des Union Jack. (24. Mai 2017)
(Bild: Stringer) Mehr...