Ein Haus aus Glas mitten im Wald

Zwei Zürcher Architekten haben in Grüningen das neue Schauhaus für den Botanischen Garten entworfen. Und dabei genau auf die Umgebung geschaut.

Haben sie die Umgebung genau angeschaut: Die Architekten Wuest (links) und Buehrer vor ihrem Werk.

Haben sie die Umgebung genau angeschaut: Die Architekten Wuest (links) und Buehrer vor ihrem Werk. Bild: Reto Oeschger

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Martin Salm ist begeistert vom neuen Schauhaus im Botanischen Garten Grüningen: Der Gartenleiter findet es schlicht grandios. Wehmütige Gefühle für das ehemalige Schauhaus und das ehemalige Gewächshaus, in denen er 25 Jahre lang gearbeitet hat, kommen bei ihm nur noch selten auf. Das Spezielle an seinem Job: Er ist Bankangestellter, denn der Garten im Zürcher Oberland gehört der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Seit 1977 ist sie Trägerin der Stiftung. Der Botanische Garten ist vor 50 Jahren von Privaten gegründet worden. Nach einem Konkurs übernahm 1976 zuerst die ETH den Garten, ein Jahr später ging er an das Finanzinstitut.

Das alte Schauhaus und das alte Gewächshaus auf der Waldlichtung mitten im Garten waren nach fast einem halben Jahrhundert in die Jahre gekommen und mussten ersetzt werden. In einem Wettbewerb setzte sich das Zürcher Architekturbüro idA von Martina Wuest und Stephan Buehrer durch. Innerhalb von drei Jahren haben sie das neue Schauhaus geplant und erstellt, es wird am kommenden Samstag offiziell eröffnet.

Neu steht in der Waldlichtung nur noch das Schauhaus, das Gewächshaus hat der Botanische Garten an den Rand verlegt. Das hat den beiden Architekten mehr Platz gegeben für das neue Gebäude aus schwarzem Stahl und Glas.

Ein Dach, das Schutz bietet

Die Grundidee für die neue Konstruktion lieferte ein Urprinzip, wie Martina Wuest sagt. Dasjenige von starken Stützen, die ein gemeinsames Dach tragen, das Schutz bietet. Dabei dachten die Architekten nicht nur an ein Haus für Menschen, sondern auch an Pflanzen in der Natur. Dabei seien sie auf eine baumartige Struktur gekommen, sagt Wuest. Das neue Gebäude passt damit perfekt in die Waldlichtung.

Die Stützen des neuen Schauhauses gleichen Baustämmen, welche die Tragstruktur bilden. Im Dach verzweigt sich das Geäst zur Baumkrone. Zwischen den Stämmen und Ästen befinden sich Glasscheiben. Das Gebäude wirkt sehr transparent, die Stahlkonstruktion hält sich optisch zurück. Im Innern wachsen subtropische Pflanzen: Bananenbäume, Sukkulenten, Farne und vieles mehr.

Wie sich die Pflanzen im Haus entwickeln, kann Gartenleiter Salm nicht sagen. Denn zum einen ist das neue Gebäude besser isoliert als das alte. Zum andern hat es nicht wie in anderen Gewächshäusern Luken im Dach, um das Klima auszugleichen, sondern Flügel in den Seitenwänden. So ist es möglich, dass die Temperaturen etwas höher sein werden als im alten Schauhaus. Falls das eintritt, kann Salm tropische Gewächse anpflanzen – Palmen zum Beispiel. Momentan rechnen die Architekten damit, dass das Haus im Sommer 22 Grad und im Winter 15 Grad warm wird.

Finanzen setzen den Rahmen

Wuest und Buehrer mussten sich bei ihrer Arbeit immer wieder einschränken. Zum einen machte die Statik Vorgaben. So mussten sie die Grösse der Glaswände anpassen, damit diese kräftigen Windstössen standhalten. Zum andern steckte das Budget von eineinhalb Millionen Franken einen Rahmen. Doch die Architekten sind überzeugt, dass sie mit mehr Geld kein besseres Schauhaus erstellt hätten.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.06.2012, 10:48 Uhr

Grüninger Garten

Wie hinkommen?

Der Botanische Garten liegt etwas ausserhalb von Grüningen auf einem Endmoränenhügel des ehemaligen Linthgletschers. Für Autos hat es Parkplätze. Wer mit dem öffentlichen Verkehr anreisen möchte, hat dazu verschiedene Möglichkeiten:

Die S-Bahn nach Uster nehmen und dann mit dem Bus 845 bis zur Station Grüningen Haufland.
Die S-Bahn nach Wetzikon nehmen und mit dem Bus 867 bis zur Station Grüningen Haufland.
Mit dem Schiff oder der S-Bahn bis nach Stäfa und dann mit dem Bus 950 bis nach Oetwil und weiter mit dem Bus 867 bis zur Station Grüningen Haufland.
Mit dem Schiff oder der S-Bahn bis nach Männedorf und dann mit dem Bus 940 bis nach Oetwil und weiter mit dem Bus 867 bis zur Station Grüningen Haufland. Von der Station Haufland sind es etwa 15 Minuten bis zum Botanischen Garten. Ein Besuch lässt sich auch mit einer kleinen Wanderung verbinden, zum Beispiel von Hombrechtikon oder Stäfa aus. (zet)

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