Ein bescheidener Kerl mit Sinn für kulinarische Knalleffekte

Rico Zandonella ist der Schweizer «Koch des Jahres 2017». Der Tessiner hat aus dem Rico's in Küsnacht einen modernen Gourmettempel gemacht.

Er sorgt für eine lustvolle Küche in entspannter Atmosphäre: Rico Zandonella, «Koch des Jahres 2017». Foto: Sabina Bobst

Er sorgt für eine lustvolle Küche in entspannter Atmosphäre: Rico Zandonella, «Koch des Jahres 2017». Foto: Sabina Bobst

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Der «Koch des Jahres 2017» heisst Rico Zandonella. Heute hat der jährlich erscheinende Gastroführer «Gault Millau» seine Zeugnisse verteilt – und dabei den in Küsnacht im Restaurant Rico’s tätigen Tessiner mit dem prestigeträchtigsten all seiner Titel versehen. Das Lokal wird weiterhin mit beachtlichen 18 Punkten gelistet: «Zandonella tritt damit endgültig aus dem Schatten seines Freundes und Lehrmeisters Horst Petermann», meinte «Gault Millau»-Chef Urs Heller in seiner Laudatio. «Das Rico’s steht für perfekte, lustvolle Küche in entspannter, unkomplizierter Atmosphäre.»

Zandonella blickt auf eine über 40-jährige Karriere zurück. Bereits mit 14 Jahren hat er sich für den Kochberuf entschieden; seit den Achtzigerjahren steht er in der vergleichsweise bescheidenen und engen Küche in Küsnacht. Dort amtete er erst als der zweite Mann hinter dem legendären Horst Petermann. Und schon da hat er mit seiner Präzision (und all den deliziösen Vorspeisen) zum grossen Erfolg des Lokals beigetragen, das damals noch Kunststuben hiess. 2010 übernahm und kaufte Rico Zandonella das Restaurant von seinem langjährigen Chef.

In kleinen Schritten machte er aus dem Gourmettempel mit den schweren Vorhängen und dem etwas steifen Service das heutige moderne Geniesserlokal, in dem schon die Brotaufstriche zu Beginn des Essens in knallbunten Farben an den Tisch kommen – Rande und Avocado sei Dank. Doch sind diese Aufstriche nur eines der Details, welche die neue Lockerheit im Rico’s demonstrieren. Knallrote Ledermöbel und ein grüner Hase kontrastieren mit den schwarzen Wänden der Einrichtung. Die Preise wurden im Vergleich zum Vorgänger nach unten korrigiert. Zurückgefahren wurde auch der Service: «Die Gäste wollen keine drei Kellner mehr, von denen man sich beim Essen beobachtet fühlt», sagte Zandonella vor ein paar Monaten. Die Belegschaft im Rico’s trägt heute Turnschuhe mit farbigen Nieten.

Der Chef ist abends der Letzte, der geht

Wer nun aber denkt, dass Rico Zandonella eine schrille Persönlichkeit sei, täuscht sich. Im Gegenteil: Er ist ein bescheidenes Gemüt, das statt über sich selbst lieber darüber spricht, dass sein Konkurrent Heiko Nieder im Dolder Grand schon lange drei «Michelin»-Sterne verdienen würde. Und nachtragend ist er auch nicht: Dass sein Lokal nach der Übernahme mehrere Monate lang ohne Wertung des «Gault Millau» leben musste, deutet er inzwischen mehr als Segen denn als Fluch: «So konnte ich meinen Stil entwickeln, sonst wäre ich vielleicht stehen geblieben.»

Und engagiert ist Rico Zandonella eben auch: Er sei der Letzte, der abends das Lokal verlasse, sagt er. Was wohl wesentlich dazu beigetragen haben dürfte, dass der «Gault Millau» gerade ihn zum «Koch des Jahres» gemacht hat. Tatsächlich verdient der wirtschaftliche Erfolg des Küsnachter Lokals Applaus: In einem schwierigen Umfeld schafft es der Tessiner Küchenchef offenbar, gewinnorientiert zu arbeiten – und dies, ganz ohne ein Hotel oder Sponsoren im Rücken zu haben. 80 Prozent der Kundschaft seien Stammgäste, so Rico Zandonella. «Ich muss etwas kochen, mit dem ich mein Restaurant füllen kann», ist noch so ein Satz von ihm.

Welche Köche aus der Region Zürich im «Gault Millau» ebenfalls deutlich zulegen konnten, lesen Sie hier.

Dass der Gourmetguide darauf verzichtet, die Punktzahl von Zandonellas Restaurant von 18 auf 19 Punkte anzuheben, ist übrigens nicht als das sprichwörtliche Haar in der Suppe zu sehen – sondern es zeigt vielmehr, wie exklusiv der sechsköpfige Club der Schweizer 19-Punkte-Köche ist, der in Küsnacht einmal mehr in corpore bei der «Gault Millau»-Feier anwesend war.

Wie schrieb Rico Zandonella 2014 in seinem äusserst poppig gestalteten Kochbuch: «Im Moment bin ich voll und ganz erfüllt; ich bin glücklich mit meinem Leben, wie es ist.» Es ist anzunehmen, dass er dieser Tage noch ein wenig erfüllter und glücklicher ist. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.10.2016, 11:56 Uhr

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