Ein neuer Mann für Zürichs Männer

Der Zürcher Kantonsrat hält an der Fachstelle für Gleichstellung von Frau und Mann fest. Damit ist der Weg frei für die Neubesetzung der Stelle des Männerbeauftragten. Sogar Frauen wollen den Job.

Bekommt einen Nachfolger: Der ehemalige Männerbeauftragte des Kantons Zürich, Markus Theunert, an einer Medienkonferenz nach seiner Kündigung.

Bekommt einen Nachfolger: Der ehemalige Männerbeauftragte des Kantons Zürich, Markus Theunert, an einer Medienkonferenz nach seiner Kündigung. Bild: Keystone

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Knapp einen Monat lang hatte der Kanton Zürich in Markus Theunert den ersten Männerbeauftragten der Schweiz. Dann nahm er am 24. Juli 2012 überraschend den Hut. Grund für den raschen Abgang war Theunerts Doppelfunktion als kantonaler Männerbeauftragter und Präsident des Vereins Männer.ch (siehe Box).

Helena Trachsel, Leiterin der zuständigen Fachstelle für Gleichstellung von Frau und Mann des Kantons Zürich, machte zwar rasch klar, dass sie an dem Projekt festhalten wolle. Konkrete Angaben konnte sie allerdings zu diesem Zeitpunkt noch nicht machen.

Drei Kandidaten in der engeren Auswahl

Nun steht fest: Ende Oktober, Anfang November soll der Kanton Zürich wieder einen Männerbeauftragten haben. Drei Männer seien laut Trachsel in der engeren Auswahl. «Am 10. Oktober findet die erste Bewerbungsrunde statt.»

Es sei nie zur Debatte gestanden, die Stelle des Männerbeauftragten ganz zu streichen. «Allerdings war aufgrund eines SVP-Postulats im Zürcher Kantonsrat unklar, ob unsere ganze Fachstelle abgeschafft werden könnte. Wir mussten daher zunächst abwarten, wie sich der Kantonsrat entscheiden würde, bevor wir eine Stelle neu besetzen konnten», erklärt Trachsel. Inzwischen ist klar, dass das Zürcher Parlament die Fachstelle beibehalten will. Das Postulat wurde am 10. September mit 107 zu 57 Stimmen abgelehnt.

«Wir werden niemanden einstellen, der ein Doppelmandat hat»

Trotzdem wurde die Stelle nicht wieder ausgeschrieben. «Der Abgang von Markus Theunert hat medial für sehr viel Aufsehen gesorgt. Es kam beinahe einer Ausschreibung für die frei werdende Stelle gleich», erklärt Trachsel. Elf Männer und drei Frauen hätten sich daraufhin spontan beworben. «Das hat uns dazu bewogen, keine offizielle Ausschreibung zu machen, sondern einfach abzuwarten, was bei uns eingehen wird.»

Bei der Auswahl der Kandidaten hat Trachsel ihre Lehre aus den Erfahrungen mit dem ersten Männerbeauftragten gezogen. «Wir werden niemanden einstellen, der ein Doppelmandat hat. Das war der einzige Aspekt, der die Zusammenarbeit mit Markus Theunert schwierig machte. Diesen Interessenskonflikt wollen wir künftig vermeiden», betont sie. Die drei verbleibenden Anwärter für den Job gehören daher weder einer Partei an, noch präsidieren sie eine Organisation. «Ansonsten gehen wir bei der Auswahl gleich sorgfältig vor wie bisher. Ich werde dabei auch von erfahrenen Leuten des Personalamts unterstützt.» Eine Frau käme allerdings für die Stelle nicht infrage. «Das würde ein falsches Signal aussenden.»

Gleichstellungsthemen an den Schulen einbringen

Das Arbeitsprofil für den neuen Männerbeauftragten wird dasselbe sein wie bisher. Er soll Arbeitgeberprojekte aufbauen und in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen nach Möglichkeiten suchen, um die Anliegen der Männer und Frauen näher zusammenzubringen. «Vor allem aber hat er den Auftrag, Gleichstellungsthemen früh in den Schulalltag aller Altersstufen einzubringen», so die Leiterin der Fachstelle für Gleichstellung. «Das ist mir ein besonderes Anliegen, denn Berufsbilder werden schon früh geprägt. Es ist wichtig, dass junge Frauen und Männer ihre Berufswahl wertefrei treffen. Das würde zu einer gelungenen Gleichstellung führen.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 25.09.2012, 13:16 Uhr)

Erklärt seinen überraschenden Abgang: Markus Theunert im Gespräch mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet (Video: Jan Derrer)

Die Vorgeschichte

Grund für das schnelle Ende von Markus Theunerts Anstellung als kantonaler Männerbeauftragter war sein Engagement als Präsident des Vereins Männer.ch. «Die Doppelfunktion und das damit verbundene Spannungsfeld konnten in der praktischen Umsetzung nicht aufgelöst werden», heisst es vonseiten der Direktion der Justiz und des Innern.

So kam es Mitte Juli zu Medienberichten über die Forderung von Männer.ch, dass Eltern und Fachleute sich nicht strafbar machen sollen, wenn sie «mit klarem pädagogischen Ziel» pornografische Darbietungen unter 16-Jährigen zugänglich machen.

Schliesslich stellte Helena Trachsel die ultimative Forderung, Theunert müsse von seinem Präsidium bei Männer.ch zurücktreten, wenn er als Männerbeauftragter weiterbeschäftigt werden wolle. Theunert hat sich dafür entschieden, sich weiterhin für Männer.ch zu engagieren, und seine Stelle beim Kanton Zürich gekündigt.

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