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«Ein guter Fussballer zu sein, reicht noch nicht»

Von Dario Venutti. Aktualisiert am 20.11.2009

Freienbachs Gemeindepräsident Kurt Zurbuchen (SP) will dem Fussballtalent Josip Drmic eine dritte Chance zur Einbürgerung geben.

Kurt Zurbuchen vor dem Schlossturm von Pfäffikon SZ, wie Hurden eine Ortschaft innerhalb der Gemeinde Freienbach.

Kurt Zurbuchen vor dem Schlossturm von Pfäffikon SZ, wie Hurden eine Ortschaft innerhalb der Gemeinde Freienbach. (Bild: Nicola Pitaro)

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Hätte Freienbach Josip Drmic eingebürgert, wäre ein Bürger Ihrer Gemeinde U-17-Fussballweltmeister. Bereuen Sie den Entscheid?
Es tut uns leid, dass Josip Drmic nicht an der WM teilnehmen konnte. Aber das sportliche Ereignis hat mit dem Einbürgerungsprozess nichts zu tun.

Hatte Josip Drmic einfach Pech, in Freienbach geboren worden zu sein? Eine andere Gemeinde hätte ihn eher eingebürgert.
Das ist eine Behauptung. Ich glaube nicht, dass er einfach Pech hatte. Wir haben ihm zweimal die Chance gegeben, den Einbürgerungstest zu bestehen. Er hat zumindest die zweite Chance bewusst ausgelassen.

Inwiefern?
Er wusste, worum es ging. Nach dem ersten Test sagten wir ihm, wo seine Schwächen sind. Und wir gaben ihm Material mit, damit er lernen konnte. Doch sein zweiter Auftritt war enttäuschend. Auf unsere Frage, ob er sich vorbereitet habe, sagte er lediglich, er sei schnell auf www.admin.ch gewesen. Auf der Homepage der Gemeinde Freienbach war er aber nie, er habe dafür keine Zeit gehabt. Seine Haltung grenzte an Desinteresse. Für mich war das ein Affront.

Worin besteht der Test?
Einen Sprachtest musste er nicht machen, er ist ja in Freienbach aufgewachsen und spricht perfekt Deutsch. Und die Fragen zu gesellschaftlichen und staatsbürgerlichen Themen sind nicht besonders schwierig. Wenn man sich die Mühe nimmt, sich drei Stunden darauf vorzubereiten, besteht man den Test locker.

Was muss man wissen?
Beispielsweise: Wer wählt den Bundesrat? Welcher Kanton ist der jüngste? Welche Seen kennen Sie im Kanton Schwyz? Was würden Sie jemandem in Freienbach zeigen, der zum ersten Mal in die Gemeinde kommt? Darauf kann man antworten: Ich würde ihm beispielsweise das Alpamare zeigen.

Wie viele Schweizer Bürger würden den Test bestehen?
Das ist irrelevant. Sie müssen die Prüfung nicht machen.

Trotzdem: Was schätzen Sie?
Wer sich vorbereitet, kommt zu 90 Prozent durch. Ohne Vorbereitung würde ich heute wahrscheinlich nicht einmal die theoretische Fahrprüfung bestehen, weil der Test 30 Jahre zurückliegt. Also muss ich Zeit und Energie investieren, um etwas zu erreichen. Josip Drmic hätte sich dessen bewusst sein müssen.

Josip Drmic wusste nicht, dass Hurden zur Gemeinde Freienbach gehört. Das wissen aber auch viele Journalisten nicht. Diese schrieben: Drmic wusste nicht, dass Hurden eine Nachbargemeinde von Freienbach ist.
Wenn jemand wie Drmic hier aufgewachsen und zur Schule gegangen ist, muss er doch wissen, dass Hurden zu Freienbach gehört. Wir haben ihn aber sicher nicht allein deshalb nicht eingebürgert. Drmic hat allgemein schlecht abgeschlossen im Test, und zwar schlechter als andere Jugendliche in seinem Alter.

Er sei während des Tests sehr nervös und dadurch blockiert gewesen. Die Prüfung empfand er als Verhör.
Wir haben beim ersten Test tatsächlich gemerkt, dass er sehr aufgeregt war. Das war auch der Grund, warum wir ihm eine zweite Chance gaben. Also wusste er, was auf ihn zukommen würde. Beim zweiten Test habe ich jedenfalls von Nervosität nichts gespürt. Übrigens werden alle Kandidaten vor die Einbürgerungskommission eingeladen. Es kann nicht sein, dass Josip Drmic eingebürgert wird, nur weil er ein guter Fussballer ist. Wir machen das bei guten Verkäufern oder Schreinern ja auch nicht.

Was machen Sie, wenn Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld an der Gemeindeversammlung im April Flyer verteilt, auf denen Drmics Einbürgerung gefordert wird?
Das kann er machen, es steht ihm frei. Ich habe nichts gegen Josip Drmic und die Leute, die seine Einbürgerung fordern. Ich würde mich sogar freuen, wenn er es schaffen würde. Wir haben Drmic nicht anders behandelt als andere. Noch einmal: Er hat im Test, den alle Kandidaten absolvieren müssen, unterdurchschnittlich abgeschnitten. Das ist alles.

Der Kanton ist zu einem anderen Schluss gekommen. Laut Drmics Anwalt hat sich der zuständige Beamte über Ihren Entscheid geärgert: Drmic sei ein ganz normaler junger Mensch, der die Bedingungen erfülle. Der Beamte hat dem Bundesamt für Migration dessen Einbürgerung empfohlen.
Das Schreiben des Kantons an den Bund enthält keine Empfehlung. Darin steht, dass unsere Position nachvollziehbar sei, insbesondere die Gleichbehandlung aller Kandidaten. Gleichzeitig ist der Kanton der Meinung, Drmic erfülle die Voraussetzungen für eine Einbürgerung.

Trotzdem hat das Bundesamt für Migration beschlossen, Drmic einzubürgern.
Der Bund prüft lediglich, ob sich ein Kandidat an die Rechtsordnung hält und ob er eine Gefahr für die innere und äussere Sicherheit darstellt. Mit anderen Worten heisst das: Wenn jemand keine Vorstrafen hat und noch nie eine Bombe gelegt hat, bekommt er vom Bund das Okay. Die Frage, ob der Kandidat integriert ist und die hiesigen Sitten und Bräuche lebt, liegt explizit im Kompetenzbereich der Gemeinde.

Verstösst Josip Drmic gegen die hiesigen Sitten, wenn er «zu Zürich-orientiert» ist, wie Sie ihm in einem Brief schrieben?
Das war nur ein Aspekt, ebenso wie die Frage zu Hurden. Im Nachhinein muss ich zugeben, dass das unglücklich formuliert war.

Was heisst denn «zu Zürich-orientiert»? Freienbach ist eine Pendlergemeinde, und die meisten Einwohner richten sich deshalb nach Zürich aus.
Das stimmt. Aber die meisten wissen in Grundzügen Bescheid über Freienbach. Das war bei Drmic nicht der Fall.

Was kann Josip Drmic jetzt noch machen, um doch eingebürgert zu werden?
Wir haben das Einbürgerungsverfahren geändert: Der Sprach- und der Staatskundetest werden von externen Leuten im Multiple-Choice-Verfahren durchgeführt. Josip Drmic kann diese Prüfung nun ebenfalls machen, sofern der Gemeinderat dem zustimmt. Er erhält also noch eine dritte Chance. Falls er diesmal den Test besteht, wird der Antrag der Einbürgerungskommission an die Gemeindeversammlung positiv sein.

Ist durch die starke Mediatisierung zu erwarten, dass die Gemeindeversammlung aus Trotz sein Gesuch ablehnt?
Es ist denkbar, dass jemand sagt: Wir lassen uns nichts aufzwingen! Wer einen Antrag auf Ablehnung stellt, muss das allerdings sachlich begründen. Einen emotional gefärbten Antrag werde ich also nicht zur Abstimmung bringen.

Wenn jemand den Antrag auf Ablehnung stellt mit der Begründung: «Josip Drmic schläft eigentlich nur in Freienbach, sonst ist er immer in Zürich. Er hat mit dem Dorfleben in Freienbach nichts am Hut» – würden Sie darüber abstimmen lassen?
Das kann ich aus dem Bauch heraus nicht sagen. Ich werde im Hinblick auf die Gemeindeversammlung die Rechtslage prüfen und mir Szenarien durch den Kopf gehen lassen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.11.2009, 04:00 Uhr

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