Zürich
«Ein denkwürdiger Tag für die Raumfahrt»
Von Jvo Cukas. Aktualisiert am 08.07.2011 2 Kommentare
«Man geht mehr in den Weltraum, um auf die Erde zurückzuschauen»: Peter Guggenbach, CEO Ruag-Space. (Bild: zvg)
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Heute startet die Raumfähre Atlantis zu ihrer letzten Mission. Ist dies ein trauriger Tag für die Raumfahrt?
Es ist ein denkwürdiger Tag. Das Space Shuttle-Programm hat die Geschichte der Raumfahrt massgeblich geprägt. Alleine schon die vielen Astronauten, die dadurch ins All fliegen konnten. Auch wenn es einige Zwischenfälle gab, wie bei der Challenger oder der Columbia, war das Programm rückblickend ein riesiger Erfolg. Zudem war es bisher die einzige Möglichkeit grössere Mengen an Material zurück zur Erde zu bringen. Die Industrie muss sich nun überlegen, wie dies in Zukunft in effizienter Weise ermöglicht werden kann. Das Space-Shuttle selbst ist ein sehr altes System und nicht mehr zeitgemäss.
Die USA ziehen sich vor allem aus finanziellen Gründen aus dem Programm zurück. Auch Europa schwimmt momentan nicht im Geld. Sind weitere Einschnitte zu erwarten?
Es ist weltweit eine Diskussion im Gang, wie die Raumfahrt in Zukunft gestaltet werden könnte. Tatsächlich haben die USA momentan riesige Kosten. So wie es aussieht, wollen sie aber nicht das Budget reduzieren, sondern die Mittel möglichst effizient einsetzen. In kleinerem Ausmass gilt diese Tendenz auch für Europa. Gleichzeitig wird die Raumfahrt kommerzieller. Dies eröffnet für die Unternehmen neue Chancen, auch hier in Zürich. Alles verändert sich und man kann eine stärkere Rolle einnehmen.
Heisst kommerziell, dass der Weltraumtourismus zunehmen wird?
Nein, es geht wirklich mehr um die Effizienz. Wie kann ein Projekt möglichst kostengünstig und zielorientiert umgesetzt werden? Allerdings sind hier die Resultate noch ernüchternd. Für neue Entwicklungen braucht es immer noch Mittel der Staaten, weil die Technologie sehr anspruchsvoll ist und die Kosten hoch. Der Weltraumtourismus spürt im Moment zwar tatsächlich etwas Aufwind. Er hat aber bei näherer Betrachtung wenig mit Raumfahrt zu tun. Oft handelt es sich um Parabelflüge, also sehr hohe Flüge, die nicht die Erdumlaufbahn erreichen. Wenn man in den Orbit fliegen wollte, bräuchte es viel mehr Treibstoff. Dies hätte massiv höhere Kosten zur Folge, die kaum erwirtschaftet werden könnten.
Als Laie hat man das Gefühl, es gibt so viele technische Möglichkeiten den Weltraum zu erforschen, wie Satelliten oder Sonden. Macht es überhaupt noch Sinn, Menschen ins All zu schiessen?
Das ist eine gute Frage. Ich denke in Europa hat man eine gute Lösung gefunden. Die European Space Agency (Esa) setzt ihr Augenmerk bisher auf unbemannte Missionen und Technologien. Europäische Astronauten können aber an bemannten Raumflügen anderer teilnehmen. In Zukunft vor allem bei russischen.
Kurz gesagt: Bemannte Missionen machen wenig Sinn.
Das haben Sie jetzt gesagt. Es gibt durchaus Forschungsgebiete, wo sie Sinn machen. Zum Beispiel, wenn der Einfluss der Schwerelosigkeit auf den menschlichen Körper erforscht wird. Auch bestimmte Experimente, die auf der Internationalen Raumstation ISS durchgeführt werden, gehen nicht ohne Menschen.
Gibt es Möglichkeiten die Effizienz zu steigern, indem mehr interdisziplinär gearbeitet wird. Ihr Mutterkonzern gehört ja zur Rüstungsindustrie. Könnten Projekte angeschoben werden, die für Raumfahrt und Rüstung gemeinsam interessant sind?
Vor allem in den Sechzigerjahren hat die Raumfahrt viele Nebenprodukte für andere Bereiche abgeworfen. Heute geht es viel mehr darum, Resultate für konkrete Forschungsfragen zu erzielen und einen Nutzen für den Alltag der Menschen zu bringen. Man geht mehr in den Weltraum, um auf die Erde zurückzuschauen. Ein Beispiel ist die Wettervorhersage. Heute sind Wetterberichte viel zuverlässiger, was klar ein Resultat der Weltraumforschung ist. Auch die Beobachtung des Klimas ist sehr wichtig geworden und bringt der Menschheit manchen Nutzen.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 08.07.2011, 13:40 Uhr
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2 Kommentare
Ein denkwürdiger Tag wäre für mich der Tag an dem Tag wo wir wüssten was in x-tausend Meter Meerestiefe vorgeht, d.h. dort hin wo wir absolut ohne Kenntnisse nach Öl bohren. Ich drücke es bewusst despektierlich aus, mir ist schweissegal was da im unendlichen Weltall passiert, mir ist es aber nicht egal was auf unserer Welt passiert die sich offenbar daran macht sich selbst zu zerstören. Antworten
Also ich würde schon zugeben, dass es eher ein trauriger Tag für die Raumfahrt ist. Vor allem, wenn man bedenkt, dass andere Projekte der USA, wie zum Beispiel "Irak", "Afghanistan", oder gar "Iran"? munter weitergezogen werden... Darin aber hat Peter Guggenbach Recht: Die Effizienz ist enorm gefragt. Etwas mit kleinem Budget auf die Beine zu stellen, das wird gefragt sein. :) Antworten
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