Zürich
Eine 4½-Zimmer-Wohnung für 29'000 Franken pro Monat
Von Patrick Kühnis. Aktualisiert am 23.11.2012 108 Kommentare
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Ein TA-Leser hat auf dem Immobilienportal Homegate für seine Familie nach einer ruhigen 4- bis 5-Zimmer-Mietwohnung in der Region Zürich gesucht. Dabei entdeckte er einen ganz besonderen Eintrag: «Seeanstoss der Extraklasse», versprach dieser. Von einer im Jahr 2008 erbauten Liegenschaft an «exklusivster Wohnadresse, wo internationale und wohlhabende Persönlichkeiten zusammentreffen» war da die Rede. Ruhig, gestylt, mit ultimativer «Privacy». Die 4½-Zimmer-Wohnung mit 380 Quadratmeter Wohnfläche und gigantischen Fensterfronten verleihe einem das Gefühl, «sich auf einem Luxusdampfer direkt auf dem Zürichsee zu befinden». Leer geschluckt hat der Familienvater, als er den Preis des Bijous sah: 24'500 Franken beträgt die Miete. Hinzu kommen 4500 Franken Nebenkosten. Macht zusammen stolze 29'000 Franken.
Ein «liegendes Hochhaus»
Die Wohnung steht weder im Seefeld noch in Küsnacht, sondern an der Pfnüselküste. Genauer: in Kilchberg, wo die Peach Property Group im Jahr 2008 eine der luxuriösesten Überbauungen der Schweiz erstellt hat – samt 120 Meter Seeanstoss. Das Bauvorhaben kam schon vor der Aufrichte in die Schlagzeilen, weil dafür die alten Gebäude der Schooren-Porzellanfabrik überraschend gesprengt wurden. Die Archäologen mussten ihre Notgrabungen auf einem Trümmerfeld durchführen.
Die Zürcher Architektin Sara Spiro überbaute das Areal mit einem 100 Meter langen «liegenden Hochhaus», für das sie sich in Kanada inspirieren liess. Nahe der Schokoladenfabrik von Lindt & Sprüngli entstanden neun zwei- oder dreistöckige Wohnungen aus Glas und Beton, die jeweils über 300 bis 700 Quadratmeter Wohnfläche verfügen. Verkauft wurden sie damals allesamt «ab Plan» – für angeblich 10 bis 14,5 Millionen Franken. Einer der Eigentümer vermietet seine Residenz nun weiter.
So viel wie zehn Wohnungen
Die Monatsmiete für eine typische 4½-Zimmer-Wohnung mit Balkon in Kilchberg beträgt normalerweise 3050 Franken (Zürich: 2950 Franken). So hat es der Vergleichsdienst Comparis.ch errechnet, der für seine Analyse 250'000 Mietinserate aus der ganzen Schweiz ausgewertet hat. Mit diesem Geld kann ein Interessent bei der ausgeschriebenen Residenz im Schooren nicht einmal die Nebenkosten begleichen.
Dafür bekommt der künftige Mieter einiges geboten: ein Wohnbereich mit Chemineé, Hightechküche und Zugang zum lichtdurchflutetem Atrium. Ein Schlaftrakt mit Liegewiese davor. Eine Nasszelle mit Seesicht, in dem Mann und Frau zwischen Whirlpool und Doppeldusche sowie separaten Ankleidefoyers wählen können. Hinzu kommen zwei Parkplätze in der Tiefgarage und ein Bootsplatz. Mit den Nachbarn teilen muss man das 25-Meter-Schwimmbecken und die Wellnessoase, in der stets frische Bademäntel bereithangen. Allzeit bereitstehen laut Inserat auch eine Luxuskarosse mit Chauffeur – sowie ein Concierge, der sich ums Wohl der Bewohner kümmert.
Leben wie auf einem Boot
Gibt es tatsächlich Mieter, die sich diesen Luxus für fast 30'000 Franken im Monat leisten können und wollen? Ja, sagt die verantwortliche Maklerin. Das Angebot richte sich an wohlhabende Interessenten aus dem In- und Ausland, die in ihren eigenen vier Wänden nicht auf die Annehmlichkeiten eines 5-Stern-Hotels verzichten wollten. Finanziell sei das durchaus vergleichbar, weil eine Hotelsuite auch 1000 Franken pro Nacht koste. Mehr darf sie ohne Einwilligung der Eigentümerschaft nicht sagen – und die stand bis gestern Abend aus.
Diskretion wird in dieser Siedlung ohnehin grossgeschrieben. Zwar sickerte gerüchteweise durch, dass sich der Milliardenerbe Christian «Mick» Flick oder der New-Economy-Star Thomas Haffa eine der Wohnungen gekauft haben sollen. Mit Sicherheit weiss man es aber nur von Gisela Rich, Ex-Gattin des milliardenschweren Rohstoffhändlers Marc Rich. Diese wohnt eigentlich in St. Moritz, legte sich aber in Kilchberg eine Zweitwohnung zu. In einer Luxusbeilage der «Weltwoche» verriet sie, wie es sich so im Schooren wohnt: «Ich bin hier, weil es sich um eine einzigartige Sache handelt. Wegen der Architektur, die gewählt wurde, lebe ich wie auf einem Boot, ohne das Geschaukel.» Ihr Lieblingsplatz sei ein tabakbraunes Ledersofa von Flexform, von dem aus man auf die Glarner Alpen blicken könne.
Es geht noch teurer
Mit einer Monatsmiete von 29'000 Franken erreicht Kilchberg (Steuerfuss: 76 Prozent) ein Preisniveau, das laut Immobilienexperten an Toplagen wie Zürich, Genfersee oder St. Moritz herankommt. Am Bellevue war dieses Jahr ein 280-Quadratmeter-Penthouse ausgeschrieben, das 45'000 Franken pro Monat kostete. Und Homegate bietet gerade eine «Traumvilla» in der Enge feil, für die man monatlich 31'800 Franken netto zahlt. Deren Wohnfläche ist mit 542 Quadratmetern aber wesentlich grösser als im Schooren. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 23.11.2012, 07:42 Uhr
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108 Kommentare
Der Preis ist relativ. Der Mietzins ist das Zehnfache einer durchschnittlichen Wohnungsmiete. Verglichen mit den Abzockerlöhnen - die das Mehrfache eines Angestellten-Lohnes beträgt, also wieder günstig. Also was solls, der Kreislauf stimmt. Antworten
Die "Pfnüselküste" hat sich eben schon lange in eine "Platinküste" gewandelt und die Goldküste abgelöst. Hier sind ja auch die tiefsten Steuersätze und reichsten Gemeinden (Rüschlikon). Der Durchsschnittspreis für eine Wohnung in Kilchberg ist ein Witz - dann zeigen sie mir mal eine Wohnung für 3000 Franken - für 5000 schon eher wohl eher möglich. Antworten
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