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Einkauf kommt per Velokurier - dank Defizitgarantie des Sozialdepartements

Von Claudia Imfeld. Aktualisiert am 15.06.2009 5 Kommentare

Die Velokuriere des Projekts «Züriwerk bringts» radeln bald auch in Affoltern Einkaufstaschen nach Hause. Ums Geld muss sich das Projekt keine Sorgen machen: Das Sozialdepartement übernimmt ein allfälliges Defizit.

Bald auch in Zürich-Affoltern unterwegs: Die Velokuriere vom Züriwerk.

Sophie Stieger

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Abkommen mit Velokurieren

Rund 80 Prozent der Ware, welche die Kuriere von «Züriwerk bringts» durch Zürichs Strassen fahren, sind Lebensmittel. Besonders gerne lassen sich die Kunden schwere Getränkeflaschen nach Hause liefern. Die restlichen 20 Prozent sind elektronische Geräte oder Tierfutter.

Geschäftliche Pakete oder Dokumente liefert das Züriwerk nicht aus, wie Hans-Peter Kienast, Geschäftsleiter Züriwerk Stadt, sagt. «Was in die Umhängetasche eines Velokuriers Platz hat, liefern wir nicht aus. Wir wollen die Velokuriere nicht konkurrenzieren.» Dies sei auch gar nicht möglich, so Kienast, «denn wir sind viel langsamer unterwegs».

Damit man sich mit den Velokurieren des Stadt nicht in die Quere kommt, gibt es ein informelles Abkommen, indem festgehalten wurde, dass man sich nicht konkurrenzieren will.

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Der Dienst ist beliebt. Allein im Mai haben die Velokuriere von «Züriwerk bringts» 1400 Lieferungen gemacht. Das Prinzip: Wer den Einkauf nicht nach Hause schleppen mag, gibt die Einkaufstaschen ab und lässt sie - zum gewünschten Zeitpunkt - nach Hause liefern. Die Velokuriere sind hauptsächlich Sozialhilfebezüger, die Veloanhänger werden von Menschen mit geistiger Behinderung gefertigt und gewartet.

Die Stiftung Züriwerk, die grösste Institution für Menschen mit Behinderung im Kanton Zürich, bietet den Dienst derzeit in Sihlcity an und zweimal wöchentlich während des Markts auf dem Bürkliplatz. Noch diesen Sommer baut die Stiftung das Projekt allerdings aus.

Neu wird der Service auch in Zürich-Affoltern angeboten. Laut Hans-Peter Kienast, der beim Züriwerk für das Projekt zuständig ist, wird derzeit ein geeigneter Ort, ein kleines Lokal, gesucht. Der Lieferservice wird in Affoltern etwas anders funktionieren, denn es gibt keinen zentralen Einkaufsknotenpunkt. «Unsere Leute müssen die Ware den Kunden also vor verschiedenen Einkaufslokalen abnehmen», so Kienast. Für diese Arbeit sollen vor allem geistig behinderte Menschen eingesetzt werden. Von einem zentralen Ort aus sollen dann Velokuriere die Ware ausliefern. Geplant ist, dass der Dienst in Affoltern spätestens Ende September startet.

«Kunden akzeptierten Preisaufschlag»

Lange war ungewiss, ob das Züriwerk ausbauen kann. Denn aus dem Jahr 2008 resultierte ein Minus von rund 150'000 Franken. Die Betreuungskosten der Velokuriere waren zu hoch, wie Kienast sagt. In der Folge erhöhte das Züriwerk den Preis pro Lieferung von fünf auf acht Franken. Diese Massnahme allein konnte das Problem aber nicht beheben. Sie führte laut Kienast aber auch nicht zu einem Einbruch bei den Kundenzahlen. «Die Leute schätzen den Dienst sehr und akzeptierten den Aufschlag praktisch ausnahmslos.»

Trotz der ungedeckten Kosten aus dem letzten Jahr ist heute klar, dass das Züriwerk ausbauen kann. Denn das Sozialdepartement hat sich bereit erklärt, während zweieinhalb Jahren ein allfälliges Defizit des Projekts in Affoltern zu tragen, wie Kienast sagt. Zahlen will er keine nennen. Die Defizitgarantie dürfte aber zwischen 200'000 und 300'000 Franken liegen.

Weitere Ausbaupläne

Kienast ist sicher, dass sich mit dem weiteren Standort die Kosten senken lassen, indem Synergien genutzt werden. Affoltern soll aber nicht die letzte Station in der Stadt Zürich sein, wo bald Züriwerk-Kuriere durch die Strassen fahren. Bereits laufen Verhandlungen mit dem Betreiber der Viaduktbögen im Kreis 5, in denen neue Ladenlokale entstehen. Auch dort will das Züriwerk seine Dienste ab 2010 anbieten.

Und Kienast kann sich durchaus noch einen weiteren Ausbau vorstellen. Für einen solchen bräuchte die Stiftung allerdings mehr Geld. Kienast hofft, dass dieses zu gegebener Zeit von der Stadt kommen wird, denn «unser Angebot ist ein Beitrag an ein ökologisches Stadtleben». Auch könnte er sich vorstellen, dass sich die Detaillisten an den Kosten beteiligen. Denn in der Stadt gebe es viele Geschäfte, die sagten, wegen zu weniger Parkplätze blieben Kunden weg. «Hier bieten wir eine Alternative.»

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.06.2009, 11:47 Uhr

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5 Kommentare

Pascal Fröhlich

15.06.2009, 13:02 Uhr
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Ich finde dies eine sehr gute Institution. Sie ist umweltbewusst, günstig und bringt allen etwas. Falls irgendjemand wieder herumzunörgeln hat wegen der Kosten für das Sozialdepartement soll einfach ruhig sein bitte. Antworten


Szoeke Angelica

15.06.2009, 13:36 Uhr
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Warum kann man da nicht die Migros/Coop dafür begeistern? Die Stiftung wäre bei einem solchen Abschluss sehr schnell aus den roten Zahlen. "Tischlein deck dich" war vor Jahren auch skeptisch beäugt worden, und heute ? Wir konnten im Sommer 2004 fast 1500 Sandwich abgeben wo nicht mehr zum Verkauf bestimmt waren, und heute ist es an der Tagesordnung! Antworten



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