Eine Fläche so gross wie der Vatikan geht an Baufirma
Von René Donzé. Aktualisiert am 01.09.2010 2 Kommentare
Eine Fläche so gross wie der Vatikan wechselt die Besitzerin
Orange: Entwicklungsliegenschaften
Blau: Vermietete Liegenschaften
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Bis gestern war der Sulzer-Konzern der wichtigste Grossgrundbesitzer in Winterthur. Auch wenn der Konzern seit Jahren schrumpft und als Unternehmen mit 700 Angestellten in der Stadt nicht mehr die Bedeutung von einst hat, gehörten ihm noch grosse Ländereien in der Stadtmitte und in Oberwinterthur – jede mindestens so gross wie die Altstadt. Sulzer (SUN 116.9 0.00%) blieb dadurch der wichtigste Partner der Stadtentwicklung von Stadtpräsident Ernst Wohlwend (SP). Gemeinsam wurden Areale entwickelt, mal etwas mehr, mal etwas weniger einvernehmlich. Doch grundsätzlich auf kooperativer Basis. Eben: bis gestern.
Auf einen Schlag hat die Sulzer Immobilien AG nun sämtliche Liegenschaften und Grundstücke verkauft, die sich noch in ihrem Besitz befanden. Insgesamt 400 000 Quadratmeter waren es, das entspricht der Fläche des Vatikans. «Das ergibt für die Winterthurer Stadtentwicklung eine völlig neue Ausgangslage», sagt Wohlwend. Mit Sulzer habe er einen Ansprechpartner gehabt, der mit der Stadt und ihrer Vergangenheit verbunden gewesen sei. Mit Implenia (IMPN 30.3 2.02%) hingegen sehe er sich einer riesigen Baufirma gegenüber, für die Winterthur nur ein Standort von vielen sei. Er wolle aber «ohne Vorurteile» auf den neuen Besitzer zugehen, sagt Wohlwend.
Die Stadt war vorgewarnt
Überraschend kam der Verkauf nicht. Seit Jahren schon ist Sulzer daran, Liegenschaften abzustossen. In den letzten Wochen verdichteten sich die Anzeichen, dass ein Käufer für den gesamten noch vorhandenen Rest vor der Tür steht. Aus Sorge um den Verlust des bisherigen Verhandlungspartners hat die Stadt deshalb im Juli beim Kanton eine Planungszone für das Gebiet in Oberwinterthur beantragt.
Das gibt der Stadt Winterthur nun drei Jahre Zeit, verbindliche rechtliche Grundlagen für den neuen Stadtteil zu schaffen, der dort entstehen wird. So lange dürfen Grundeigentümer nur bauen, was der Stadt gefällt. Sulzer und zwei weitere Grundeigentümer haben zwar Rekurs dagegen eingelegt, doch unabhängig davon ist die Planungszone seit einer Woche rechtskräftig.
Mit der Planungszone hat die Stadt dem Sulzer-Konzern zum Schluss der Zusammenarbeit einen Bärendienst erwiesen. «Wir können diesen Entscheid nicht nachvollziehen und sind enttäuscht», sagt Mediensprecherin Verena Gölkel. Umso mehr sei Sulzer erleichtert, dass der Verkauf an Implenia dennoch zustande gekommen sei. Hat die Intervention auf den Preis gedrückt? «Wir wollen uns nicht an Spekulationen darüber beteiligen», sagt Gölkel.
Ein günstiger Preis
Tatsache indes ist, dass Implenia mit 82,1 Millionen Franken für das Land gerade mal gut 200 Franken pro Quadratmeter bezahlen musste. Unlängst noch verkaufte Sulzer der Stadt in Oberwinterthur Land für ein Schulhaus zum Preis von 1050 Franken pro Quadratmeter. Laut Implenia-Sprecher Philipp Bircher sind auch Altlasten in den Preis einkalkuliert worden. Zudem liege ein Teil des Landes in der Landwirtschaftszone. Sulzer wird gemäss Gölkel über den Verkaufspreis hinaus noch einen «mittleren zweistelligen Millionenbetrag» für Liegenschaften lösen, für die bereits Vorverträge bestehen und die demnächst veräussert werden sollen. Dazu gehört unter anderem das Areal «Superblock», auf dem die Stadt und die Axa die neue Verwaltung bauen wollen. Der Baukonzern Implenia war bisher vor allem als Bauunternehmer respektive Totalunternehmer aufgetreten. Aber die Projektentwicklung werde immer wichtiger, sagt Bircher. Der Landkauf in Winterthur ist für den Konzern ein «strategischer Meilenstein». Laut Bircher will Implenia in Winterthur «eng mit der Stadtentwicklung zusammenarbeiten». Der Baukonzern übernimmt die acht bei Sulzer für Arealentwicklung zuständigen Mitarbeiter. Rund 230 000 Quadratmeter des Landes kann Implenia überbauen oder umnutzen.
Grosse Teile der gekauften Flächen werden bereits von Mietern belegt, etwa vom Medizinalkonzern Zimmer, dem Dieselmotorenbauer Wärtsilä oder von Chemtech. Bisher hatte Sulzer Immobilien diese Liegenschaften verwaltet. Für 2,5 Millionen Franken geht die Verwaltung inklusive der 40 Mitarbeiter an die Auwiesen Immobilien über, die aus der Rieter Immobilien hervorgegangen ist. Neuer Chef wird der bisherige Sulzer-Immobilienchef Martin Schmidli. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 01.09.2010, 07:29 Uhr



































