Eine 4½-Zimmer-Wohnung für 29'000 Franken pro Monat

Wohnen wie im 5-Stern-Hotel hat seinen Preis – auch wenn das Haus nur an der Pfnüselküste steht: In Kilchberg ist eine Luxuswohnung zu haben, bei der Bademäntel und Bootsgarage inbegriffen sind.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ein TA-Leser hat auf dem Immobilienportal Homegate für seine Familie nach einer ruhigen 4- bis 5-Zimmer-Mietwohnung in der Region Zürich gesucht. Dabei entdeckte er einen ganz besonderen Eintrag: «Seeanstoss der Extraklasse», versprach dieser. Von einer im Jahr 2008 erbauten Liegenschaft an «exklusivster Wohnadresse, wo internationale und wohlhabende Persönlichkeiten zusammentreffen» war da die Rede. Ruhig, gestylt, mit ultimativer «Privacy». Die 4½-Zimmer-Wohnung mit 380 Quadratmeter Wohnfläche und gigantischen Fensterfronten verleihe einem das Gefühl, «sich auf einem Luxusdampfer direkt auf dem Zürichsee zu befinden». Leer geschluckt hat der Familienvater, als er den Preis des Bijous sah: 24'500 Franken beträgt die Miete. Hinzu kommen 4500 Franken Nebenkosten. Macht zusammen stolze 29'000 Franken.

Ein «liegendes Hochhaus»

Die Wohnung steht weder im Seefeld noch in Küsnacht, sondern an der Pfnüselküste. Genauer: in Kilchberg, wo die Peach Property Group im Jahr 2008 eine der luxuriösesten Überbauungen der Schweiz erstellt hat – samt 120 Meter Seeanstoss. Das Bauvorhaben kam schon vor der Aufrichte in die Schlagzeilen, weil dafür die alten Gebäude der Schooren-Porzellanfabrik überraschend gesprengt wurden. Die Archäologen mussten ihre Notgrabungen auf einem Trümmerfeld durchführen.

Die Zürcher Architektin Sara Spiro überbaute das Areal mit einem 100 Meter langen «liegenden Hochhaus», für das sie sich in Kanada inspirieren liess. Nahe der Schokoladenfabrik von Lindt & Sprüngli entstanden neun zwei- oder dreistöckige Wohnungen aus Glas und Beton, die jeweils über 300 bis 700 Quadratmeter Wohnfläche verfügen. Verkauft wurden sie damals allesamt «ab Plan» – für angeblich 10 bis 14,5 Millionen Franken. Einer der Eigentümer vermietet seine Residenz nun weiter.

So viel wie zehn Wohnungen

Die Monatsmiete für eine typische 4½-Zimmer-Wohnung mit Balkon in Kilchberg beträgt normalerweise 3050 Franken (Zürich: 2950 Franken). So hat es der Vergleichsdienst Comparis.ch errechnet, der für seine Analyse 250'000 Mietinserate aus der ganzen Schweiz ausgewertet hat. Mit diesem Geld kann ein Interessent bei der ausgeschriebenen Residenz im Schooren nicht einmal die Nebenkosten begleichen.

Dafür bekommt der künftige Mieter einiges geboten: ein Wohnbereich mit Chemineé, Hightechküche und Zugang zum lichtdurchflutetem Atrium. Ein Schlaftrakt mit Liegewiese davor. Eine Nasszelle mit Seesicht, in dem Mann und Frau zwischen Whirlpool und Doppeldusche sowie separaten Ankleidefoyers wählen können. Hinzu kommen zwei Parkplätze in der Tiefgarage und ein Bootsplatz. Mit den Nachbarn teilen muss man das 25-Meter-Schwimmbecken und die Wellnessoase, in der stets frische Bademäntel bereithangen. Allzeit bereitstehen laut Inserat auch eine Luxuskarosse mit Chauffeur – sowie ein Concierge, der sich ums Wohl der Bewohner kümmert.

Leben wie auf einem Boot

Gibt es tatsächlich Mieter, die sich diesen Luxus für fast 30'000 Franken im Monat leisten können und wollen? Ja, sagt die verantwortliche Maklerin. Das Angebot richte sich an wohlhabende Interessenten aus dem In- und Ausland, die in ihren eigenen vier Wänden nicht auf die Annehmlichkeiten eines 5-Stern-Hotels verzichten wollten. Finanziell sei das durchaus vergleichbar, weil eine Hotelsuite auch 1000 Franken pro Nacht koste. Mehr darf sie ohne Einwilligung der Eigentümerschaft nicht sagen – und die stand bis gestern Abend aus.

Diskretion wird in dieser Siedlung ohnehin grossgeschrieben. Zwar sickerte gerüchteweise durch, dass sich der Milliardenerbe Christian «Mick» Flick oder der New-Economy-Star Thomas Haffa eine der Wohnungen gekauft haben sollen. Mit Sicherheit weiss man es aber nur von Gisela Rich, Ex-Gattin des milliardenschweren Rohstoffhändlers Marc Rich. Diese wohnt eigentlich in St. Moritz, legte sich aber in Kilchberg eine Zweitwohnung zu. In einer Luxusbeilage der «Weltwoche» verriet sie, wie es sich so im Schooren wohnt: «Ich bin hier, weil es sich um eine einzigartige Sache handelt. Wegen der Architektur, die gewählt wurde, lebe ich wie auf einem Boot, ohne das Geschaukel.» Ihr Lieblingsplatz sei ein tabakbraunes Ledersofa von Flexform, von dem aus man auf die Glarner Alpen blicken könne.

Es geht noch teurer

Mit einer Monatsmiete von 29'000 Franken erreicht Kilchberg (Steuerfuss: 76 Prozent) ein Preisniveau, das laut Immobilienexperten an Toplagen wie Zürich, Genfersee oder St. Moritz herankommt. Am Bellevue war dieses Jahr ein 280-Quadratmeter-Penthouse ausgeschrieben, das 45'000 Franken pro Monat kostete. Und Homegate bietet gerade eine «Traumvilla» in der Enge feil, für die man monatlich 31'800 Franken netto zahlt. Deren Wohnfläche ist mit 542 Quadratmetern aber wesentlich grösser als im Schooren. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 23.11.2012, 07:42 Uhr)

Stichworte

Artikel zum Thema

Gesucht: Mieter für Luxuswohnungen

Die Vermietung von Wohnungen aus dem oberen Preissegment harzt. Dies zeigt das Beispiel zweier Attikawohnungen im Zürcher Triemliquartier. Mehr...

Zürichberg-Juwelen suchen Käufer

Die teuersten Eigentumswohnungen der Stadt sind fertig gebaut. Doch drei der sechs haben noch immer keinen neuen Besitzer. Die Abschaffung der Pauschalsteuer hat mehrere Interessenten abgeschreckt. Mehr...

Der Albtraum in den Luxuswohnungen

Eine brandneue Siedlung in Stäfa muss saniert werden. Wegen Pfuschs floss Wasser in die Häuser. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Publireportage

ZÜRICH OPENAIR 2014

...mit Deadmau5, Paolo Nutini, Röyksopp & Robyn, Parov Stelar Band und vielen mehr!

Die Welt in Bildern

Gaza Konflikt: Palästinenser fliehen aus ihren Häusern, nachdem der Turm einer Moschee durch einen israelischen Luftangriff eingestürzt ist.
(Bild: Mohammed Salem) Mehr...