Zürich
Eigentümer empören sich über «Energiediktatur»
Von Jürg Rohrer. Aktualisiert am 22.12.2011 24 Kommentare
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Die Website www.energiediktatur.ch ist online, kritische Fragen von FDP und EVP sind im Gemeinderat gestellt, und eine Petition befindet sich in Vorbereitung. Alle diese Massnahmen richten sich gegen die Absicht der Stadt, die Erdgasversorgung in Zürich-Nord und Unterstrass einzustellen und – wo möglich – durch Fernwärme aus dem Heizkraftwerk Hagenholz zu ersetzen. Das hat der Stadtrat schon 1992 beschlossen, jetzt wird es konkret, da die Sanierung der Gasleitungen anstehen würde. Aus Kostengründen will die Stadt nicht zwei Leitungsnetze gleichzeitig betreiben. In Schwamendingen geht das Gas am 1. Juli 2015 aus, in Seebach 2016, in Oerlikon 2017, in Unteraffoltern 2018 und in Unterstrass 2019.
500 Häuser in Zürich-Nord werden derzeit mit Erdgas beheizt. 150 davon können nach den Berechnungen der Stadt «wirtschaftlich» ans Fernwärmenetz angeschlossen werden, 50 Häuser liegen knapp unter der Wirtschaftlichkeit, erhalten aber dennoch einen Anschluss, was die Stadt mit 1,4 Millionen Franken subventioniert. Die übrigen 300 Liegenschaften brauchen eine neue Heizung, was die Besitzer selber bezahlen müssen. Gratis ist einzig eine Beratung durch Fachleute vom Energie-Coaching, die bis zu zehn Stunden dauern darf. 1,2 Millionen Franken stellt die Stadt dafür zur Verfügung. «Viele Menschen in Zürich-Nord plagen Existenzängste, weil das Wohnen in ihrem kleinen Haus gefährdet ist», steht auf der Homepage der Betroffenen. Sie rechnen mit Kosten von mindestens 35'000 Franken für eine neue Ölheizung, Küche nicht inbegriffen. Wärmepumpen mit Sonnenkollektoren sind ab 60'000 Franken zu haben.
Gasversorgung muss bleiben
Die Hauseigentümer haben sich zur IG Erd- und Biogasnetz zusammengeschlossen, deren Kontaktpersonen EVP-Kantonsrat Peter Ritschard und EVP-Gemeinderätin Michèle Halser sind. Die IG fordert den Erhalt der Erdgasversorgung und die Überprüfung der Wirtschaftlichkeitsrechnung der Stadt durch ein unabhängiges Büro. Sie spricht von einer «konfusen» Energiepolitik, seien doch Erdgas und Fernwärme in den letzten 30 Jahren als Konkurrenten auf dem Markt aufgetreten. Überdies lasse es sich nicht mit den Zielen der 2000-Watt-Gesellschaft vereinen, wenn Hunderte von Hausbesitzern aus finanziellen Gründen gezwungen seien, vom sauberen Erdgas auf Erdöl umzustellen. «Die Stadt verletzt ihre Fürsorgepflicht gegenüber ihren Bewohnern, wenn sie diese einfach im Regen stehen lässt!»
Petition an den Stadtrat
Nach den Berechnungen der Stadt werden mit dem Anschluss von 200 Liegenschaften ans Fernwärmenetz 5000 Tonnen CO2 pro Jahr gespart. Selbst wenn «in Einzelfällen» neu eine Ölheizung eingebaut werde, resultiere über das gesamte Gebiet von Zürich-Nord eine «namhafte» CO2-Einsparung. Diese Rechnung überzeugt die betroffenen Hausbesitzer nicht. Sie wollen sich gegen diese «Diktatur der Fernwärme» auch mit einer Petition wehren. Die Unterschriftensammlung beginnt am 15. Januar und soll drei Monate dauern. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 22.12.2011, 09:10 Uhr
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24 Kommentare
Dinge die 1992 (!) beschlossen wurden, werden nun, 20 Jahre (!) später, erkannt und bekämpft?
Wie lange können Leute eigentlich schlafen? Wie lange vorher müssen solche Änderungen den noch angekündet werden? 100 Jahre? 1000?
Wo ist die "Selbstverantwortung" auf die die FDP sonst immer pocht? Sie hätten 20 Jahre Zeit gehabt einspruch einzulegen, aber erst jetzt tun sies.
Antworten
Ausgerechnet die Gralshüter der ungebändigten und uneingeschränkt freien Marktwirtschaft jammern jetzt und fordern, dass Vater Staat gefälligst ein (unrentables) Gasnetz aufrecht erhält! Wer nach 1992 eine Gasheizung einbaute, ist doch wirklich selber schuld. Und wer das vor 1992 machte, muss es die Heizung erneuern und wohl auch das Haus energetisch Sanieren (Isolation, neue Fenster). Antworten
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

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