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«Ein Kampf auf dem Buckel unserer Kinder»

Von Felix Schindler. Aktualisiert am 16.05.2011 312 Kommentare

«Grundsätzlich Mundart» muss künftig in den Kindergärten gesprochen werden. Dabei ging es kaum um die Frage der Bildung unserer Kinder – sondern um die Furcht vor dem Verlust der helvetischen Identität.

Felix Schindler.

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Zehn Geschäfte standen zur Abstimmung, darunter Schwergewichte mit einem Finanzvolumen von insgesamt einer Milliarde Franken. Aber es war die Frage, ob ein Drittel Hochdeutsch im Kindergarten angemessen sei, die mit 34 Prozent Stimmbeteiligung mehr Leute an die Urne trieb als alle anderen Vorlagen. Und sie haben entschieden, dass die Unterrichtssprache in den Kindergärten Schweizerdeutsch sein wird. Die Regelung tritt voraussichtlich ab den Schuljahr 2012/13 in Kraft.

Nicht nur die Stimmbeteiligung deutet darauf hin, dass es sich bei dieser Vorlage um eine emotionale Debatte handelt – und nicht um ein Sachgeschäft. Denn die jetzige Regelung ist aus didaktischer Sicht nicht sonderlich umstritten. Heute wird bis zu zwei Drittel Mundart gesprochen, mindestens zu einem Drittel Hochdeutsch.

Ein Nachteil für die Kinder war nie auszumachen – selbst die Initianten haben nie davon gesprochen, dass Hochdeutsch die Kinder in ihrer Entwicklung beeinträchtigen würde. Dafür sprachen sie von «Gefühlen», von «kultureller Identität», von Liedern und vom Jassen. «Sie ist auch die Sprache vieler unserer Traditionen. Brauchtum ist mit unserer Mundart verbunden.» Mit Sätzen wie diesen haben die Befürworter die Abstimmung gewonnen.

Die Folgen dieses Entscheids haben allerdings nichts mit kultureller Identität zu tun, sondern mit der Entwicklung unserer Kinder. Der Entscheid führt dazu, dass unsere Kinder mit der Hochsprache weniger vertraut sein werden, wenn sie in die erste Klasse kommen, wo nur noch Hochdeutsch gesprochen wird. Und schliesslich wird der Entscheid auch dazu führen, dass viele Kinder in Gebieten mit einem hohen Ausländeranteil vorerst mal nur Bahnhof verstehen werden, wenn die Kindergärtnerin den Mund aufmacht. Obwohl es bei all diesen Fragen um Bildungspolitik geht, war Bildungsdirektorin Regine Aeppli (SP) an der heutigen Medienkonferenz nicht sonderlich geknickt – denn eigentlich hat nicht sie eine Niederlage erlitten, sondern die Integrationspolitik.

Bei diesem Entscheid ging es nicht um die Frage, wie unsere Kinder ausgebildet werden. Es ging um die Frage, wer wir sind – und vor allem, wer nicht. Das Resultat ist nach der Minarettinitiative und der Ausschaffungsinitiative ein weiterer Beleg dafür, dass sich viele Stimmbürger vor dem Verlust ihrer helvetischen Identität fürchten. Den Kampf um ihre Identität fechten sie neuerdings auf dem Buckel unserer Kinder aus – egal, welchen Nachteil der Nachwuchs dadurch erfährt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.05.2011, 20:27 Uhr

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312 Kommentare

Oscar Bedermann

15.05.2011, 17:20 Uhr
Melden 105 Empfehlung

wo liegt das problem frau thomet.es ist die pflicht der exekutive die initiative umzusetzen.immer wenn es den verlierern nicht passt ,schreit man sofort es gäbe schwierigkeiten beim umsetzen.wenn sie das nicht können ,dann treten sie wegen unfähigkeit zurück. Antworten


Andreas Müller

15.05.2011, 18:27 Uhr
Melden 67 Empfehlung

Wir sind schon ein schizophrenes Volk.Mundart ist uns extrem wichtig aber Kinder sollten schon sehr früh eine Fremdsprache lernen,ausser Deutsch.Wenn aber ein Schweizer ein mal Deutsch sprechen muss hört es sich irgendwie wie eine Behinderung an.Für mich einfach unverständlich. Antworten



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