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Ein überaus erleichterter Museumsdirektor

Von Helene Arnet. Aktualisiert am 14.02.2011 2 Kommentare

Andreas Spillmann hat bis zuletzt gebangt: Nun hat die Erweiterung des Landesmuseums die letzte politische Hürde genommen.

Der Annexbau wird gut fünf Prozent des Areals beanspruchen: Andreas Spillmann im Platzspitz.

Der Annexbau wird gut fünf Prozent des Areals beanspruchen: Andreas Spillmann im Platzspitz.
Bild: Doris Fanconi

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Erweiterung des Landesmuseums

Nun ist das Geld beisammen

Zürich – 62 Prozent der Zürcherinnen und Zürchern scheint es richtig, dass dem Lotteriefonds 20 Millionen für den Erweiterungsbau des Landesmuseums entnommen werden. Damit ist die letzte institutionelle Hürde genommen. Voraus ging ein Marathon, der über das Landesparlament, mehrere Abstimmungen im Zürcher Kantonsrat und im Stadtzürcher Gemeinderat führte und schliesslich zwei Volksabstimmungen nach sich zog. Christian Martin Gutekunst, Präsident des Gegnerkomitees, akzeptiert diese demokratischen Entscheide, geht aber davon aus, dass eine Stimmrechtsbeschwerde an der nächsten Komitee-Sitzung ein Thema sein wird. Die Gesamtkosten der Sanierung und Erweiterung belaufen sich auf 111 Millionen Franken. Der Bund übernimmt als Bauherr 76 Millionen, die Stadt Zürich 10, Private 5 Millionen Franken.(net)

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62 Prozent sagen Ja zur Erweiterung des Landesmuseums. Was sehe ich in fünf Jahren, das zurzeit in irgendwelchen Kellern lagert?
Archäologie mit Pfahlbaufunden zum Beispiel. Ein ganzer Flügel wird zu einem Archäologischen Museum werden. Das fehlt Zürich bis heute. Sie werden auch nicht mehr durch Hintereingänge und enge Garderoben geführt und zuweilen in Sackgassen landen. Das Landesmuseum wird auch baulich zeitgemäss.

Fast ein historischer Schritt.
Das kann man wohl sagen. Seit das Landesmuseum steht, hat wohl jeder Direktor die Notwendigkeit eines Erweiterungsbaus betont. Schon dem Architekten Gustav Guhl war klar, dass es dem Museum an Platz mangelt. Es wurden wieder und wieder Projekte aufgegleist, keines hat es bis zur Baureife geschafft. Dies ist die allererste Erweiterung seit der Eröffnung des Landesmuseums 1898. Wir haben seit November eine rechtskräftige Baubewilligung und seit gestern den vollständigen Kredit beisammen. Vorausgesetzt, dass nicht noch eine Stimmrechtsbeschwerde eingereicht wird, haben wir also wirklich die letzte Hürde geschafft.

Haben Sie einmal daran gezweifelt?
Immer wieder. Umso grösser ist jetzt die Erleichterung. Wir wussten bis gestern Morgen nicht sicher, woran wir waren, obwohl ja fast alle politischen Parteien hinter uns standen. Grössere Bauvorhaben haben es in Abstimmungen nicht einfach. Wir waren auf alle Fälle sehr froh, dass die private Gesellschaft Landesmuseum Zürich und die Stiftung uns tatkräftig unterstützt haben.

Sie haben von einem zeitgemässen Museum gesprochen. Was verstehen Sie denn darunter?
Bei den Wechselausstellungen mussten wir oft improvisieren, weil es uns an entsprechenden Räumen fehlt. Ohne Wechselausstellungen kommt heute kein historisches Museum mehr aus. Überdies erwarten die heutigen Museumsbesucher neben Ausstellungen auch ein gutes Museums-Café und einen Shop.

Allerdings habe ich vor kurzem im Landesmuseum einen Grossvater mit Enkel angetroffen, der sehr enttäuscht war, weil es die Landsknechtengruppe mit Hellebarden nicht mehr gab.
Aber die gibt es doch! Er hat sie nur nicht gefunden. Begreiflicherweise. Der jetzige Zustand erlaubt keinen richtigen Rundgang, der überall vorbeiführt. Auch das wird besser. Wir sind uns sehr bewusst, dass wir generationenübergreifende Geschichte anbieten müssen. Der Waffenturm ist in die Dauerausstellung integriert. Auch dieser Teil der Geschichte ist für uns sehr wichtig. Gerade letzte Woche hat uns eine Frau eine Sammlung von 600 Zinnsoldaten angeboten. Die wollen wir natürlich zeigen!

Früher hat wohl jedes Kind einmal auf der Schulreise das Landesmuseum in Zürich besucht. Ist das heute auch noch üblich?
Wir haben viele Schulklassen, und wir haben gerade dieses Jahr die Schulklassen zum Schwerpunktthema gemacht. Wir stellen fest, dass in der Schule der Geschichtsunterricht immer weniger Platz einnimmt. Und hier wollen wir mit unserem Angebot eine Lücke schliessen. Es ist für uns eine spannende und dankbare Aufgabe, die Geschichte so zu präsentieren, dass sie für Kinder, aber auch für Erwachsene interessant ist.

Müssen Sie für den Umbau das Museum schliessen?
Wir bauen bei laufendem Betrieb um und wollen auf alle Fälle vermeiden, dass sich die Besucherinnen und Besucher auf einer Baustelle wähnen. Das schaffen wir schon, wir haben mittlerweile viel Übung im Improvisieren .

2016 soll es so weit sein. Auf was freuen Sie sich jetzt am meisten?
Wie es sich gehört, warten wir nach einer Abstimmung zuerst die Rekursfrist ab, erst dann ist wirklich alles in trockenen Tüchern. Ich freue mich aber schon richtig auf die erste Bausitzung. Aber auch auf den Arbeitstag morgen Montag, weil es schön sein wird, zu spüren, wie sich die Unsicherheit und die Anspannung der letzten Zeit löst. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.02.2011, 23:50 Uhr

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2 Kommentare

Jean-Marc Monhart

14.02.2011, 12:01 Uhr
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Ich bin nicht erleichtert, eher enttäuscht. Antworten


Markus Rotkopf

14.02.2011, 11:27 Uhr
Melden

Widersprüchlich. Zum einen beklagt sich Herr Spillmann, dass der Geschichtsunterricht immer weniger Platz erhält, zum anderen will er 600 Zinnsoldaten zeigen. Sind diese Figürchen eine zeitgemässe Form, Geschichte zu vermitteln? Antworten



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