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Ein Stollen, damit der Stausee nicht verstopft

Von Beat Metzler. Aktualisiert am 16.07.2009

38 Millionen Franken kostet ein 900 Meter langer Tunnel, den das EWZ im Bündnerland bohrt. Er soll verhindern, dass Kiesablagerungen den Stausee Solis auffüllen.

Von abgelagertem Geröll bedrängt: Die 61 Meter hohe Mauer des Solis-Stausees bei Tiefencastel.

Von abgelagertem Geröll bedrängt: Die 61 Meter hohe Mauer des Solis-Stausees bei Tiefencastel. (Bild: PD)

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Wenn es über den Bündner Bergen lange regnet, verwandeln sich die Bäche zu Schwertransportern. Tonnenweise Äste, Geröll, Kies und Schlammklumpen schleppen sie Richtung Tal. Im Solis-Stausee bei Tiefencastel laden sie einen Teil davon wieder ab. 80'000 m3 Geschiebe bleiben hier pro Jahr auf dem Grund liegen.

Für den schmalen, 2,7 Kilometer langen Stausee, der dem Elektrizitätswerk Zürich (EWZ) Zürich gehört, ist das eine Belastung. Zwar befindet sich am Anfang des Sees ein Kieswerk, die Bagger schaffen es aber nicht einmal, die Hälfte des Geschiebes aus dem See zu schaufeln. Als Folge hat sich das Volumen des Sees seit 1986 von 1,46 Millionen m3 um fast ein Drittel auf derzeit 1 Million reduziert. Das beeinträchtigt die Stromproduktion zwar nur gering. Schwerwiegender ist aber das Sicherheitsrisiko. Die Ablagerungen haben sich mittlerweile bis an die 61 Meter hohe Staumauer gewälzt, dort drohen sie die Abflüsse, die zur Hochwasserregulation dienen, zu verstopfen. «Wenn es dazu käme, könnte man den See im Notfall oder zu Sanierungszwecken nicht mehr entleeren», sagt EWZ-Sprecher Harry Graf. Zudem würden damit weitere Kräfte auf die Staumauer drücken.

ETH und EWZ entwickelten Modelle

Beim EWZ denkt man schon lange darüber nach, wie man das künftige Kies wieder aus dem See schafft. Alles herauszuschaufeln, wäre zu umständlich. Zusammen mit der ETH hat das EWZ darum ein Modell des Stausees konstruiert und verschiedene Möglichkeiten getestet. Als beste Lösung erwies sich ein Stollen, der das Hochwasser samt Geschiebe um die Staumauer herumleitet. Mit einem ausgeklügelten Bauwerk mitten im See soll das Hochwasser künftig Richtung Stolleneingang gelenkt werden. Dieser liegt etwa 600 Meter vor der Mauer am rechten Ufer. Das Geschiebe soll dann in das 4,5 Meter breite Rohr gezogen werden, aus diesem werden die Wassermassen 300 Meter nach der Staumauer wieder in die Albula sprudeln.

Kürzlich hat der Stadtrat 38,38 Millionen für den Bau der 900 Meter langen Röhre bewilligt. Der Ausbruch beginnt nächsten Frühling, im Sommer 2012 soll der Stollen eingeweiht werden. Mit juristischen Verzögerungen, wie sie in der Stadt zum Tagesgeschäft gehören, rechnet Graf nicht. «Wir haben unser Projekt mit allen Beteiligten abgesprochen.» Auch Naturschutzvereinigungen würden den Stollen begrüssen. Denn dieser erfülle zusätzlich eine ökologische Funktion. «Er gibt das Geschiebe dem Fluss zurück.»

Der Stollen bleibt eine Ausnahme

Den anderen Stauseen und Flusskraftwerken des EWZ macht das Geschiebe weniger zu schaffen als der Stauanlage Solis. Diese liegt tiefer als die meisten Stauseen und hat ein überdurchschnittlich weites Einzugsgebiet von 900 Quadratkilometern. Weshalb auch die Wasser- und Geschiebemengen, die sie passieren, aussergewöhnlich gross sind. Auch die Flusskraftwerke in der Limmat bleiben von den Ablagerungen verschont. Ein Grossteil davon sammelt sich bereits im Walen- und Zürichsee. «Unsere anderen Anlagen brauchen keine Stollen. Und schweizweit sind mir nur etwa zwei ähnliche Bauwerke bekannt», sagt Graf.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.07.2009, 20:03 Uhr

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